Coronavirus in NRW: Minister Laumann gegen flächendeckende Tests

Köln – In NRW konnten einige Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus Covid-19 zuletzt wieder gelockert werden. Wir geben einen Überblick auf die aktuellen Entwicklungen in der Corona-Krise in NRW.

Vier Aktivisten vom "Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie" haben am Samstag ein Dach der Firma Tönnies besetzt.
Vier Aktivisten vom "Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie" haben am Samstag ein Dach der Firma Tönnies besetzt.  © Guido Kirchner/dpa

Durch die Auswirkungen der Corona-Krise ist die Zahl der Arbeitslosen in Nordrhein-Westfalen im Juni weiter gestiegen. Insgesamt waren zum Sommerstart in NRW knapp 771.000 Menschen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit am Mittwoch mitteilte. 

Das waren knapp 14.000 Personen mehr als im Mai und sogar gut 137.000 mehr als ein Jahr zuvor.

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) beurteilt die Corona-Lage in Nordrhein-Westfalen trotz des massiven Ausbruchs bei Tönnies optimistisch. 

Die Lage sei so gut "wie es sich vor Wochen keiner vorstellen konnte", sagte Laumann am Montag in Düsseldorf. 

Deshalb sei es wichtig, dass bei Infektionen die Nachverfolgung der Kontaktpersonen funktioniere.

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Update, 5. Juli, 15.27 Uhr: NRW-Gesundheitsminister ist gegen flächendeckende Tests

Karl-Josef laumann ist NRW-Gesundheitsminister.
Karl-Josef laumann ist NRW-Gesundheitsminister.  © David Inderlied/dpa

Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat sich gegen flächendeckende Tests auf das Coronavirus ausgesprochen. 

"Ich halte da nicht sehr viel von", sagte der Politiker im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks. Er orientiere sich in dieser Frage an den Vorgaben des Robert Koch-Instituts. Dies bedeute, dass man anlassbezogen und dann sehr gründlich teste, wie dies beispielsweise nach dem Virus-Ausbruch beim Fleisch-Konzern Tönnies in Rheda-Wiedenbrück geschehen sei.

Ein ähnliches Vorgehen wie in Bayern lehnte Laumann in diesem Zusammenhang ab. Das Angebot der dortigen Regierung an alle Bürger, sich testen zu lassen, sei durch die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts nicht gedeckt.

Laumann verwies auch auf die Erfolge in der Pandemie-Bekämpfung beim Infektionsherd in einem Fleischbetrieb in Gütersloh. Dort sei es durch frühzeitiges Erkennen, lokale Quarantäne und breit angelegte Tests gelungen, ein Überspringen der Infektionen von den Schlachthofmitarbeitern auf die Allgemeinbevölkerung zu verhindern.

Update, 5. Juli, 9.25 Uhr: Infektions-Kennziffer im Kreis Gütersloh ist weiter gesunken

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies ist die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner im Kreis Gütersloh weiter gesunken. 

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Sonntag liegt die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz mittlerweile bei 56,0. Am Vortag lag dieser Wert noch bei 66,5 Prozent und am Freitag bei 76,6. Zum Höhepunkt des Corona-Ausbruchs bei Tönnies lag der Wert bei 270,2. Als Grenzwert für das Ende des regionalen Lockdowns im Kreis gilt der Wert 50.

Nach der Ausbreitung des Coronavirus bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück hatte es den ersten regionalen Lockdown in den Kreisen Gütersloh und Warendorf gegeben. Die Einschränkungen im Kreis Gütersloh gelten noch bis zum 7. Juli. 

Im Kreis Warendorf, in dem ebenfalls viele Tönnies-Mitarbeiter wohnen, war die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage bereits unter den Grenzwert von 50 gefallen.

Update, 4. Juli, 14.55 Uhr: Köln räumt zwei Treffpunkte, in Düsseldorf entspannter

In der Nacht zu Samstag hat die Stadt Köln zwei beliebte Treffpunkte Corona-bedingt geräumt. Laut Mitteilung der Stadt trafen der Ordnungs- und Verkehrsdienst etwa 400 Menschen sowie eine Musikgruppe am Stadtgarten an. 

Auch im Bereich der Schaafenstraße stellten die Ordnungshüter eine große Menschenmenge fest. Die Straße ist unter anderem bei der queeren Community beliebt, die eigentlich an diesem Wochenende den Christopher-Street-Day gefeiert hätte. Zunächst waren die Besucher per Lautsprecherdurchsage gebeten worden, Abstände einzuhalten. Schließlich entschloss sich der Ordnungsdienst jedoch, den Bereich zu räumen. Die Einsätze verliefen laut Polizei problemlos.

In Düsseldorf war es in der Nacht zu Samstag laut einem Polizeisprecher deutlich entspannter. Abstände wurden auf der beliebten Freitreppe am Burgplatz eingehalten. Dort werden 1,5 Meter breite Streifen aufgemalt und mit Abstandspfeilen versehen, hatte die Stadt am Freitag mitgeteilt. 

In Bonn kontrollierten Polizei und Ordnungsdienst an den Rheinufern. Bei mehr als einhundert Kontrollen wurden 22 Platzverweise ausgesprochen

Update, 4. Juli, 9.57 Uhr: Infektions-Kennziffer im Kreis Gütersloh wieder gesunken

Nach dem Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies ist die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner im Kreis Gütersloh wieder gesunken. 

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) von Samstag liegt die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz bei 66,5. Am Vortag lag dieser Wert bei 76,6, am Donnerstag bei 76,5 und am Dienstag bei 86,0. Zum Höhepunkt des Corona-Ausbruchs bei Tönnies lag der Wert bei 270,2. Als Grenzwert für das Ende des regionalen Lockdowns im Kreis gilt der Wert 50.

Nach der Ausbreitung des Coronavirus bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück hatte es den ersten regionalen Lockdown in den Kreisen Gütersloh und Warendorf gegeben. Die Einschränkungen im Kreis Gütersloh gelten noch bis zum 7. Juli. 

Im Kreis Warendorf, in dem ebenfalls viele Tönnies-Mitarbeiter wohnen, war die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage bereits unter den Grenzwert von 50 gefallen.

Update, 4. Juli, 9.40 Uhr: Protestaktion bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück

Aktivisten vom "Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie" haben die Einfahrt der Firma Tönnies besetzt.
Aktivisten vom "Bündnis Gemeinsam gegen die Tierindustrie" haben die Einfahrt der Firma Tönnies besetzt.  © Guido Kirchner/dpa

Aktivisten haben am Standort Rheda-Wiedenbrück des Fleischverarbeiters Tönnies protestiert. 

Sie forderten ab dem frühen Samstagmorgen auf Plakaten etwa "Schluss mit der Ausbeutung von Mensch und Tier", wie ein Polizeisprecher sagte. Vier Aktivisten hätten auf dem Dach des Betriebes ein Plakat gezeigt, weitere Demonstranten hätten Zelte in der Einfahrt des Fleischbetriebs aufgebaut und diese blockiert, hieß es. 

Nach Angaben eines dpa-Reporters hatten sich einige der Protestierenden mit Fahrradschlössern zusammengekettet. Die Polizei sprach von insgesamt etwa 25 Aktivisten.

In dem Tönnies-Standort hatte sich das Coronavirus so weit verbreitet, dass regional strenge Beschränkungen für die Bevölkerung der Kreise Gütersloh und Warendorf verhängt wurden. Die Fälle von Infektionen in Schlachtbetrieben warfen ein Schlaglicht auf die Arbeitsbedingungen und Werksverträge in der Branche.

Nach Angaben der Stadt Rheda-Wiedenbrück waren bei einer Reihenuntersuchung unter den 6139 Betriebsangehörigen von Tönnies (Stand 21. Juni) mit 1413 etwa 23 Prozent positiv auf Corona getestet worden. Die Stadt spricht vom größten einzelnen Ausbruchsgeschehen in Deutschland.

Update, 4. Juli, 8.20 Uhr: Corona-Fall bei MAN in Oberhausen: 137 Beschäftigte negativ getestet

Nach einem Coronavirus-Fall im Werk des Unternehmens MAN in Oberhausen haben die Tests bei 137 weiteren Beschäftigten durchweg negative Ergebnisse erbracht. 

Das teilte die Stadt am Freitagabend mit. Ein Laborergebnis stehe noch aus. Ein Mitarbeiter der Firma MAN Energy Solutions SE war am 30. Juni positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. 

Der Mann, der nicht in Oberhausen wohnt, befand sich bereits seit einer Woche in Quarantäne, da bei seiner Tochter zuvor das Virus nachgewiesen worden war. Auf Ersuchen der Firma seien dann 138 weitere Beschäftigte der Firma am 1. und 2. Juli getestet worden.

Update, 3. Juli, 16.19 Uhr: Corona trifft die meisten in der Lebensmitte

Die meisten positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen in Nordrhein-Westfalen gehören der Altersgruppe der 20- bis 59-Jährigen an. Nur sieben Prozent sind unter 20 Jahre alt. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten Antwort des NRW-Gesundheitsministeriums auf eine Anfrage aus der AfD-Landtagsfraktion hervor.

Das Durchschnittsalter der positiv Getesteten liegt demnach bei 48 Jahren. 94 Prozent der gestorbenen Corona-Patienten waren 60 Jahre oder älter. Das Durchschnittsalter der Gestorbenen liegt bei 80 Jahren.

Ausgewertet wurden nach Angaben des Ministeriums mit Datenstand Mitte Juni fast 40 000 Corona-Infektionsfälle in NRW. Davon waren 29 Prozent 20 bis 39 Jahre alt, 36 Prozent waren 40 bis 59 Jahre alt, 17 Prozent 60 bis 79 und jeder Zehnte war 80 oder älter.

Jeder siebte Corona-Infizierte musste demnach im Krankenhaus behandelt werden. Bis Mitte Juni waren das in NRW fast 5600 Patienten. Von ihnen benötigten 15 Prozent eine intensivmedizinische Behandlung. 72 Prozent aller im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten waren über 60 Jahre alt.

Seit Beginn der Corona-Krise haben sich nach Zahlen des NRW-Gesundheitsministeriums vom Freitag insgesamt 43 660 nachweislich mit Corona infiziert. Die weitaus meisten sind inzwischen wieder genesen; 1686 sind gestorben.

Update, 3. Juli, 15.30 Uhr: Vorerst keine weiteren Platzsperren in Köln

Kölner Rheinufer ist trotz Corona gut besucht.
Kölner Rheinufer ist trotz Corona gut besucht.  © Oliver Berg/dpa

Trotz etlicher Verstöße gegen die Corona-Regeln sieht Köln vorerst von weiteren Sperren für beliebte Plätze in der Stadt ab. Dennoch behalte man die Hotspots natürlich im Blick und werde im Zweifel auch noch anders entscheiden, sagte Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) nach einer Sitzung des Krisenstabes am Freitag.

Sie appellierte an die Bürger, die Abstandsregeln "bitte, bitte" einzuhalten. "Es verhalten sich immer mehr Menschen so, als wäre die Pandemie schon beendet", sagte Reker. "Und das ist gefährlich."

In Köln hatte es unter anderem am Wochenende bei gutem Wetter größere Menschenansammlungen gegeben.

Aktuell gilt ein sogenanntes Verweilverbot für den Brüsseler Platz im angesagten Belgischen Viertel. Der Grund: Wiederholt hatten sich so viele Menschen gesammelt, dass es kaum möglich war, die Abstandsregeln einzuhalten.

Weitere Platzsperren seien grundsätzlich möglich. "Wir haben Pläne in der Schublade, um auch den Stadtgarten abzusperren", sagte der Leiter des Kölner Ordnungsamtes, Wolfgang Büscher. Ähnliches gelte für andere Orte.

Zudem richte sich die Behörde darauf ein, notfalls die bei der CSD-Community beliebte Schaafenstraße "im Zweifel" räumen zu müssen. Am Wochenende hätte eigentlich die Parade zum Christopher Street Day (CSD) stattfinden sollen, sie wurde aber verschoben.

Update, 3. Juli, 14.20 Uhr: SPD fordert breites Corona-Testprogramm für NRW

Die SPD-Opposition in Nordrhein-Westfalen fordert regelmäßige Corona-Tests in allen Berufsgruppen mit ständigem engen Kontakt zu anderen Menschen.

Die Kapazitäten wären vorhanden, die Landesregierung habe aber keine Test-Strategie, kritisierte SPD-Landtagsfraktionschef Thomas Kutschaty am Freitag in Düsseldorf. In einem ersten Schritt könne ein Test-Programm etwa für Lehrer, Erzieherinnen oder Pflegekräfte angeboten werden.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) lehnt Massentests nach bayerischem Vorbild ab. "Mir ist vor allem wichtig, dass wir es da, wo es brennt, verpflichtend machen", hatte er am Dienstag erklärt.

In größeren Betrieben der Fleischindustrie müssen Beschäftigte in NRW seit dem 1. Juli mindestens zwei Mal pro Woche auf das Coronavirus getestet werden. In Bayern können sich landesweit alle Menschen, auch ohne Symptome, kostenlos auf das Coronavirus testen lassen.

Die SPD fordert zudem "mehr Wumms" für einen sozialen Neustart in NRW und ein Milliarden-Hilfspaket für die Corona-geschwächten Kommunen. Auch in den kommenden beiden Jahren müssten den Städten und Gemeinden Steuerausfälle infolge der Corona-Krise erstattet werden.

Dafür müssten im Landeshaushalt zusätzlich 6,6 Milliarden Euro eingeplant werden. Die bisher geplanten Hilfen der Landesregierung reichten nicht aus, kritisierte SPD-Haushaltsexperte Stefan Zimkeit.

Update, 3. Juli, 11.45 Uhr: Staatsanwaltschaft lehnt Ermittlungen gegen Virologen Streeck ab

Gegen den Virologen Hendrik Streeck war eine Strafanzeige eingegangen (Archivbild).
Gegen den Virologen Hendrik Streeck war eine Strafanzeige eingegangen (Archivbild).  © Federico Gambarini/dpa

Nach Eingang einer Strafanzeige gegen den Bonner Virologen Hendrik Streeck im Zusammenhang mit der sogenannten Heinsberg-Studie werden keine Ermittlungen aufgenommen. 

"Wir haben die Aufnahme von Ermittlungen abgelehnt", sagte der Bonner Staatsanwalt Sebastian Buß am Freitag. Man habe das Schreiben "unter jedem denkbaren strafrechtlichen Gesichtspunkt" geprüft und sei dann zu dieser Entscheidung gekommen.

Die Anzeige war nach Angaben der Behörde am Vortag eingegangen. Sie habe sich vor allem gegen Streeck, aber auch gegen andere Menschen gerichtet. Unter anderem seien Betrugsvorwürfe im Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Arbeit an der Heinsberg-Studie formuliert worden.

Streeck hatte für die Studie die Ausbreitung des Coronavirus im Kreis Heinsberg untersucht, einem der ersten deutschen Corona-Hotspots. Sie sorgte für Aufsehen aber auch Kritik an der Methodik und der Begleitung durch eine PR-Agentur. 

Titelfoto: David Inderlied/dpa

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