Von Sudan Segar, Kristin Palitza
Berlin - Mehr als drei Jahre nach dem Verschwinden eines deutschen Urlaubers in Südafrikas Touristenmetropole Kapstadt hat das Gericht ein Fehlverhalten der Polizei ausgeschlossen.
Die Verteidigung hatte den Polizeiermittlern vorgeworfen, unrechtmäßig in das Haus eines der vier Tatverdächtigen eingedrungen zu sein, um Beweismaterial zu sichern.
"Die Maßnahmen der Polizei stehen im Einklang mit der Strafprozessordnung", entschied Richter Karel Meyer im Amtsgericht von Wynberg, einem Vorort von Kapstadt. "Die bislang von der Staatsanwaltschaft vorgelegten Beweise sind zulässig." Zuvor hatte Meyer über mehrere Sitzungen Polizeibeamte sowie Zeugen der Verteidigung verhört. Das Verfahren soll am 14. April fortgesetzt werden.
Der aus Döbern in der Nähe von Cottbus stammende Nick Frischke gilt seit dem 15. Februar 2023 als vermisst. Vier Tatverdächtige sind angeklagt, den jungen Mann überfallen zu haben. In ihrem Besitz sind nach Aussagen der Polizei Frischkes Rucksack, Handy und Kreditkarte gefunden worden.
Die vier Südafrikaner haben auf "nicht schuldig" plädiert und befinden sich seit ihrer Festnahme vor etwa zweieinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Die Anklage gegen einen fünften Verdächtigen wurde aufgrund mangelnder Beweislage fallen gelassen.
Nick Frischke wollte wandern - dann verschwand er spurlos
Im Januar hatte der Chefermittler der Polizei, Dudley Truter, ausgesagt, einer der Angeklagten habe einen der mutmaßlichen Mittäter in einer eidesstattlichen Erklärung beschuldigt, Frischke in den Rücken gestochen zu haben.
Der Tourist habe aufgrund der Verletzung nicht mehr richtig laufen können, sagte Truter mit Verweis auf die Erklärung. Versuche der Nationalen Strafverfolgungsbehörde NPA, ausreichende Beweise für eine Mordanklage zu sammeln, blieben bislang erfolglos.
Der damals 22-jährige Frischke reiste nach Angaben der Polizei am 6. Februar 2023 in Südafrika ein und wohnte in einer Unterkunft im Kapstädter Vorort Pinelands.
Sein letztes Lebenszeichen ist ein von einer Sicherheitskamera aufgenommenes Foto, das den Brandenburger in Sportkleidung auf dem Weg zu einem Wanderpfad am Fuße des Karbonkelbergs in Hout Bay, einem weiteren Vorort, zeigt. Dort war er nach Polizeiangaben von einem Fahrdienst abgesetzt worden.
Südafrika ist weltweit für seine Safaris, atemberaubende Natur, weiten Strände, kulturelle Vielfalt und Outdoor-Aktivitäten bekannt. Das Land gehört zu den beliebtesten Touristenzielen Afrikas, kämpft aber mit einer hohen Kriminalitätsrate. Im vergangenen Jahr war die Zahl der Gewaltverbrechen in dem Land mit rund 63 Millionen Einwohnern erneut gestiegen.
Allein in den drei Monaten von Juli bis September 2025 sind Regierungsangaben zufolge knapp 5800 Menschen ermordet worden – statisch gesehen 63 pro Tag. In dem gleichen Zeitraum war es demnach zu etwa 32.000 Überfällen mit erschwerenden Umständen gekommen.