Von Mirjam Uhrich
Stade - Die Haftbedingungen für den mutmaßlichen Täter von Stade bei Hamburg, der sechs Menschen getötet haben soll, sind am Vortag seines Todes gelockert worden. Das teilte ein Sprecher des niedersächsischen Justizministeriums mit.
Der 45-Jährige habe anfangs unter besonderer Beobachtung gestanden, die nach Einschätzung einer Psychologin schrittweise gelockert und schließlich ganz aufgehoben worden sei.
Alle Maßnahmen seien auf Basis des niedersächsischen Justizvollzugsgesetzes erfolgt, sagte der Sprecher des Ministeriums. Nach ersten Erkenntnissen lagen demnach keine Hinweise auf Fehler der JVA vor.
Die internen Untersuchungen seien jedoch noch nicht abgeschlossen. Das Ministerium prüfe auch, ob die landesweit geltenden Regularien angepasst werden müssen.
Ein Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt im niedersächsischen Bremervörde hatte den mutmaßlichen Schützen am Dienstagmorgen leblos in seiner Einzelzelle gefunden. Ein Notarzt stellte den Tod des Gefangenen durch Strangulation fest.
Ermittler gehen den Angaben zufolge von Suizid aus, es gebe keine Hinweise auf ein Verbrechen.
Stade: Beamten ermitteln weiterhin gegen die zwei Frauen
Der Mann soll Ende Juni in einer Mutter-Kind-Einrichtung sechs Menschen getötet haben, darunter jeweils drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes Hannover und der Einrichtung in Stade.
Hintergrund soll ein Sorgerechtsstreit um die zur Tatzeit drei Monate alte Tochter des mutmaßlichen Schützen gewesen sein.
Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen wegen Mordes ein, ein Verfahren gegen Tote ist in Deutschland nicht möglich. Die Beamten ermitteln nach eigenen Angaben aber weiterhin gegen die Partnerin des Verdächtigen und gegen die Fahrerin des Fluchtwagens.
Außerdem versuchen sie die Abläufe und Hintergründe der Tat zu rekonstruieren.