Leipziger hat sich viel vorgenommen: Zu Fuß bis nach Singapur!
Leipzig - Die meisten Sachsen würden wohl das Flugzeug bevorzugen, um nach Singapur zu reisen. Nicht so Robert Friedrich (35)! Der Leipziger fasste den Plan, dorthin zu laufen - insgesamt etwa 15.000 Kilometer in etwas mehr als zwei Jahren. Die ersten 3000 Kilometer seiner Route hat er in den vergangenen neun Monaten schon absolviert. Nach einer wohlverdienten Weihnachtspause in der Heimat soll es in der kommenden Woche nun buchstäblich weitergehen. Bis Ende des Jahres müsste er China erreichen, um im Zeitplan zu bleiben.
"Im Frühjahr 2023 gab es eine recht erschütternde Trennung von meiner damaligen Verlobten, was mir meinen/unseren Lebensplan ziemlich durcheinandergebracht hat. Ein Jahr später musste ich dann auch noch meinen Arbeitgeber verlassen", beginnt Robert Friedrich, der im Vertrieb eines IT-Dienstleisters gearbeitet hat, zu erzählen. "Was insgesamt dazu führte, dass ich mich fragte: Und nun? Einfach weiter wie bisher konnte und wollte ich nicht. [...] Ich überlegte mir, was das größte und langwierigste Abenteuer sein könnte, um einige Dinge in meinem Innern wieder aufzuräumen."
So suchte er sich fernab eingelaufener Pfade seinen eigenen Pilgerweg. Das Ziel: Singapur.
"Singapur ist so ziemlich das am weitesten entfernte über Land erreichbare Ziel von Leipzig aus, das mir eingefallen ist, wenn man Ostrussland einmal unbeachtet lässt. Dazwischen liegen so viele tolle Länder und Regionen - das Ziel war daher einfach und schnell ausgewählt", erinnert er sich.
"Zu Fuß reise ich aus einem einfachen Grund - das ist wartungsärmer als beispielsweise ein Fahrrad", erklärt er.
Roberts treue Begleitung: sein Ziehwagen "Kunigunde"
Seine Reise begann im März 2025 und führte ihn bisher entlang der Hauptstädte Prag, Bratislava, Budapest, Belgrad und Sofia bis an den Bosporus nach Istanbul. Von dort ging es mit der Fähre nach Bursa und durch die Zentraltürkei nach Südosten bis an die Grenzen zum Irak und zu Syrien. Im Schnitt legte er dabei 24 Kilometer am Tag zurück. Immer dabei: seine treue "Kunigunde", ein Ziehwagen für seine Siebensachen.
"Einen Wagen zu nutzen, entstand aus der Idee heraus, nicht alles Gepäck auf den Schultern tragen zu müssen." Nachteil: Anfangs schleppte er viel "unnützen Kram" mit sich. Von den anfänglichen 35 Kilo blieben 20 Kilo übrig.
"In meinem Gepäck finden sich Utensilien aus fünf Kategorien: Kochen, Schlafen, Hygiene, Kleidung und Technik. [...] Kleidung habe ich massiv ausgedünnt, ebenso Hygiene und Komfortartikel", zählt der Leipziger auf. "Es gibt alles, was man wirklich benötigt, überall auf der Welt, sodass ich nichts 'auf Vorrat' mitschleppen muss."
Entlang seiner geplanten Route machte er auch immer Abstecher - was ihm zusätzliche 2000 Kilometer einbrachte -, etwa nach Syrien, um dort die Hochzeit eines Freundes zu besuchen. Ihn verschlug es aber auch nach Beirut, in den Libanon, nach Antalya und Kappadokien, wo er sein bisher größtes Wow-Erlebnis, eine Ballonfahrt, hatte. "Mit meiner Höhenangst war das sicherlich auch die größte Herausforderung bisher", meint der Leipziger.
"Erschüttert und begeistert hat mich aber am meisten Syrien. So kurz nach dem Ende des Krieges dort zu sein, hatte viele tiefgreifende, eben erschütternde Geschichten und Erkenntnisse zur Folge", erzählt Friedrich.
Unterwegs pflanzte er Bäume und rettete eine ausgesetzte Katze
Schlechte Erfahrungen habe er aber bisher nicht gemacht.
Im Gegenteil: "Ich habe bisher das Glück gehabt, nur feine Leute zu treffen. Da sind Einladungen zum Tee noch die kleinsten Gesten. Von Übernachtungsmöglichkeiten bis hin zu neuer Kleidung und kostenloser Versorgung war alles dabei. Meine Ballonfahrt - eine Einladung. Zehn Tage Camping direkt am Strand kurz vor Istanbul samt Verpflegung rund um die Uhr - eine großzügige Geste ohne Geld", schwärmt er.
Doch Robert Friedrich möchte nicht nur nehmen. "Die Leute teilen teilweise das Wenige, was sie haben, mit mir. Warum sollte ich das nicht auch machen?" So pflanzte er unterwegs Bäume, rettete ein ausgesetztes Kätzchen oder gab Straßenkindern Essen.
Diese und andere Ausgaben finanzierte er bisher nahezu vollständig aus Erspartem. Hinzu kamen Spenden seiner Follower in den sozialen Medien (@der_mann_mit_dem_bart). Im weiteren Verlauf möchte er nun aber auch nach Kooperationen suchen. Einen Coup hat er dabei schon angeleiert. Im Iran wird er im Februar und März organisierte Rundreisen anbieten.
Robert Friedrich: "Haben ein völlig falsches Bild dieses Teils der Erde"
Um erst mal dahin zu kommen, soll die Reise in der nächsten Woche weitergehen. Von Erbil (Irak) aus will der Leipziger durch den nördlichen Irak nach Osten über die Grenze in den Iran laufen. Später führt die Route weiter nach Afghanistan, Pakistan, Indien und Nepal.
"Sorgen und Ängste liefen weder in Europa noch in Asien, konkret im Nahen Osten, mit. Leider haben wir ein völlig falsches Bild dieses Teils der Erde bekommen und die militärischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre haben da sicherlich nicht positiv beigetragen", erklärt er.
Der Nahe Osten sei für ihn vielmehr das Highlight seiner Reise. "Der Nahe Osten bietet eine Kultur bis hin zu den Anfängen der Menschheit, fantastische Landschaften und eine ungeahnte Gastfreundschaft und Offenherzigkeit, die ich schon immer extrem anziehend fand. Als gelernter Koch freue ich mich außerdem auf die lokale Küche, welche mein Repertoire extrem erweitern wird."
Bis Ende 2026 möchte er schließlich in China ankommen, um bis Mitte 2027 Singapur zu erreichen. "Ich habe einen Vertrag mit mir geschlossen und das Ziel ganz klar definiert: Singapur. Auf die eine oder andere Art, mit oder ohne ein paar Kilometern mit dem Auto oder Bus, wenn nötig, werde ich dort in 2027 ankommen", ist Robert Friedrich optimistisch.
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