Wer wird Leipzigs "Botschafter der Nacht"?

Leipzig - Metropolen wie Amsterdam und Paris haben sie schon, nun soll auch Leipzig einen bekommen: Seit Montag sucht die Verwaltung der Messestadt einen Beauftragten fürs Nachtleben.

Seit zwei Jahren wird das Thema bereits diskutiert, nun ist es endlich so weit: Leipzig sucht nach einem Beauftragten für Nachtkultur.
Seit zwei Jahren wird das Thema bereits diskutiert, nun ist es endlich so weit: Leipzig sucht nach einem Beauftragten für Nachtkultur.  © Simon Klemm/123RF

Von einem Nachtbürgermeister, wie ihn beispielsweise Mannheim hat, ist mittlerweile nicht mehr die Rede. "Das klingt immer etwas nach Nachtwächter", sagte Leipzigs Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke (43, Die Linke) am Montag.

Der Titel solle Vertrauen wecken, auch bei Menschen, die vielleicht schlechte Erfahrungen mit dem Nachtleben gemacht haben.

Ein besserer Vorschlag kam von Leipzigs Kulturschaffenden: Ein*e "Botschafter*in der Nacht" soll es nun also werden.

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Bereits seit 2018 wurde das Thema immer wieder in Leipzig diskutiert. Nun machen Kultur- und Ordnungsamt Nägel mit Köpfen: Seit Montagmorgen ist die Stellenausschreibung auf der Website der Stadt zu finden.

"Wir suchen jemanden, der Verständnis für Verwaltungsprozesse hat und mit allen Akteuren der Nacht kommunizieren kann", erklärte Kulturbürgermeisterin Jennicke. Gemeint sind damit nicht nur Leipzigs Clubbetreiber und Kulturschaffende, sondern unter anderem auch Clubbesucher, Anwohner und die Polizei.

Stadt plant runden Tisch zum Thema Open-Air-Kultur

Der sogenannte "Botschafter der Nacht" soll nicht nur für Clubbetreiber und Besucher da sein, sondern eine Schnittstelle aller Akteure des Nachtlebens bilden. (Symbolbild)
Der sogenannte "Botschafter der Nacht" soll nicht nur für Clubbetreiber und Besucher da sein, sondern eine Schnittstelle aller Akteure des Nachtlebens bilden. (Symbolbild)  © Bernard Bodo/123RF

Auf Leipzigs neuen Botschafter kommen dabei einige Aufgaben zu. "Die Clubkultur ist am härtesten von der Pandemie betroffen", mahnte Jennicke.

Die Stadt hoffe jedoch, dass sich über die Sommermonate Lösungen finden. Und sind die Türen einmal wieder offen, sollen die Clubs schließlich auch wieder Leben in die Stadt bringen.

"Die heutige Ausschreibung ist ein Meilenstein für uns", beschrieb es Alexandra Vogel von der Initiative Awareness während des Gesprächs. "Mit ihr können wir das Nachtleben nachhaltig stärken."

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Dabei gehe es nicht nur um die Wiederbelebung der Kulturszene, sondern auch darum, Konflikte anzugehen und für Akzeptanz zu sorgen.

So plant die Stadt offenbar einen runden Tisch zum Thema Open-Air-Kultur. Ziel sei es auch dort, mit Akteuren zusammenzuarbeiten und Flächen zu finden, auf denen diese möglich sind.

Neben dem Botschafter soll auch ein Nachtrat enstehen

Leipzigs Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke (43, Die Linke).
Leipzigs Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke (43, Die Linke).  © Wolfgang Zeyen

Und dann sind da auch noch die Verdrängungsprobleme, mit denen sich Leipzigs Clubkultur bereits vor der Pandemie konfrontiert sah. "Die Probleme werden durch die Stelle nicht aus der Welt geschafft oder verhindert", gab Kulturbürgermeisterin Jennicke zu. "Aber vielleicht können sie besser gelöst werden."

Keine leichten Aufgaben. Immerhin: Ganz allein muss sich Leipzigs Nachtbeauftragter ihnen nicht stellen. Neben der Stelle soll auch ein Nachtrat entstehen, der sich den Problemen der Nachtschwärmer künftig annimmt.

Wer genau darin sitzen soll, ist noch nicht entschieden. "Wir haben da keinen großen Zeitdruck", hieß es am Montag.

Bis zum 31. Mai läuft nun die Ausschreibung für Leipzig Nachtbotschafter. Ab dem 1. September soll die Stelle dann besetzt werden.

Titelfoto: Bernard Bodo/123RF

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