Rebecca Reusch seit drei Jahren vermisst: Fünf Theorien zu ihrem Verschwinden

Berlin - Kaum ein Kriminalfall hat Deutschland so bewegt wie der von Rebecca Reusch. Am morgigen Freitag jährt sich ihr Verschwinden nun schon zum dritten Mal: Am 18. Februar 2019 verbringt die damals 15-jährige die Nacht bei ihrer älteren Schwester in Berlin-Buckow, will von dort in die Schule, kommt aber nie an.

Seit nun schon drei Jahren fehlt von Rebecca Reusch jede Spur.
Seit nun schon drei Jahren fehlt von Rebecca Reusch jede Spur.  © ---/Polizei Berlin/dpa

Als ihre Tochter auch am Abend nicht nach Hause kommt, meldet die Familie das Mädchen als vermisst. Es beginnt eine der spektakulärsten Suchaktionen der vergangenen Jahre.

Ihr Foto geht um die Welt. Doch auch nach drei Jahren fehlt von der Schülerin nach wie vor jede Spur. Es gibt bis heute weder eine Leiche noch ein Lebenszeichen.

Die Polizei geht schon länger davon aus, dass die Teenagerin das Haus nicht mehr lebend verlassen hat. Lediglich ihre Familie hofft noch immer ihre geliebte Tochter wieder in die Arme schließen zu können. TAG24 hat die verschiedenen Theorien noch einmal zusammengefasst.

Rebecca Reusch vermisst: Diese Zeugen wollen sie lebend gesehen haben
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1) Der Schwager hat Rebecca umgebracht

Es ist die tragischste, vermutlich aber auch wahrscheinlichste Theorie: Der Schwager hat die 15-Jährige getötet.

Gleich mehrere Indizien sprechen gegen ihn: Er war zuletzt mit der 15-Jährigen im Haus, kam betrunken von einer Firmenfeier zurück und hatte anders als behauptet nicht geschlafen, sondern soll noch Pornos auf dem Handy geschaut haben. Zweimal saß er gar in Untersuchungshaft, musste aus Mangel an Beweisen aber wieder freigelassen werden.

Schwager bleibt weiter im Visier der Polizei

Mehrere groß angelegte Suchaktionen in Brandenburg blieben ohne Erfolg.
Mehrere groß angelegte Suchaktionen in Brandenburg blieben ohne Erfolg.  © Patrick Pleul/ZB/dpa

Vor allem die beiden Fahrten nach Brandenburg am Tag ihres Verschwindens und am Tag danach konnte er nicht glaubhaft erklären. Dazu passt, dass Zeugen den Renault Twingo im Wald von Kummersdorf, etwa 30 Autominuten von Berlin entfernt, gesehen haben wollen.

In einem Podcast berichtet eine Zeugin zudem einen Mann, auf den die Beschreibung des Schwagers passt, im Wald gesehen zu haben. Als er die Reiterinnen bemerkte, soll er sich weggedreht haben und abgehauen sein.

Trotz mehrmals groß angelegter Suchaktionen kann die Polizei nach wie vor aber nichts beweisen. Für eine Anklage hat es bis heute nicht gereicht. Die Suche geht aber weiter, wenn auch weiter erfolglos. "Es gibt leider keine Neuigkeiten in diese Sache", teilte ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft mit.

Vermisste 15-Jährige: Suchbild weckt Erinnerung an Rebecca Reusch
Rebecca Reusch Vermisste 15-Jährige: Suchbild weckt Erinnerung an Rebecca Reusch

2) Rebecca wurde entführt

Die Eltern halten jedoch weiter zum Schwager. Für ihren Geschmack haben sich die Polizisten zu schnell auf das Familienmitglied eingeschossen. Ihre Vermutung: Rebecca wurde entführt und irgendwo festgehalten.

Schon kurz nach dem Verschwinden bat die Mutter, die Augen offenzuhalten und auch in den Gartenlauben oder Kellern nachzusehen. "Ich bin ihre Mutter und spüre, dass sie noch am Leben ist", sagte Brigitte Reusch erst vor einem Jahr der "Bunte" und appellierte an die Entführer: "Bitte gehen Sie in sich, seien Sie barmherzig und sagen Sie uns, wo Becci ist."

Zeugen wollen Rebecca Reusch in Polen und auf Teneriffa gesehen haben

Eine Zeugin will eine verdächtige Person in einem Waldgebiet bei Kummersdorf gesehen haben.
Eine Zeugin will eine verdächtige Person in einem Waldgebiet bei Kummersdorf gesehen haben.  © Julian Stähle/dpa-Zentralbild/dpa

3) Rebecca ist mit ihrem Freund durchgebrannt

Hatte Rebecca einen Freund? Tatsächlich soll die 15-Jährige eine Internetbekanntschaft gehabt haben. Die Vermutung: Rebecca habe sich mit dem Teenager treffen wollen und deswegen auch die Fleecedecke dabei gehabt. Die Polizei ist der Spur allerdings nachgegangen. Er hat nichts mit dem Verschwinden zu tun.

4) Rebecca hält sich im Ausland auf

Gleich mehrere Menschen wollen die mittlerweile 18-Jährige lebend gesehen haben - sowohl in Deutschland als auch im Ausland. Im April 2019, zwei Monate nach ihrem Verschwinden, will ein Mann das Mädchen in einem Einkaufszentrum in Krakow gesehen zu haben - in Begleitung eines älteren Mannes. Eine deutsche Urlauberin meint wiederum, der Schülerin in einer Ferienanlage auf den Kanaren begegnet zu sein. Neu sind die vermeintlichen Begegnungen aber weder für die Medien noch für die Polizei.

5) Leidenschaft für K-Pop-Band BTS wurde ihr zum Verhängnis

Ist Rebecca durch ihre Leidenschaft für die koreanische Boyband BTS an den Falschen geraten? Der Verdacht: Da vor allem Minderjährige oft Fans der weltweiten erfolgreichen Band sind, könnte ein potenzieller Täter im Netz auf die Berlinerin aufmerksam geworden sein.

So soll sie via Snapchat am Morgen ihres Verschwindens noch ein Foto an ihre Freundin geschickt haben. Darauf zu sehen: die ebenfalls verschwundene lila Decke, sowie eine lilafarbene Polaroidkamera. Die Farbe Lila spielt bei den Fans eine besondere Rolle. Hat ein Bandmitglied Geburtstag (das ist am 18. Februar der Fall) nehmen Fans ein Foto vor einem lila Hintergrund auf.

Zudem soll sie bereits eine Jacke angehabt haben. Die Teenagerin wollte offenbar das Haus verlassen - um sich mit jemanden zu treffen? "Wir gehen weiterhin davon aus, dass Rebecca das Haus des Schwagers nicht lebend verlassen hat. Sämtliche Alternativgeschehen (...) können wir nach den Ermittlungen ausschließen. Für ein freiwilliges Verlassen der häuslichen Umgebung gibt es überhaupt keine Hinweise", so die Staatsanwaltschaft. Ob dieser Fall jemals aufgeklärt wird?

Titelfoto: ---/Polizei Berlin/dpa, Patrick Pleul/ZB/dpa

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