Experte kritisiert Stadt Leipzig nach Amokfahrt: "Natürlich wäre dann der Angriff vereitelt worden"
Leipzig - Nach der tödlichen Amokfahrt am Montag durch Leipzigs beliebteste Einkaufsstraße ist eine Diskussion rund um mutmaßlich fehlende Konzepte zur Sicherung der Innenstadt entbrannt. Bei "MDR Umschau" äußerte sich nun ein Experte zu dem Thema.
"Ich hab Angst, das ist ein unheimliches Gefühl", so eine Passantin am Dienstag in der Leipziger City vor den MDR-Kameras. "Aber es muss ja weitergehen."
Viele Bürgerinnen und Bürger fühlen sich seit der brutalen Tat, die zwei Menschen mitten im Herzen der Messestadt in den Tod riss, verunsichert: Sind sie dort in Zukunft überhaupt sicher?
Laut MDR-Recherchen sind mindestens drei von zehn möglichen Zufahrten in die Innenstadt offen, die Poller entsprechend in den Boden zurückgefahren oder gar nicht mehr vorhanden - wie auch an der von Amokfahrer Jeffrey K. (33) gewählten Einfahrt vom Augustusplatz in die Grimmaische Straße.
Der Zufahrtsschutz-Sachverständige Christian Schneider sieht diesen Umstand durchaus kritisch: "Was wir sagen können, ist: Wäre hier eine entsprechend gut geplante Maßnahme gestanden, natürlich wäre dann der Angriff vereitelt worden."
Eine "entsprechend gut geplante" Vorrichtung sei seiner Meinung nach aber kein Poller, welcher eher als Verkehrsleit- anstatt als Zufahrtsschutzmaßnahme fungiere und beim geringsten Aufprall kaputt gehe.
Besser geeignet seien da mobile Betonsperren, sogenannte "CitySafes", die im Ernstfall sogar Laster aufhalten können. Da diese Modelle aber deutlich teurer sind als herkömmliche Poller oder lose Betonblöcke ("Nizza-Steine"), sind viele Kommunen nicht in der Lage, diese zu finanzieren.
Jeden Morgen die wichtigsten Nachrichten direkt in dein Postfach.
- Lokale Nachrichten aus Leipzig & Umgebung
- Exklusive Hintergrundberichte
- Jederzeit abbestellbar
Zufahrtsschutz-Experte: Stadt kann geschützt werden - ohne zur Festung zu werden
Nach der Amokfahrt hatte der Deutsche Städte- und Gemeindebund hinsichtlich der allgemeinen Sicherheitsbedenken angemerkt, die Städte nicht zu "Festungen" ausbauen zu können. Auch Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (68, SPD) teilte diese Meinung am Dienstag.
Dem widerspricht Experte Christian Schneider entschieden: "Es stimmt nicht, wenn man sagt, die Städte dürfen nicht zu Festungen werden. Die werden ja auch nicht zu Festungen. So eine Innenstadt kann man ganz famos gegen Gefahren wie Überfahr-Taten schützen. Und dabei kann man gleichzeitig auch Verkehrslenkung machen."
Die Stadt Leipzig will im Nachgang der schrecklichen Tat nun den eigenen Zufahrtsschutz verbessern. Ein erster Schritt: Noch am heutigen Mittwoch soll die Grimmaische Straße zum Augustusplatz hin gesichert werden.
Jung: "Und dann überlegen wir in aller Ruhe: Wie können wir die Zufahrtschutzwege noch einmal systematisch verbessern?"
Den kompletten "MDR Umschau"-Beitrag könnt Ihr in der ARD-Mediathek sehen.
Titelfoto: Montage dpa ; EHL Media/Johannes Landgraf

