Täglich 20 Stunden Fortnite! Teenager (15) wegen Computer-Spielsucht in Krankenhaus

Castellón - In Spanien wurde ein 15-jähriger Junge wegen seiner starken Computerspielsucht in ein Krankenhaus eingeliefert. Es ist der erste dokumentierte Fall dieser Art weltweit.

Extreme Fälle von Computerspielsucht seien längst keine Seltenheit mehr.
Extreme Fälle von Computerspielsucht seien längst keine Seltenheit mehr.  © 123rf.com/burdun

Der Teenager wurde wegen seiner Gaming-Abhängigkeit für zwei Monate in eine Klinik in Castellón gebracht. Dort unterstützte ihn ein medizinisches Team bei einer Entgiftungstherapie, berichtete der spanische Fernsehsender RTVE.

Es ist ein Phänomen, von dem inzwischen vor allem viele Jugendliche betroffen sind: Um ausgiebig Online-Videospiele zu zocken, geben sie ihr soziales Leben auf, halten sich oft nur in ihrem Zimmer auf und isolieren sich zunehmend von der Außenwelt.

In dem nun bekanntgeworden Fall kam der 15-Jährige in ein Krankenhaus, weil er täglich zwischen 18 und 20 Stunden damit verbrachte, Fortnite zu spielen und bereits ein ähnliches Verhalten zeigte wie Alkohol- und Drogensüchtige.

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Er habe sich auch immer mehr von seinem sozialen Umfeld isoliert und verzichtete fast vollständig auf Nahrung und Körperpflege.

Darüber hinaus hatte er einen dramatisch veränderten Schlafrhythmus: Manchmal war er ganze Nächte wach und verbrachte sie vor dem Bildschirm.

Beim Gaming vergaß er seine seelischen Probleme

Offenbar hatte ein 15-Jähriger in Spanien tiefsitzende seelische Probleme. Mit Videospielen betäubte er diesen belastenden Zustand - und trieb es auf die Spitze.
Offenbar hatte ein 15-Jähriger in Spanien tiefsitzende seelische Probleme. Mit Videospielen betäubte er diesen belastenden Zustand - und trieb es auf die Spitze.  © 123rf.com/rawpixel

Auslöser für die Abhängigkeit des Minderjährigen war wohl sehr hoher Schulstress. Nach einem Klassenwechsel Anfang dieses Jahres hätten die Probleme des zuvor guten Schülers angefangen. Erst blieb der Junge dem Unterricht fern. Irgendwann zog er sich völlig in seine eigene Welt zurück.

Hinzu kam offenbar auch der schmerzliche Verlust einer nahestehenden Person.

Mit den Videospielen vergaß der Minderjährige seine tiefsitzenden Probleme für den Augenblick, was sein Wohlbefinden verbesserte. Doch er trieb das Gaming auf die Spitze.

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Wegen seiner seelischen Belastung bat die Familie des Jugendlichen schließlich zunächst um ambulante medizinische Hilfe. Weil diese nicht ausreichte, beschlossen die Ärzte, ihn in in den Fachbereich für psychische Gesundheit des Provinzkrankenhauses Castellón zu bringen. Dort werden Videospielsüchtige neben anderen Abhängigen behandelt.

Der Psychiater Dr. Matías Real-López erklärte gegenüber RTVE, dass es zwar "möglich ist, ohne Drogen oder Alkohol zu leben, aber nicht ohne Bildschirme". Die Behandlung ziele deshalb auf eine "angemessene und normalisierte Nutzung von Videospielen" ab und dass die Betroffenen "ihre Sucht zu kontrollieren" lernen.

Zunächst sei jedoch ein "kalter Entzug" nötig, also der vollständige Verzicht. Später komme es vor allem darauf an, diese Art von Spielen zu meiden.

Anerkennung als psychische Störung

"Bestimmte Videospiele, nicht alle, sind so konzipiert, dass sie die Freisetzung von Mikropulsen von Dopamin erzeugen", sagte Real-López weiter. Dies wiederum könne bei einigen Menschen eine "emotionale Betäubung aller Beschwerden" erzeugen.

Der Rat der Mediziner: Bildschirmnutzung bei Minderjährigen kontrollieren, "klare und genau definierte Grenzen setzen" und "andere Befriedigungsquellen fördern". Außerdem Beschränkung von Geräten in Kinder- und Jugendzimmern, denn ihre Benutzung erfolge in immer jüngerem Alter. Hilfreich seien auch Umarmungen und regelmäßige Familienzeiten, in denen gemeinsam etwas unternommen wird.

Dass Computerspiele süchtig machen können, davon ist auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) überzeugt: Seit 2019 ist Computerspielsucht ("Gaming Disorder") als psychische Störung anerkannt.

Titelfoto: 123rf.com/burdun

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