Amok-Alarm an Gymnasium in Oberbayern: Schusswaffe des Täters versagte nach einem Schuss
Schongau - Bei einem mutmaßlichen Amoklauf an einem Gymnasium in Oberbayern sind zwei 13 Jahre alte Mädchen schwer verletzt worden.
Wie die Polizei am Mittwoch mitteilte, wurde ein 16-Jähriger festgenommen. Laut Polizei gibt es Hinweise auf eine Amoktat. Der Jugendliche hatte ein Messer und eine Schusswaffe dabei.
Der Täter gab laut Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (56, CSU) einen Schuss ab, der niemanden verletzte. Dann habe die Schusswaffe versagt.
Dann habe der 16-Jährige ein Messer gezogen. Lehrkräfte und Polizei hätten den Täter wenig später überwältigt und gestoppt.
Mindestens zwei 13 Jahre alte Mädchen wurden schwer verletzt und in ein Krankenhaus gebracht, bestätigte eine Sprecherin der Polizei. Es handelt sich um Schülerinnen des Gymnasiums. Beide Verletzte befinden sich inzwischen außer Lebensgefahr.
Mehr als 15 Streifen waren am Mittag zum Welfen-Gymnasium im Dornauer Weg in Schongau geeilt. Auch sechs Hubschrauber seien am Einsatz beteiligt, vier davon von der ADAC-Luftrettung, sagte ein Sprecher. Einer der vier Helikopter sei zur Versorgung von Verletzten genutzt worden.
Der Vorfall habe sich teilweise auf dem Schulgelände und in unmittelbarer Nähe des Gymnasiums ereignet.
Täter war in psychiatrischer Behandlung: Motiv unklar
Der mutmaßliche Täter befand sich zunächst auf der Flucht, konnte dann aber gefasst werden.
Laut Innenminister Joachim Herrmann (69, CSU) befand sich der Jugendliche in der Vergangenheit in psychiatrischer Behandlung. Demnach hat der 16-Jährige die kroatische Staatsbürgerschaft und wohnte zuletzt bei seinen Eltern.
Sein Motiv bleibt zunächst unklar. Ob es zwischen ihm und den beiden verletzten Mädchen eine Vorbeziehung gab, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Es müsse nun geklärt werden, ob es da "irgendeinen besonderen Bezug gegeben hat zu den Opfern oder ob das eher zufällig diejenigen waren, die ihm da begegnet sind", sagt Innenminister Herrmann.
"Wir ermitteln in alle Richtungen", sagte ein Polizeisprecher.
Augenzeugin berichtet: "Gehofft, dass der uns nicht bemerkt"
Eine 13-jährige Schülerin berichtete von der schockierenden Tat. "Meine Beine sind ganz schwach geworden", sagte das Mädchen. "Ich habe gar nicht mehr gewusst, wie ich jetzt reagieren soll, ob ich irgendwie kurz nach Hilfe rufen soll oder einfach mich ganz leise verhalten soll."
Sie habe sich mit zwei Freunden für die zweite Variante entschieden. "Wir haben dann einfach weggeschaut und gehofft, dass der uns nicht bemerkt."
Die beiden verletzten Mädchen seien in ihrer Parallelklasse.
Bilder von der Einsatzlage in Schongau
Verletzte an Gymnasium in Schongau: Anlaufstelle für Eltern eingerichtet
Für Angehörige und Eltern von Schülern wurde inzwischen eine Anlaufstelle am Feuerwehrhaus in der Bahnhofstraße 46 in Schongau eingerichtet.
Etwa 800 Schüler besuchen das betroffene Gymnasium in der 13.000-Einwohner-Kleinstadt Schongau. In direkter Nachbarschaft gibt es auch eine Grund-, Mittel- und Realschule.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach von einer Amoktat. "Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Verletzten der Amoktat von Schongau", sagte Söder. "Solch eine schreckliche Tat reißt nicht nur sichtbare, sondern auch viele unsichtbare Wunden. Die Heilung der Seelen wird lange dauern."
Die Einsatzkräfte mahnten Bewohner, den Bereich um den Dornauer Weg 21 zu meiden.
Erstmeldung von 13.55 Uhr; letzte Aktualisierung 19.20 Uhr.
Titelfoto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

