Ärzte hatten sie aufgegeben: Alkoholkranke Nadine aus Leipzig schafft das Wunder

Leipzig - Sie haben oft keinen Job, keine Wohnung, sind drogenabhängig und/oder alkoholkrank: Die Menschen, die tagtäglich am Leipziger Hauptbahnhof zugange sind, stehen am Rande der Gesellschaft. Doch es gibt auch Lichtblicke.

Völlig am Ende: Nadine (32) im Jahr 2017.
Völlig am Ende: Nadine (32) im Jahr 2017.  © MDR/Thomas Kasper

Seit vielen Jahren begleitet MDR-Reporter Thomas Kasper einige von ihnen, zeigt viele schockierende Seiten, hat aber auch schöne Dinge zu berichten.

So zum Beispiel von Nadine (32). Die zweifache Mutter war 2017 am absoluten Ende angekommen. Der körperliche Verfall deutlich zu erkennen, das Gesicht aufgedunsen, sie hauste obdachlos und alkoholabhängig in Baracken.

Mit Organversagen kam sie ins Krankenhaus, kämpfte auf der Intensivstation um ihr Leben. Die Ärzte sahen wenig Hoffnung auf Besserung, suchten bereits nach Familienangehörigen, damit diese Abschied nehmen können.

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Doch Nadine springt dem Tod von der Schippe - und rührt seitdem keinen Tropfen Alkohol mehr an. Seit gut einem Jahr befindet sie sich in einer Maßnahme als Näherin, wird in einer neuen Folge "Exakt - Die Story - Betteln, Saufen, Sterben" erzählt. Für ein soziales Projekt näht sie unter anderem Sachen für Klinikclowns.

"Arbeiten macht mir Spaß. Das hätte ich mir vor ein paar Jahren gar nicht vorstellen können, früh um 8 irgendwo sein zu müssen und das auch zu wollen", ist die 32-Jährige stolz auf sich. "Als mir im Krankenhaus gesagt wurde, Sie dürfen nicht mehr trinken, dachte ich mir, oh mein Gott, was mache ich jetzt, ich kenne gar keinen, der nicht trinkt. Und jetzt sind wir schon fast 'ne kleine Clique. Das ist richtig cool."

Alkohol habe ihr irgendwann "nicht mehr so geschmeckt, wenn man weiß, man könnte direkt sterben".

Die Kerzen in Sternburg-Flaschen gesteckt, hockte Nadine mit Kumpel Uwe in einer Baracke.
Die Kerzen in Sternburg-Flaschen gesteckt, hockte Nadine mit Kumpel Uwe in einer Baracke.  © MDR/Thomas Kasper

Pfeffi-Heiko hat's auch geschafft: "Ich habe nicht mal Verlangen nach Alkohol, tippi top!"

Thomas Kasper begleitet die Menschen vom Hauptbahnhof seit mehreren Jahren.
Thomas Kasper begleitet die Menschen vom Hauptbahnhof seit mehreren Jahren.  © MDR/Amely Kasper

Ein Wiedersehen gibt es auch mit dem sogenannten "Pfeffi-Heiko", der täglich mindestens eine Flasche Pfefferminz-Schnaps und dazu mehrere Liter Bier trank.

Im thüringischen Bad Klosterlausnitz kommt er in eine Sucht- und Alkoholklinik, absolviert dort eine Langzeittherapie über zwölf Wochen, zog danach in eine betreute Unterkunft nach Erfurt.

Seine Bekannten vom Leipziger Hauptbahnhof vermisst er nicht: "Freunde sind das keine, die nutzen dich auch bloß aus."

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Heute geht es Heiko "wunderbar. Ich habe nicht mal Verlangen nach Alkohol, tippi top."

Anders sieht es dagegen bei Sigi (53) aus. Im Dezember 2020 kratzte er Kleingeld für den nächsten Flachmann zusammen, hört im März 2021 aber von heute auf morgen mit dem Trinken auf. In der Doku ist er stolz, alkoholfreies Bier zu trinken.

Doch nach nicht einmal zwei Monaten erleidet er den Rückfall, sitzt wieder am Hauptbahnhof, trinkt wieder, ist zurück im Strudel der flüssigen Droge. Ob er es wieder dort rausschaffen kann?

"Exakt - Die Story - Betteln, Saufen, Sterben" seht Ihr am kommenden Mittwoch um 20.45 Uhr im MDR-Fernsehen oder schon jetzt in der Mediathek.

Titelfoto: Bildmontage: MDR/Thomas Kasper

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