Köln - Die Bauarbeiten für die Erweiterung des Wallraff-Richartz-Museums verzögern sich bis mindestens zum vierten Quartal 2027. Grund dafür ist der Fund einer stadtgeschichtlich bedeutenden römischen Pfahlwand aus dem späten 1. Jahrhundert nach Christi.
Die Wand besteht aus etwa 25 mal 30 Zentimeter dicken, vierkantigen Eichenbalken, die angespitzt und dicht an dicht in den Boden gerammt wurden. Sie diente als Befestigung des Bauplatzes der rheinseitigen römischen Stadtmauer sowie als Uferschutz an der römischen Hafenrinne.
Da das Baugrundstück über dem ehemaligen Hafen des römischen Kölns inklusive der Stadtmauer und dem zentralen Rheintor liegt, hatte die Stadt mit dem Fund von umfangreichen Bauresten aus der Römerzeit, dem Mittelalter und der Neuzeit gerechnet. Aus diesem Grund wurden Archäologen des Römisch Germanischen Museums (RGM) der Stadt Köln damit beauftragt, bauvorgreifende Ausgrabungen auf dem Gelände durchzuführen.
Von dem Fund der Pfahlmauer wurden die Experten nun allerdings überrascht. "Die Lage dieses Uferschutzbauwerks wurde weiter westlich hin zur römischen Stadtmauer erwartet. Die Entdeckung [...] an dieser Stelle ist daher unerwartet", teilt die Stadt mit.
Die Pfahlmauer wird jetzt durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Römisch Germanischen Museums freigelegt und dokumentiert. Insgesamt verzögern sich die Bauarbeiten dadurch um vier Monate.
Allerdings könnte es im Bauverlauf noch zu weiteren archäologischen Funden kommen. "Im Rahmen der Herstellung des Kellerkastens sind weitere Erdbewegungen erforderlich, bei denen weitere Funde entdeckt werden können. Erst wenn wir mit dem Bau auf dem Niveau der umgebenen Straßen angekommen sind, gibt es dieses Risiko nicht mehr", warnt Prof. Jürgen M. Volm, externer Projektmanager.
Finanzierung der Bauarbeiten nicht in Gefahr
Die Finanzierung des Projekts ist von den Ausgrabungen derweil nicht betroffen.
"Die aus dem Baugrundrisiko resultierenden zusätzlichen Aufwände sowie die zeitabhängigen Kosten sind von dem extra hierfür gebildeten Risikobudget abgedeckt. Das Gesamtkostenbudget für den Erweiterungsbau sowie zusätzliche Verwaltungsflächen in Höhe von 129,7 Millionen Euro (brutto) ist weiterhin ausreichend", betont die Stadt.
Es ist nicht das erste Mal, dass es im Rahmen von Aushubarbeiten in dem Gebiet zu archäologischen Funden gekommen ist. Im Frühjahr 2025 wurde etwa beim Abbruch des ehemaligen Kaufhauses Kutz ein Keller aus dem Hochmittelalter freigelegt und dokumentiert.
Zudem kam es beim Bau der Nord-Süd-Stadtbahn am Kurt-Hackenberg-Platz im Jahr 2006 zum Fund einer baugleichen Pfahlwand. Diese wurde vollständig freigelegt.