Ex-Olympia-Turnerin über Missbrauchsskandal und Verband: "Intern wird da nichts passieren"
Von David Langenbein
Stuttgart/Augsburg - Die frühere Olympia-Turnerin Janine Berger (29) hat im Missbrauchsskandal keine Hoffnung auf Veränderungen beim Deutschen Turner-Bund (DTB) von innen heraus. "Intern wird da nichts passieren", sagte die 29-Jährige der "Augsburger Allgemeinen". "Wenn Veränderungen eintreten sollen, dann muss das extern passieren. Ich setze und hoffe auf die Staatsanwaltschaft und dass es durch deren Ermittlungen gezwungenermaßen zu Veränderungen kommen muss."
Viele Betroffene seien extrem frustriert, so Berger. "Es ist natürlich ernüchternd, wenn man sieht, wie die Verbände dann doch so gut wie nichts tun und ihnen die Zeit in die Karten spielt", sagte sie.
Der DTB hatte zuletzt verkündet, dass aus seiner Sicht im Missbrauchsskandal um Turnerinnen in Stuttgart und Mannheim kein strafbares Fehlverhalten von Präsident Alfons Hölzl und Sportvorstand Thomas Gutekunst vorliege. Das sei das Ergebnis einer juristischen Überprüfung der beauftragten Kanzlei Redeker Sellner Dahs. "Auf dieser Grundlage sieht das Präsidium keine Veranlassung für personelle Konsequenzen", teilte der DTB mit.
Berger kritisierte Hölzl. "Das zeigt für mich, dass er immer noch nicht, auch nur ansatzweise, reflektiert hat, was da passiert ist. Was, wenn nicht ein Ermittlungsverfahren, wäre denn für ihn überhaupt ein Anlass, zurückzutreten?", sagte sie.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen insgesamt neun aktuelle und ehemalige Funktionäre, unter ihnen Hölzl und Gutekunst. Laut Staatsanwaltschaft wurden jeweils Verfahren wegen des Verdachts der - zum Teil versuchten - vorsätzlichen Körperverletzung und der Nötigung in jeweils mehreren Fällen durch Unterlassen eingeleitet.
Vorwürfe: "Körperlicher und mentaler Missbrauch"
Kurz vor Weihnachten 2024 hatten Turnerinnen öffentlich die Arbeit am Kunst-Turn-Forum in Stuttgart angeprangert. Kritisiert wurden unter anderem "systematischer körperlicher und mentaler Missbrauch" sowie katastrophale Umstände. Auch der Bundesstützpunkt Mannheim geriet in den Fokus. Berger gehörte zu den Sportlerinnen, die schwere Vorwürfe erhoben und das System kritisierten.
Schon Anfang Februar 2025 waren die Vorwürfe ein Fall für die Justiz geworden und Ermittlungen aufgenommen worden. Zunächst richteten sich diese allerdings nur gegen Trainer. Als personelle Konsequenzen hatte der STB Trainer von ihren Aufgaben entbunden.
Titelfoto: dpa/SWR - Südwestrundfunk
