Leipziger Arzt findet seltene Krankheit bei Mutter und muss sofort bei ihrem Sohn einschreiten
Leipzig - Vor 32 Jahren wurde bei der damals 33-jährigen Gerlinde Keil eine seltene, vererbbare Erkrankung, die Multiple Endokrine Neoplasie entdeckt. Durch die schnelle Reaktion der Ärzte konnte der zweifachen Mutter geholfen werden - und mehr! Jetzt kam es zum Wiedersehen mit dem behandelnden Arzt.
Zum seltenen Krankheitsbild gehört ein bösartiger Tumorbefall der Schilddrüse sowie gutartige Erkrankungen der Nebennieren und der Nebenschilddrüsen.
Frau Keil war vom Typ MEN2a betroffen, bei dem sich das prognosebestimmende medulläre Schilddrüsenkarzinom, Tumore in der Nebenniere und eine Überfunktion der Nebenschilddrüse entwickeln.
"Bei Frau Keil sind wir über ein Schilddrüsenkarzinom und einen darauffolgenden gutartigen Nebennierentumor auf die Erkrankung aufmerksam geworden. Dank der Diagnose konnten wir nicht nur ihr die richtige Therapie zukommen lassen, sondern auch ihrem Sohn frühzeitig helfen", schildert Prof. Dr. med. Peter Lamesch, Chefarzt für Endokrine Chirurgie am Helios Park-Klinikum Leipzig in einer Pressemeldung die damalige Lage.
In Form eines Gendefekts vererbt sich die Krankheit auch auf Familienangehörige. Einer von Keils Söhnen war betroffen, was die Mediziner glücklicherweise aber schnell erkannten.
Lamesch: "Durch die frühzeitige Entnahme seiner Schilddrüse im Alter von sechs Jahren konnten wir ihn vor einem möglichen späteren Tumorbefall bewahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass man bei MEN2a an Schilddrüsenkrebs erkrankt, liegt bei bis zu 100 Prozent. Insofern war die Operation unausweichlich – aber für damalige Verhältnisse sehr früh und dennoch erfolgreich. Er ist mittlerweile 38 Jahre alt und bis heute tumorfrei."
Damals gingen die Leipziger Ärzte davon aus, dass Frau Keil versterben wird
32 Jahre behandelt Lamesch seine Patientin nun schon. Zuletzt war sie wieder zu einem Kontrolltermin bei ihm. Zur Zeit der Erstbehandlung gingen die Mediziner noch davon aus, dass Frau Keil versterben wird. Doch die heute 65-Jährige hielt durch, auch wenn sie nie vollständig geheilt ist.
Der Arzt: "Bemerkenswert, aber nicht selbstverständlich ist, dass Frau Keil bis heute trotz eines laborchemisch anhaltenden erhöhtem Tumormarker (Calcitonin) als Hinweis auf eine Tumorpersistenz ein annähernd normales Leben führen kann."
Titelfoto: Christian Hüller/Helios Park-Klinikum Leipzig
