Antalya (Türkei)/Aschersleben - Der Tod eines Agrarunternehmers aus Sachsen-Anhalt beschäftigt inzwischen Ermittler in zwei Ländern. Während die Mordkommission in der Türkei die Hintergründe untersucht, stießen Polizisten auf seinem deutschen Anwesen auf zahlreiche Waffen und Munition.
Arthur S. (†46), der insgesamt rund 3200 Hektar Land bewirtschaftete, wurde leblos in seinem Haus im türkischen Antalya gefunden. Der Tod eines deutschen Staatsbürgers wurde TAG24 bereits vom Auswärtigen Amt bestätigt. Eine "Bild"-Recherche ergab nun, um wen es sich konkret handelt.
Türkischen Medien zufolge entdeckte Elena L. (40) ihren toten Lebensgefährten im Obergeschoss der erst kürzlich gekauften Immobilie im historischen Stadtviertel Kaleiçi im Bezirk Muratpaşa. Sie soll nur kurz zuvor aus Russland zurückgekehrt sein.
Nachbarn verständigten Rettungsdienst und Polizei.
Da Mediziner und Beamte offenbar Auffälligkeiten feststellten, übernahm die Mordkommission den Fall. "Die Untersuchungen dauern weiter an", erklärte die Polizei einige Tage später. Das Ergebnis der angeordneten Obduktion liegt bislang nicht vor.
Am 9. Juli durchsuchte in der Zwischenzeit ein größeres Polizeiaufgebot das Klostergut Winningen in der Magdeburger Börde. Neben dem Hof nahmen die Beamten zwei Scheunen unter die Lupe. Dabei machten sie einen unerwarteten Fund.
"Im Zuge des Einsatzes wurden ein umfangreicher Waffenbestand und Munition aufgefunden und sichergestellt", sagte Polizeisprecher Marco Kopitz gegenüber Bild. Darunter sollen sich auch Maschinenpistolen befunden haben.
Neue Partnerin des Toten bekam schon nach kurzer Zeit alle Vollmachten erteilt
Die Behörden leiteten daraufhin Ermittlungen wegen möglicher Verstöße gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz ein. Ob und wie die Waffen mit dem Todesfall in Verbindung stehen könnten, ist bislang noch nicht bekannt.
Nach Angaben der Polizei im Salzlandkreis war die durchgeführte Durchsuchung allerdings nicht unmittelbar Teil der türkischen Mordermittlungen.
Offiziell habe es sich um einen "Einsatz zum Schutz privater Rechte der Angehörigen des verstorbenen Grundstückseigentümers" gehandelt, hieß es.
Hintergrund könnten offene Fragen rund um den Nachlass des Toten sein. Arthur S. war bis vor Kurzem verheiratet und hinterlässt zwei Kinder.
Für den landwirtschaftlichen Betrieb soll jedoch allein seine neue Partnerin Elena L. zeichnungsberechtigt sein. Seit dem Jahr 2024 verfügte sie demnach über Vollmachten für die Unternehmen. Informationen des Wirtschaftsrecherche-Portals North Data zufolge besaß bis 2025 auch Philipp S., der Sohn des Verstorbenen aus dessen früherer Ehe, entsprechende Rechte. Später wurde ihm die Vollmacht allerdings entzogen. Die Gründe dafür sind nicht bekannt.
Toter stammt aus wohlhabender Familie
Arthur S. war 2004 aus Baden-Württemberg in die rund 770 Einwohner zählende Gemeinde in Sachsen-Anhalt gezogen. Das entsprechende Startkapital für den Kauf von Gut und Flächen soll von seinem gleichnamigen Großvater gekommen sein.
Dieser betrieb Maschinenfabriken und Gießereien. Die süddeutsche Firmengruppe beschäftigt heute weltweit fast 5000 Menschen und erzielte zuletzt einen Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro.