"Goodbye Trashmountain": Leipziger MTB-Fans ärgern sich über plattgemachte Cross-Strecke

Von Anke Brod

Leipzig - "Mein Name ist Florian und ich bin 22 Jahre alt. Seit diesem Jahr habe ich endlich ein Hobby gefunden... und zwar geht es hier um Enduro oder Downhill fahren...". So beginnt seine Petition zum Erhalt Leipziger Mountainbikestrecken. Am 13. Juli ebneten städtische Bagger auf dem "Trashmountain" in Möckern nämlich eine davon ein. Die Rede ist von einer rekultivierten Mülldeponie, dem "Nahleberg". 

Auf dem "Trashmountain" kann man nun nicht mehr mit dem Mountainbike fahren. (Symbolfoto)
Auf dem "Trashmountain" kann man nun nicht mehr mit dem Mountainbike fahren. (Symbolfoto)  © 123rf/ blasbike

Florian Pocher befürchtet, dass mehrere solch privater Freizeitstrecken auf städtischem Grund abgerissen werden könnten. "Jetzt wurde vielen Leuten ihr Hobby genommen", meint er. Mittels Petition sucht er nun Mitstreiter für eine offizielle Mountainbikestrecke. 

Das Amt für Kommunikation erklärte TAG24 auf Anfrage: "Bei der Deponie Möckern handelt es sich um ein Grundstück der Stadt Leipzig. Die ehemalige Deponie ist laut Eigenbetrieb Stadtreinigung ordnungsgemäß abgedeckt. Wird die Strecke allerdings als Cross-Strecke genutzt, wird diese Decke beschädigt und Abfälle werden freigelegt".

Weiter heißt es: "Auf dem oberen Bereich wurden sogar Löcher gebuddelt, um Baumaterial für die Errichtung der Rampen zu nutzen. Das ist ein massiver, widerrechtlicher Eingriff in den Deponiekörper".

Dadurch könnten Gefahren von der Deponie ausgehen. Als Eigentümer hafte im Übrigen die Stadt, wenn etwas passiere. 

Schließlich machte die Stadtreinigung die über zehn Jahre geduldete Strecke am 13. Juli platt. Gefahrenschilder säumen die Stelle jetzt. MTB-Fahrer hatten die Anlage damals ohne städtische Absprachen gebaut. Es habe keinerlei Kontaktaufnahme oder Abstimmungsversuche gegeben, so das Presseamt.

Warum aber gerade jetzt das Aus für den Trashmountain?

Laut Amt für Stadtgrün und Gewässer wurde die MTB-Strecke in Möckern "zurückgebaut", weil die Sicherheit wegen baulicher Veränderungen nicht mehr gewährleistet war. Bislang habe es dort "durch Fußgänger und Radfahrer" keine Beschädigungen und Eingriffe in den Deponiekörper gegeben. Nun aber seien diese schwerwiegend. Darüber hinaus sehe die Stadt jedoch keinen Handlungsbedarf - auch nicht für die Crosstrecke am Lindenauer Hafen. Die Verantwortlichen verweisen alternativ aber auch auf die offizielle Strecke in der Knauthainer Thomas-Müntzer-Siedlung. 

Florian Pocher denkt, dass den Sportlern in Möckern die neu gebauten "Sprünge" auf dem MTB-Trail zum Verhängnis wurden. "Vorher waren sie vier Meter breit, nun sechs", sagte er TAG24. Das Vorher/Nachher-Video zum Abriss seht Ihr hier

Der Nahleberg ist bedeckt von Müll, der teilweise sogar noch aus DDR-Zeiten stammt.
Der Nahleberg ist bedeckt von Müll, der teilweise sogar noch aus DDR-Zeiten stammt.  © privat

Und sowieso spuckt der Nahleberg auch DDR-Müll aus...

"Sehr schade, dass die Stadt nun mit dem Thema Müll am Nahleberg kommt, und es nun die 'bösen Mountainbiker' sind", monierte ein anderer MTB-Sportler via Facebook. Das Müllproblem existiere dort schon länger, und nicht auf der sogenannten MTB-Strecke. Es ziehe sich um den ganzen Berg herum. 

Tatsächlich spuckt der seit 2009 zur Naherholung freigegebene Monte Scherbelino untenherum gammeligen DDR-Müll aus. Dazu zählen Tuben, Flaschen oder Lebensmittelbüchsen. Die Antwort auf eine Bürgeranfrage zu dieser delikaten Chose lautete am 17. April 2019 in der Ratsversammlung: "Die Rekultivierung erstreckte sich vorrangig auf den oberen Teil der Deponie. Deren Fuß blieb weitestgehend unsaniert. Die Beseitigung der Deponie war demnach nie Gegenstand des Stillegungsverfahrens".

Der jetzige Zustand sei das Ergebnis des Rekultivierungs-und Nachsorgeverfahrens, hieß es.

Titelfoto: 123rf/ blasbike

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