Eintritt für Touristen im Kölner Dom: Das hält Maler Gerhard Richter davon
Von Christoph Driessen
Köln - Der Maler Gerhard Richter (94) befürwortet es, Eintrittsgeld für den Kölner Dom zu verlangen. Bei Sehenswürdigkeiten wie dem Mailänder Dom werde das bereits praktiziert, teilte er der Deutschen Presse-Agentur mit. Das von Richter gestaltete Fenster im Dom zählt zu den Hauptsehenswürdigkeiten der Kathedrale.
Das Domkapitel hatte in der vergangenen Woche angekündigt, demnächst von Touristen Eintrittsgeld zu verlangen. Damit sollen die gestiegenen Kosten für Pflege, Schutz und den laufenden Betrieb des Doms gedeckt werden.
Gottesdienstbesucher und Betende sollen weiter gratis Zugang erhalten, ebenso Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins.
Richter hat das etwa 20 Meter hohe Fenster im südlichen Querhaus des Kölner Doms gestaltet. Es wurde 2007 enthüllt. Den ursprünglichen Auftrag, in dem Fenster christliche Märtyrer des 20. Jahrhunderts darzustellen, konnte er nicht erfüllen.
Stattdessen gestaltete er das Fenster abstrakt. Er setzte es aus 11.263 Farbquadraten zusammen, angeordnet von einem Zufallsgenerator. Der Gesamteindruck war ihm allerdings zu unruhig, weshalb er doch nicht alles dem Computer überließ, sondern bestimmte Reihen spiegelte, sodass sich die Farbfolgen wiederholten.
Anfangs gab es noch einzelne kritische Stimmen, etwa von Kardinal Joachim Meisner (†83), der meinte, das Fenster würde eher in eine Moschee passen. Doch solche Kritik ist schon lange verstummt.
Gegend um den Kölner Dom ist der Lieblingsort von Gerhard Richter
Stattdessen erfreut sich das Fenster größter Beliebtheit. Wenn die Sonne hindurchscheint, erstrahlen nicht nur die Glasquadrate selbst, sondern der ganze Innenraum des Doms wird in fantastische Farben getaucht.
Der heute 94 Jahre alte Richter, dessen Werke auf dem Kunstmarkt seit Jahrzehnten Rekordpreise erzielen, gilt als einer der weltweit bedeutendsten Künstler.
Der gebürtige Dresdner lebt seit 1983 in Köln und ist Ehrenbürger der Stadt.
Nach seinem Lieblingsort in Köln gefragt, sagte er der dpa einmal: "Die Gegend um den Dom, da gehe ich ganz gern hin. Und die Kirchen in Köln, die sind auch sehenswert."
Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

