Ex-MDR-Moderator Robert Burdy: "Jeder von uns hat irgendein Problem mit Wut"

Von Christian Grube

Leipzig - Wenn es ein Gefühl gibt, das für uns Menschen zugleich normal und stark überfordernd ist, dann ist es die Wut. Sie kann Beziehungen zerstören, sie kann Kriege auslösen. Doch wie geht man mit diesem Gefühl um? Zwei Jahre nach seinem Buch "Wir müssen reden - aber richtig" hat sich Ex-"MDR aktuell"-Moderator Robert Burdy (61) einem weiteren Kommunikationsthema gewidmet: "Wut: Was sie uns sagen will". TAG24 hat mit dem Autor gesprochen.

Robert Burdy (61) schreibt in seinem neuen Buch über "Wut".
Robert Burdy (61) schreibt in seinem neuen Buch über "Wut".  © Christian Grube

Zunächst erklärt Burdy, was das Wort überhaupt bedeutet: "Wut ist erst mal einfach nur ein Gefühl. Es warnt uns vor einer Grenzüberschreitung. Das ist wichtig. Und es ist weder positiv noch negativ. Wut kann uns dazu motivieren, uns zu wehren. Oder gegen Ungerechtigkeiten aktiv zu werden. Aber sie kann uns auch dazu verleiten, wütend zu reagieren, vielleicht sogar mit Gewalt."

Warum schreibt jemand ein Buch über dieses Thema? Oft sind derartige Themen und das Schreiben darüber auch eine Art Selbsttherapie. Gilt das auch für Robert Burdy? "Jeder von uns hat irgendein Problem mit Wut. Vielleicht der eigenen Wut, der eines Verwandten, eines Partners oder eines Chefs."

Unsere Gegenwart sei eine wütende Zeit, in der sich sogar die Politik von Wut treiben lasse – und Algorithmen dies zusätzlich verstärkten und vervielfachten. Dadurch werde Wut zu einem großen Problem, so der Autor. Aber: "Selbsttherapie? Nein. Aber ich weiß, wie schwer es ist, angelernte wütende Reaktionen zu entlernen. Und friedlichere Reaktionen auf das Gefühl Wut zu lernen."

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Welche Wege gibt es, um aus diesem kollektiven Wutdenken herauszukommen? "Wut ist immer ganz persönlich. Aber wir müssen uns alle davor hüten, jenen auf den Leim zu gehen, die uns scheinbar ein Ventil für unsere Wut anbieten. Dann werden die wütenden Reaktionen kollektiviert."

Das Buch "Wut - Was sie uns sagen will - und wie wir mit ihr umgehen" erscheint am 16. Februar.
Das Buch "Wut - Was sie uns sagen will - und wie wir mit ihr umgehen" erscheint am 16. Februar.  © Christian Grube

Ex-MDR-Moderator Robert Burdy: "Wir müssen lernen, friedlich und konstruktiv zu antworten"

Robert Burdy (l.), hier neben Wiebke Binder und Jens Hänisch, moderierte 21 Jahre lang die Nachrichtensendung "MDR aktuell".
Robert Burdy (l.), hier neben Wiebke Binder und Jens Hänisch, moderierte 21 Jahre lang die Nachrichtensendung "MDR aktuell".  © MDR/Hagen Wolf

Darf das Buch also als Ratgeber zum Glücklichsein verstanden werden? "Andersherum: Unsere wütenden Reaktionen sind der sichere Weg ins Unglücklichsein. Wenn wir lernen, nicht mehr wütend zu reagieren, sondern stattdessen angemessen und konstruktiv auf unsere Wut zu antworten, wäre das ein wichtiger Schritt hin zu mehr Lebensglück. Für uns selbst und unsere Umgebung", fährt Robert Burdy fort.

Für Situationen, in denen wichtige Grenzen überschritten worden sind, hat das langjährige MDR-Gesicht eine klare Botschaft: "Wir müssen lernen, friedlich und konstruktiv zu antworten." Im Hinblick auf eine Gesellschaft, die immer emotionaler und aggressiver diskutiere, gehe es vor allem darum, dies auch Kindern beizubringen. Dazu sei es zunächst wichtig, wütende Reaktionen nicht mit Durchsetzungskraft zu verwechseln.

Burdy: "Das ist ein trauriger, folgenreicher und weit verbreiteter Irrtum. So sind zum Beispiel viele Wüteriche in Führungspositionen gelangt, die da definitiv nicht hingehören. In hohe Führungspositionen. Was glauben Sie, wessen dauer-wütendes Gesicht wird wohl zum Sinnbild unserer wütenden Zeit werden?"

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"Wut: Was sie uns sagen will" erscheint am 16. Februar 2026 im Herder Verlag.

Titelfoto: Christian Grube

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