Von Marco Krefting, Fabian Nitschmann, Martin Oversohl
Reutlingen - Nach einem großflächigen Stromausfall in Reutlingen gibt es nach Angaben des Netzbetreibers Anzeichen für eine Brandstiftung in einem Umspannwerk. 7600 Haushalte sind derzeit ohne Strom.
Es seien drei Brandstellen gefunden worden, außerdem seien der Zaun und das Gelände vor der Anlage beschädigt, sagte ein Sprecher von Netze BW. Ein Sprecher des Landeskriminalamts (LKA) Baden-Württemberg sagte, die Polizei ermittle in alle Richtungen.
Bestätigt ist ein Anschlag bislang nicht. Die Polizei ermittelt. Auch das LKA Baden-Württemberg ist eingebunden.
Nach dpa-Informationen entstand durch den Brand und den Stromausfall ein Schaden von mehreren Millionen Euro. Noch ist unklar, wann wieder alle Haushalte in Reutlingen mit Strom versorgt werden.
"Eine belastbare Prognose zur vollständigen Wiederherstellung der Stromversorgung ist derzeit noch nicht möglich", teilte die Stadt mit. Aktuell seien noch rund 7600 Haushalte ohne Strom, das betrifft etwa 30.000 Menschen. Die Innenstadt und das Krankenhaus würden wieder versorgt.
Ein Sprecher des Netzbetreibers Netze BW hatte gesagt, seit etwa 7.15 Uhr sei rund die Hälfte der betroffenen 20.000 Kunden wieder versorgt. Demnach war das Umspannwerk Reutlingen-West gegen 1.45 Uhr infolge eines Feuers ausgefallen.
Erste Einsätze für Rotes Kreuz und Malteser in Reutlingen
Nach dem Vorfall sind auch Helfer des Deutschen Roten Kreuzes und des Malteser-Hilfsdienstes im Einsatz. Um wegen der Auswirkungen des Stromausfalls besser zu helfen, arbeite ein Einsatzstab im Zentrum für Bevölkerungsschutz in Pfullingen, teilte die Stadt Reutlingen mit. Ein leitender Notarzt unterstütze vor Ort.
"Die Hilfsorganisationen bereiten sich für eine längere Einsatzdauer, die Betreuung von zahlreichen Hilfsbedürftigen sowie die Versorgung von Patienten vor", informierte die Stadt. Insgesamt seien bereits mehr als 50 Helferinnen und Helfer im Einsatz. Es habe bereits mehrere Einsätze gegeben.
Die Behörden gehen offenbar davon aus, dass viele Menschen noch länger ohne Stromversorgung bleiben. Für die Nacht wird ein Notfalltreffpunkt eingerichtet, sagte Bürgermeister Roland Wintzen. Dort sollen Menschen etwa ihr Handy laden oder Babynahrung erwärmen können.
Die Einschränkungen für die Menschen sollten so gering wie möglich gehalten werden.
Auch Kreiskliniken in Reutlingen betroffen
Der Stromausfall hat auch die Kreiskliniken in der Stadt getroffen. "Es kam für mehrere Stunden zu Einschränkungen in unserem Betrieb", sagte ein Sprecher der Krankenhäuser.
Das Klinikum am Steinenberg sei bis gegen 6 Uhr über ein Notstromaggregat versorgt worden, danach habe das Haus wieder Strom bekommen.
"Wir sind dennoch mit angezogener Handbremse unterwegs", sagte der Sprecher. "Vorsorglich bis heute Mittag haben wir alle planbaren Operationen verschoben."
Bürgerinnen und Bürger erhalten nach Angaben der Stadt die aktuellsten Informationen unter www.fairnetzgmbh.de sowie der Sondernummer 07121 319 45 300. In medizinischen Notfällen gelte weiterhin die Notrufnummer 112.
Erstmeldung am 8. Juni, 8.30 Uhr, aktualisiert um 13.05 Uhr.