Augenzeuge der Leipziger Amokfahrt: "Wäre genau mittendrin gewesen"

Leipzig - Rechtsanwalt Jan Siebenhüner war nur wenige Meter entfernt, als Amokfahrer Jeffrey K. (33) vergangenen Montag in Leipzig sein zweites Todesopfer erfasste. Zusammen mit TAG24 kehrte er an den Ort des Geschehens zurück, um das Erlebte zu schildern - und zu erklären, wie er den Betroffenen der tragischen Ereignisse nun helfen wolle.

Rechtsanwalt Jan Siebenhüner an dem Ort, an dem Jeffrey K. (33) sein zweites Todesopfer erfasste. Mit TAG24 kehrte er an den Tatort der Leipziger Amokfahrt zurück.  © Christian Grube

"Ich war privat in der Innenstadt, kam aus Richtung Brühl und hatte mich noch kurz an die Thomaskirche gesetzt, als ich hinter mir einen lauten Knall und viel Lärm vernahm", erinnert sich Jan Siebenhüner, als er an genau jenem Ort wie vor einer Woche steht.

"Dann hab' ich gesehen, wie Einzelne sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen gegenüber einer Frau durchgeführt haben. Zwei Personen haben gleichzeitig versucht, den mutmaßlichen Täter aus dem Auto rauszuholen. Die haben dagegen geschlagen und getreten unter dem Motto: 'Komm raus!'", berichtet er.

Der Rechtsanwalt sei zunächst nicht von einer Amoktat ausgegangen. "Ich dachte, es handelt sich um einen tragischen Verkehrsunfall. Ich habe dann geschaut, ob ich selbst noch helfen kann, aber es waren so viele Leipziger vor Ort, die da sofort eingegriffen haben, dass ich nicht im Weg stehen wollte. Erst später habe ich mitbekommen, was wirklich passiert ist."

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Vor allem das schnelle Eingreifen von Polizei und Rettungskräften sowie die Hilfsbereitschaft der Menschen hätten ihn beeindruckt. "Ich habe schon eine gewisse Anspannung und Panik verspürt, aber eben auch verdammt viele Leute gesehen, die versucht haben zu helfen, die sofort mit Erste-Hilfe-Maßnahmen begonnen haben. Da muss man sagen: Das war ein Bündel an Solidarität und Hilfsbereitschaft, das mich sehr beeindruckt hat. Die Leute haben direkt gehandelt."

Gleichzeitig sei er sich auch seines eigenen Glücks in diesen tragischen Momenten bewusst. "Wäre ich eine Minute später gestartet oder langsamer gelaufen, wäre ich womöglich genau mittendrin gewesen."

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Siebenhüner im Gespräch mit TAG24-Redakteur Eric Mittmann. Eine Woche nach den tragischen Ereignissen erklärt er, er habe Glück gehabt. "Wäre ich langsamer gelaufen, wäre ich womöglich genau mittendrin gewesen."  © Christian Grube

Rechtsanwalt plant Nebenklage für Geschädigte

Den Geschädigten und Betroffenen will der Rechtsanwalt nun juristisch zur Seite stehen.  © Christian Grube

Der 33-jährige Jeffrey K. beging am vergangenen Montag in Leipzig eine Amokfahrt. Mit seinem Auto als Waffe fuhr er mit hoher Geschwindigkeit durch das Herz der Messestadt. Zwei Menschen starben, zahlreiche weitere wurden teils schwer verletzt, bevor K. seine Fahrt offenbar von selbst stoppte.

"Möglicherweise war er von der Tat dann auch so getroffen, dass er selbst gemerkt hat, es ist was Schlimmes passiert, und jetzt ist gut. Ist nicht unüblich für Täter, die schwerste Straftaten begehen - dass sie selbst durch ihre Tat so betroffen sind, dass sie einen hellen Moment haben und abbrechen", vermutet Jan Siebenhüner.

Der Rechtsanwalt will das Geschehene damit jedoch nicht auf sich beruhen lassen und plant nun, Betroffenen zu helfen. "Ich würde mich gern für die vielen Geschädigten anwaltlich im Rahmen einer Nebenklage einsetzen, um die Sache in einem geschützten Rahmen aufzuarbeiten und auf eine gerechte Strafe oder auch ein gerechtes Sicherungsverfahren hin zu arbeiten."

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Dabei stehe auch die Frage der Straffähigkeit im Raum. "Kann er wegen eines Tötungsdeliktes verurteilt werden oder haben wir es mit jemandem zu tun, der so psychisch krank ist, dass er in ein Sicherungsverfahren und in eine forensische Psychiatrie geführt werden muss."

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