Kamenz - Ein Anruf im Polizeirevier in Kamenz ließ bei den Beamten sofort die Alarmglocken schrillten: Ein Mann gab an, vergewaltigt zu werden. Als die Polizei ihm zu Hilfe eilte, war schnell klar, dass die Straftat vorgetäuscht war. Einsicht zeigte man allerdings keine.
Am Montagabend ging gegen 22.30 Uhr der beunruhigende Anruf im Revier ein: Ein zunächst Unbekannter gab an, in diesem Moment Opfer einer Vergewaltigung zu sein und stieß sogar Schmerzensschreie aus. Im Hintergrund war ein weiterer Mann zu hören.
Der Anrufer gab an, dass sich die schreckliche Tat an einem Kindergarten auf der Christian-Weißmantel-Straße ereignen würde. Als man ihn nach seinem Namen fragte, legte er auf.
Das Kamenzer Revier schickte sofort Beamten zum vermeintlichen Tatort, wo sie schließlich zwei Männer (27 und 35) antrafen. Den angegebenen Sachverhalt konnte man allerdings nicht feststellen.
Die beiden wurden kontrolliert und auf Alkohol getestet. Das Ergebnis: Die Deutschen standen jeweils unter 1,94 und 2,62 Promille.
Gegen sie wurde nach einer Befragung und "Prüfung aller Umstände" eine Anzeige wegen des Vortäuschens einer Straftat angefertigt.
Straftaten vortäuschen ist kein Kavaliersdelikt
Damit war die Sache allerdings nicht vorbei: Der 35-Jährige zeigte sich nach Abschluss der Maßnahmen wenig einsichtig und wollte auch einem Platzverweis nicht nachkommen. Daraufhin zeigte er den Beamten seinen Mittelfinger und beleidigte die Einsatzkräfte.
Er wurde in Gewahrsam genommen und ließ auf dem Weg aufs Revier eine ganze Flut von Beleidigungen auf die Polizisten los. Dafür bekam er eine weitere Anzeige. Die weiteren Ermittlungen übernimmt nun der örtliche Kriminaldienst.
Das Vortäuschen einer Straftat sei kein Kavaliersdelikt, warnt die Polizei in einer Mitteilung. Schließlich würden solche Einsätze tatsächlichen Notlagen in die Quere kommen und die Beamten unnötig binden.
"Wer ihn missbräuchlich nutzt, begeht eine Straftat und riskiert zudem, dass Einsatzkräfte in tatsächlichen Notfällen nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen", so ein Sprecher der Görlitzer Polizeidirektion.