Leipzig - Dass in den Leipziger Spätis nicht nur legale Artikel über die Ladentheken gehen, scheint in der sächsischen Metropole ein offenes Geheimnis zu sein. Die MDR-Sendung "exactly" gewährte einen Einblick in das Vorgehen der Händler.
Ganze 26 Spätverkäufe und Bars seien allein im vergangenen Jahr in Leipzig versiegelt worden.
"Wir versuchen, diese gewerblichen Strukturen, die dort aufgebaut werden, zu stören, dass wir es den Täterkreisen erschweren, hier in Leipzig dem illegalen Betäubungsmittelhandel nachzugehen", erklärte Kriminaloberrat Matthias Franz gegenüber "exactly".
Doch die kriminellen Machenschaften scheinen nicht zu stoppen zu sein. Im Durchschnitt halte die polizeiliche Verschlusszeit einer Bar gerade mal knapp 40 Tagen.
"Wenn wir so einen Laden für einen Monat siegeln lassen, wenn der schließt und sein Gewerbe nicht betreiben kann, dann gehen dem Gewinne von mehreren Zehntausend Euro im Monat flöten", hieß es weiter.
"Das ist dann der Punkt, wo wir sagen, das muss dann trotzdem unser Ziel sein und das rechtfertigt den Einsatzaufwand, den wir damit betreiben."
Das Heroin versteckt sich in der Dunstabzugshaube
Wie dieser Einsatzaufwand aussieht, zeigte die Razzia in einer Bar im Leipziger Osten. Ausgerüstet mit Sturmhauben, schusssicheren Westen und einem genauen Ablaufplan stürmte eine Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit das Objekt.
Raum für Raum filzten Hunde und Beamte die Lokalität, fanden hinter Rohren mehrere kleine Tüten, ein Handy sowie Heroin, das sich in der Dunstabzugshaube der Küche versteckt.
"Es gibt viele Verstecke in einem Lokal, wo man Drogen in kleinen Portionen versteckt, um sie schnell an die Kunden übergeben zu können", schilderte Olaf Hoppe von der Polizeidirektion Leipzig.
Insgesamt fanden die Polizisten 39 abgepackte Portionen Heroin und stellten Munition sowie einen Säbel sicher. Gegen einen 23-jährigen Verdächtigen ermittele man wegen des Verdachts des bewaffneten Drogenhandels.
"Wir haben viel gefunden. Dafür können wir das Lokal zusammen mit der Stadt Leipzig schließen", so Hoppe. Damit führe man einen herben Schlag gegen die Betreiber aus. Doch zeigen diese Maßnahmen auch langfristig Wirkung?
Wie sich die Täter Gesetzeslücken zunutze machen
Doch die Versiegelungen der Läden zeigen bis auf die Einbußen nur wenig Wirkung, denn bei den Gewerbetreibenden handele es sich laut Matthias Franz in den meisten Fällen um Strohmänner.
Auch Christian Ehrlich vom Gewerbeamt kenne das Vorgehen der Drogenhändler: "Also teilweise findet ein Betreiberwechsel statt. Da kommt ein Neuer ran, aber das Geschäft bleibt dasselbe", verriet er.
Laut ihm liege das Problem vor allem in den gesetzlichen Voraussetzungen: "Wir haben begrenzte gesetzliche Mittel, die vorgegeben sind. Die Gewerbeordnung ist von 1869, relativ alt", so Ehrlich.
"Das Gewerbe bezieht sich nur auf eine Person und nicht in irgendeiner Form auf das Objekt selbst und dadurch ist man gebunden, immer die Person zu prüfen und wieder von Neuem anzufangen."
So komme es teilweise vor, dass das Geschäft schon einen Tag nach der Schließung an einen neuen Betreiber übergeben wird. Dann bleibe nur noch die vierwöchige Frist, die den Handel vorübergehen stoppt.
Die gesamte Folge "exactly" zum Thema "Tarnung für den Drogenhandel – Spätis in Leipzig" seht Ihr in der ARD-Mediathek.