Plauen - Vorsicht beim Teilen! Während die Polizei noch fieberhaft nach einer 19-Jährigen aus Plauen sucht, kursiert im Netz eine völlig bizarre Version ihres Verschwindens. Ein Artikel einer kuriosen Internetseite mutmaßt sogar über eine Entführung, behauptet zudem, dass ein Puppen-Kleidungsstück der Vermissten am Rand der Stadt gefunden wurde. Die Polizei Zwickau sagt: Das entspricht nicht der Realität.
Tatsächlich ist die junge Frau seit mehreren Tagen spurlos verschwunden. Laut Polizei hat sie womöglich eine Kinderpuppe in einem blauen Tragetuch bei sich.
Eine unseriöse Facebook-Seite will aus dieser Suchaktion offenbar Profit schlagen. Mit einer reißerischen Überschrift, dramatischen Polizei-Bildern und einem Foto der Vermissten werden User verleitet, auf einen verlinkten Artikel zu klicken.
Bereits im Facebook-Beitrag heißt es: "Der Fund eines blauen Tragetuchs am einsamen Stadtrand schürt den Verdacht, dass sie in geschwächtem Zustand gezielt weggelockt wurde."
Im Artikel selbst wird behauptet, dass die junge Frau von einem Busfahrer am Oberen Bahnhof gesehen wurde. Die Polizei wollte angeblich Videokameras überprüfen, doch diese seien nicht in Betrieb gewesen.
Alles Quatsch – sagt auch die Polizei. "Alle Informationen, die von der ursprünglichen Vermisstenfahndung abweichen, stammen nicht aus Kreisen der Polizeidirektion Zwickau", so ein Polizeisprecher. Zudem würden viele der Inhalte der kuriosen Internetseite nicht der Wirklichkeit entsprechen, heißt es.
Tatsächlich "beballert" die Facebook-Seite die User täglich mit haarsträubenden Geschichten: Mordfälle, Entführungen und Co. – allerdings mit vielen falschen Informationen. Einige Facebook-Nutzer halten die Meldungen für glaubhaft und teilen sie. Andere durchschauen den Schwindel. So auch bei der vermissten 19-Jährigen. In den Kommentaren schimpfen einige User über diese Fake-Nachricht.
Die junge Frau wird übrigens weiterhin vermisst. Wer weiß, wo sie steckt, soll sich bei der Polizei in Plauen unter der Nummer 03741/140 oder bei jeder anderen Polizeidienststelle melden.
Vorsicht, Fake! So lockt die Facebook-Seite auf ihr News-Portal
Polizei: Kein Anfangsverdacht einer Straftat
TAG24 leitete den Beitrag an die Zwickauer Polizei weiter. Diese kannte die kuriose News-Seite bislang nicht. Allerdings war den Beamten ein vergleichbarer Artikel in einem Beitrag einer sozialen Plattform bekannt, heißt es.
Machen sich die Betreiber der News-Seite strafbar? "In diesem Einzelfall besteht aufgrund der konkreten Formulierungen kein Anfangsverdacht für das Vortäuschen von Straftaten. Etwaige Klagemöglichkeiten und Rechtsansprüche der abgebildeten und inhaltlich genannten Person sind davon unberührt", so ein Polizeisprecher.
Die Masche ist nicht neu. Bereits im Sommer sorgten Facebook-Beiträge über angebliche Kindesentführungen für Aufsehen. Dabei handelte es sich um eine klassische Phishing-Masche. Über gefälschte Links wollen Betrüger an Daten und Passwörter kommen.