Tausende Polizisten sichern ersten Atommüll-Transport in NRW – sogar mobile Toiletten Teil des Konvois
Von Josefine Kaukemüller, Christoph Reichwein, Oliver Berg, Fabian Strauch, Guido Kirchner, Carsten Linnhoff, Volker Danisch und Marco Rauch
Jülich/Ahaus - Minutenlang nur Blaulicht auf sonst leeren Autobahnen: Mit einem enormen Aufwand und rund 2400 Einsatzkräften hat die Polizei den ersten Atommüll-Transport vom rheinischen Jülich nach Ahaus im Münsterland quer durch Nordrhein-Westfalen abgesichert.
Etwa 100 Fahrzeuge haben am späten Abend einen riesigen Konvoi gebildet. Darunter befanden sich Dutzende Polizeifahrzeuge, die etwa als Vorhut oder Nachhut um den Schwerlasttransporter mit der brisanten Fracht fungieren. Um kurz nach 2 Uhr erreichte der Transport schließlich sein Ziel.
Auf fast alles schien die Polizei dabei mit ihrem riesigen Tross vorbereitet zu sein. Sogar mobile Toiletten fahren per Anhänger mit. Auch hinter den Leitplanken standen an bestimmten Stellen Beamte, um etwa Zugangswege zu bewachen.
Immer wieder waren Auf- und Abfahrten entlang der Wegstrecke an den Autobahnen gesperrt. Anderen Auto- oder Lkw-Fahrern blieben dadurch zeitweise nur wenig Ausweichmöglichkeiten, wie ein dpa-Reporter berichtete. Manchen Betroffenen blieb gar nur das Wenden an der Absperrung.
Die Kolonnenfahrt auf der Autobahn ist lediglich der Auftakt einer ganzen Serie von Atommüll-Transporten. Nur ein einziger Castor-Behälter mit strahlender Altlast ist bei dieser großangelegten Aktion aus dem früheren Versuchsreaktor Jülich verlegt worden.
Weitere 151 Castor-Behälter sollen ebenfalls auf der Straße zum Zwischenlager Ahaus transportiert werden. Auch wenn möglicherweise künftig drei Schwerlasttransporter gleichzeitig losfahren, wären es immer noch um die 50 Konvois.
Umweltschützer und Polizeigewerkschaft kritisieren Atommüll-Transport
Vor dem Start des ersten Konvois demonstrierten in Jülich, Duisburg und Ahaus Gegner der Atommüll-Transporte. Unter den Organisatoren ist die Umweltorganisation BUND, die die Transporte per Gericht stoppen wollte.
Kerstin Ciesla, Vize-Landeschefin des BUND NRW machte bereits am Tag zuvor deutlich, dass die juristische Auseinandersetzung im Hauptverfahren weitergehe. Im Eilverfahren hatte der BUND mit Sicherheitsbedenken keinen Erfolg.
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt angesichts der vielen Beamten im Einsatz und bereits vielfältiger Aufgaben und einer veränderten Sicherheitslage derweil vor einer personellen Überlastung. Von einer "Aufgabe zur Unzeit" spricht Landeschef Patrick Schlüter im WDR.
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) betont hingegen, man könne sich die Einsätze nicht aussuchen. Wenn es nach ihm ginge, könnte er auf die Transporte gerne verzichten, sagt er. "Aber die Arbeit der Polizei ist kein Wunschkonzert."
Titelfoto: Bildmontage: 7aktuell.de | Alexander Franz, Christoph Reichwein/dpa

