Von Helge Toben
Krefeld - Rechnet sich im Raum Köln die Nutzung von Erdwärme aus großen Tiefen? Um dies herauszufinden, startet bald eine Forschungsbohrung im Kölner Stadtteil Dellbrück.
Der Geologische Dienst NRW will dabei auf dem Gelände eines ehemaligen Sportplatzes bis zu 1.000 Meter tief bohren.
Die Geologen wollen Kalkgestein untersuchen, in dem durch Hohlräume Wasser fließen und sich erwärmen kann. "Je tiefer diese Gesteine vorkommen, desto wärmer ist darin enthaltenes Wasser, womit man heizen könnte", teilte die Behörde mit.
Die Ergebnisse fließen in die Entscheidung ein, ob in der Region künftig die sogenannte tiefe Geothermie für eine klimafreundliche Wärmeversorgung genutzt werden kann.
Das liefe dann so ab: Das warme Wasser wird aus der Tiefe an die Oberfläche gepumpt. Dort gibt es seine Wärme über Wärmetauscher etwa an ein Fernwärmenetz, an Industriebetriebe oder Gewächshäuser ab.
Das abgekühlte Wasser wird über eine zweite Bohrung dann wieder in die Tiefe gebracht. Vorteil: Das warme Tiefenwasser steht immer zur Verfügung, wetterunabhängig auch im Winter.
Warum das Kölner Bohrloch am Ende wieder verschwindet
Bei der Forschungsbohrung spielt Umweltschutz eine wichtige Rolle, betont der Geologische Dienst. So gebe es technische Schutzvorrichtungen für das Grundwasser, aber auch Lärmschutzmaßnahmen für die Nachbarn. F
Für die eigentlichen Bohrarbeiten und das Fördern der Bohrkerne veranschlagen die Geologen zwei bis drei Monate. Sollte sich der Untergrund als geeignet herausstellen, wird das Bohrloch trotzdem nicht zur Wärmegewinnung genutzt, sondern wieder verfüllt.
Der Grund: Eine Forschungsbohrung erfüllt nicht die technischen und rechtlichen Anforderungen einer Produktionsbohrung, erklärt die Behörde.
Im vergangenen Jahr hat der Geologische Dienst bereits eine erste tiefe Forschungsbohrung in Krefeld vorgenommen. Die Bohrung in Köln ist jetzt die zweite Tiefbohrung im Rahmen des Projekts "Geowärme – Wir erkunden NRW". Ziel ist es, bis 2045 rund 20 Prozent des Wärmebedarfs durch Geothermie zu decken.
Bis 2028 soll es auch in Mönchengladbach eine Forschungsbohrung geben. Ist sie erfolgreich, soll das Bohrloch anschließend - anders als jetzt in Köln - für die dauerhafte Wärmegewinnung genutzt werden.