Jugendliche findet durch Selfie heraus, dass sie entführt wurde

Kapstadt (Südafrika) - Grotesker Fall an einer südafrikanischen Schule: Weil es eine neue Schülerin gab, zweifelte das Mädchen Miché Solomon an ihrer Lebensgeschichte.

Miché Solomon schießt gern Selfies mit dem Handy.
Miché Solomon schießt gern Selfies mit dem Handy.  © Facebook/Miche Solomon

Als die neue Schülerin Cassidy Nurse (19) an die Zwaanswyk High School in Kapstadt kam, änderte sich ihr Leben und das von Miché Solomon.

Miché Solomon (22) soll demnach von ihren Mitschülern gemobbt worden sein, als Cassidy ein paar Tage an der Schule war. Sie stellten fest, dass sie wie ein drei Jahre jüngeres Exemplar von Miché aussehe.

Als Miché die neue Schülerin dann etwas später auf dem Flur traf, soll sie gleich eine Verbindung gespürt haben. "Ich hatte fast das Gefühl, sie zu kennen", sagt sie gegenüber BBC.

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Die beiden verbrachten von da an viel Zeit miteinander. "Ich sagte, 'Hey, Baby!' Und sie antwortete, 'Hey, große Schwester!'", erinnert sich Miché. "Manchmal ging ich mit ihr ins Badezimmer und sagte: 'Lass mich deine Haare bürsten, lass mich dir etwas Lipgloss auftragen.'"

Die beiden scherzten oft, dass sie Schwestern seien.

Selfie bringt ersten Verdacht

Eins der Selfies zeigt die Ähnlichkeit.
Eins der Selfies zeigt die Ähnlichkeit.  © Facebook/Miche Solomon

Nach ein paar Tagen schossen sie Selfies von sich und verschickten es an ihre Freunde. Immer wieder wurde Miché mit der Frage konfrontiert, ob sie sich sicher sei, dass sie nicht adoptiert wurde. "Nein! Sei nicht verrückt", beharrte sie jedes Mal.

Die Mädchen zeigten die Fotos aber auch ihren Eltern.

Michés Mutter staunte über die Ähnlichkeit. Ihr Vater erkannte die Kleine sogar wieder. Aber nur, weil Cassidys Vater einen Elektro-Laden hat, in dem er ab und zu einkauft und Cassidy auch manchmal da ist.

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Cassidys Eltern sahen das Foto ungläubig an. Sie sagten nichts, außer einer Frage: Cassidy sollte herausfinden, wann Miché Geburtstag habe.

So fragte sie, ohne genau zu wissen, was los ist, ihre neue beste Freundin nach ihrem Geburtstag. Miché antwortete, dass sie am 30. April 1997 geboren wurde.

Einige Wochen später wurde die damals 17-Jährige Miché aus dem Unterricht geholt. Sie sollte zum Schuldirektor gehen. Dort warteten zwei Sozialarbeiter auf das Mädchen, die ihr eine unglaubliche Geschichte erzählten.

DNA-Test klärte ihre Identität

Ein Mädchen namens Zephany Nurse sollte drei Tage nach ihrer Geburt am 30. April 1997 aus dem Groote Schuur Hospital in Kapstadt entführt und nie wieder gefunden worden sein.

Sie hörte sich die Erzählung an und verstand nicht so recht, worauf die Sozialarbeiter aus waren. Dann erklärten die Männer ihr, dass es Beweise dafür gibt, dass Miché das Kind sein könnte, das vor Jahren einfach gestohlen worden war.

Miché erklärte den Sozialarbeitern, dass sie in einem anderen Krankenhaus geboren sei. Aber diese konnten das Argument sofort widerlegen. Das Krankenhaus hatte keine Unterlagen zu dieser Geburt.

Sie stimmte deshalb einem DNA-Test zu, der klären sollte, dass ihre Mutter wirklich ihre Mutter war.

Aber es kam nicht so, wie erwartet: Ihre Mutter war nicht wirklich ihre Mutter. "Ich hatte so viel Vertrauen in die Mutter, die mich großgezogen hat - sie würde mich niemals anlügen, besonders nicht darüber, wer ich bin und woher ich komme", sagte Miché zum BBC.

"Ich saß da ​​unter Schock", sagte Miché. "Mein Leben war außer Kontrolle."

Mutter wurde sofort verhaftet

Das Mädchen fotografiert sich auch heute noch gern selbst.
Das Mädchen fotografiert sich auch heute noch gern selbst.  © Facebook/Miche Solomon

Drei Monate wollte das Mädchen noch zu Hause wohnen, dann wäre es 18 geworden und hätte eigene Entscheidungen treffen können. Doch es kam wieder einmal ganz anders:

Ihre "Mutter" wurde sofort verhaftet. "Das hat mich kaputt gemacht", erinnert sich Miché. "Ich brauchte sie. Ich musste sie fragen: 'Warum? Was ist los?' Ich war so überwältigt, dass ich jemand anderem gehörte."

Auch ihr Vater wurde verhört und der Kindesentführung beschuldigt. Aber die Polizei fand nie Beweise dafür, dass er gewusst hatte, dass Miché ohne Erlaubnis von ihren leiblichen Eltern genommen worden war. Er wurde deshalb wieder freigelassen.

Die zweiköpfige Familie vermutet nun, dass die Frau eine Fehlgeburt erlitten hat und deshalb ein anderes Kind aus der Klinik nach Hause brachte. Miché lebt nun in ihrer eigentlichen Familie, die nie aufhörte, nach ihr zu suchen.

Die falsche Mutter wurde nun zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der Richter bemängelte, dass sie während des Prozesses keine Reue zeigte. Eine professionelle Autorin schrieb daraus jetzt ein Buch.

Titelfoto: Facebook/Miche Solomon

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