Von Birgitta von Gyldenfeldt, Lea Albert, Sönke Möhl, André Klohn, Felix Müschen, Celine Hog
Westerland - Nach den Schüssen auf einen Barber-Shop auf der Insel Sylt am Mittwoch hat die Staatsanwaltschaft Flensburg einen Antrag auf einen Haftbefehl gegen einen 15-Jährigen erlassen.
Nach dem aktuellen Ermittlungsstand bestehe gegen den Jugendlichen der dringende Verdacht, die Schüsse abgegeben zu haben, teilte die Polizei mit.
Demnach wird wegen des Verdachts des versuchten Totschlags sowie wegen Verstößen gegen das Waffengesetz ermittelt.
Am Mittwoch sind in einer Einkaufsstraße am hellichten Tag mitten in Westerland auf der Nordsee-Insel Sylt mindestens drei Schüsse auf einen Barber-Shop abgegeben worden.
Verletzt wurde bei dem Vorfall in einer Einkaufsstraße zufolge niemand, wie ein Polizeisprecher sagte.
Ein 23-jähriger Mann, der eine scharfe Schusswaffe bei sich trug, und der 15 Jahre alte Jugendliche wurden festgenommen.
Dabei wurde der Jugendlich am Bahnhof aufgegriffen. Die Fahndungsmaßnahmen auf der Insel seien eingestellt worden, hieß es am Mittwochabend. In der Mitteilung der Polizei hieß es, ein Verdächtiger habe auf der Flucht mindestens einen weiteren Schuss abgegeben.
Nach den Schüssen ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung, der Sachbeschädigung sowie wegen Verstößen gegen das Waffengesetz.
Urlauberin reagiert beunruhigt: "Das fühlt sich nicht gut an"
Eine Urlauberin aus Nordrhein-Westfalen äußerte sich beunruhigt. "Das fühlt sich nicht gut an", sagte die Frau. "Gut, dass kann Dir ja heute überall passieren." Irgendwie sei man aber doch geschockt.
Eine Sylterin berichtete, sie habe im Büro Schüsse gehört. "Aber wir hätten nicht gedacht, dass es das wäre." Es sei zwar schon merkwürdig. "Aber ich fühle mich grundsätzlich sehr sicher auf Sylt."
Eine dpa-Reporterin beobachtete in der Strandstraße ein Loch in der Scheibe eines Barber-Shops. Die Scheibe war gesprungen. Die Hintergründe des Vorfalls waren zunächst unklar. Mitarbeiter des Salons wurden nach Beobachtung der dpa-Reporterin am Mittag von der Kriminalpolizei einzeln im Salon vernommen.
Yazan Alayoubi hielt sich zum Zeitpunkt der Schüsse in dem Geschäft auf. Der Schütze habe auch auf ihn gezielt, sagte der 20-jährige Bruder des Inhabers der dpa. Er habe am Kassensystem gearbeitet. Es seien drei Schüsse gefallen, einer davon auf ihn. Er sei hinter dem Tresen in Deckung gegangen und in einen anderen Raum geflüchtet. Niemand sei verletzt worden.
Weiterer Polizeieinsatz auf der Nordeseeinsel
Alayoubi sprach direkt nach der Tat davon, dass es "schockierend" gewesen sei. Den Schützen kenne er nicht, der Mann sei nicht maskiert gewesen. Über die Gründe für den Angriff wisse er nichts.
Daniel Schwagenscheidt, der den Inhaber des Ladens kennt, sagte vor dem Geschäft: "Das ist richtig atypisch für Sylt, besonders um diese Uhrzeit. So etwas kenne ich sonst nur aus Frankfurt und habe ich auf Sylt noch nicht erlebt."
Ein weiterer Polizeieinsatz in Westerland blieb ohne Ergebnis. Es habe einen Hinweis gegeben, dass sich in einem Haus eine Person mit einer Schussverletzung aufhalte, hieß es.
Es seien aber nur zwei Personen angetroffen worden, die unverletzt und unverdächtig sind.
Erstmeldung am 3. Juni um 13.15 Uhr, zuletzt aktualisiert am 4. Juni um 15.21 Uhr.