Schließfach-Knacker spähten Goldschloss mit Videobrille aus

Leipzig - Der Schließfach-Coup in Sachsens Goldschloss Güldengossa folgte einem filmreifen Drehbuch. Ein bereits verurteilter Tresorknacker gab am Donnerstag als Kronzeuge im Prozess gegen den mutmaßlichen Drahtzieher Details des spektakulären Raubzuges zum Besten.

Der inhaftierte Tresorknacker Florian H. (69) sagte im Prozess als Kronzeuge aus. Er hatte nach eigenem Bekunden die Videobrille auf.
Der inhaftierte Tresorknacker Florian H. (69) sagte im Prozess als Kronzeuge aus. Er hatte nach eigenem Bekunden die Videobrille auf.  © Bildmontage/Ralf Seegers/ImagoSvenSimon/

Florian H. (69) muss noch fast fünf Jahre im Gefängnis brummen. Der schwäbische Alt-Rocker des Gremium MC war der erste aus der Schließfach-Bande, den die Ermittler am Haken hatten und der mittlerweile für den Güldengossa-Coup rechtskräftig verurteilt wurde.

Doch er war auch das kleinste Licht. Für 3500 Euro hatten die aus Israel und Ex-Jugoslawien stammenden Berufsverbrecher den verschuldeten Handwerker angeworben.

Er sollte überall in Deutschland in Wertdepots von Goldhändlern wie Degussa und Geiger Schließfächer anmieten, danach den Gangstern Vollmachten ausstellen, damit diese dann auch legal die Tresorräume betreten dürfen.

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Er habe vier Tage vor dem Coup im Schloss den Tresorraum inspiziert und dabei eine Videobrille getragen, berichtete der Kronzeuge. So war der Rest der Truppe via Funkverbindung nahezu live mit dabei, als H. den Schraubenzieher für einen Probe-Bruch ansetzte. Es war die Generalprobe für den großen Showdown am 30. Oktober 2023, bei dem H. mit einem Kumpan insgesamt elf Schließfächer knackte und daraus Gold, Geld und Wertgegenstände für rund 450.000 Euro zog.

Video zeigt: Gangster übten Schließfach-Aufbruch in der Küche

Er soll der "Patron" der Bande gewesen sein: der Israeli Reuven E. (38), dem aktuell der Prozess gemacht wird, soll den Coup im Goldschloss Güldengossa maßgeblich geplant haben.
Er soll der "Patron" der Bande gewesen sein: der Israeli Reuven E. (38), dem aktuell der Prozess gemacht wird, soll den Coup im Goldschloss Güldengossa maßgeblich geplant haben.  © Bildmontage/Ralf Seegers/

Obwohl die Gangster professionell agierten und in der Lage waren, binnen kürzester Zeit gut gefälschte Personaldokumente zu besorgen, unterliefen ihnen auch haarsträubende Fehler.

So filmten sie sich dabei, wie sie an den Schubfächern einer Einbauküche das Öffnen von Schließfächern mit einem Luftkissen übten. Das sichergestellte Video ist heute eines der wichtigsten Beweismittel der Anklage.

Darauf zu sehen ist auch der jetzt angeklagte Reuven E. (38), der vom Kronzeugen damals ehrfurchtsvoll "Patron" genannt wurde. Die Staatsanwaltschaft hält ihn für den Kopf der Bande. Nach Aussagen von Florian H. soll der Israeli auch der Finanzier der Vorbereitung gewesen sein. Der Prozess wird fortgesetzt.

Titelfoto: Bildmontage/Ralf Seegers/ImagoSvenSimon/

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