27.000 Wohnungen zu wenig: Bauturbo als Lösung gegen Leipziger Wohnungsnot?

Leipzig - Zu wenige und zu langsame Baumaßnahmen machen Leipziger Wohnraum unbezahlbar. Die MDR-Umschau zeigte, ob und wie der neue Bauturbo der Bundesregierung Abhilfe schaffen kann.

Rund 27.000 Wohnungen müssten bis 2030 gebaut werden, um den Mangel auszugleichen.  © Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Als wachsende Stadt wird der Wohnraum in Leipzig immer teurer. Wie die MDR-Umschau berichtete, seien allein in den vergangenen vier Jahren die durchschnittlichen Angebotsmieten um 30 Prozent gestiegen!

Zusätzlich brauche es bis 2030 27.000 neue Wohnungen, um die Knappheit auszugleichen - eine Zahl, die bei zunehmender Bürokratie unerreichbar zu sein scheint.

Doch die Bundesregierung meint mit dem sogenannten Bauturbo die Lösung für das Problem gefunden zu haben. Seit Oktober 2025 soll die befristete Sonderregel Planverfahren verkürzen und es Kommunen erleichtern, Projekte zu genehmigen.

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Aber die Zündung des Turbos bleibt aus. Stattdessen trifft die Regelung auf geteilte Meinungen.

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Bauturbo stellt den Sozialwohnungsbau hinten an

Durch die Sonderregelungen des Bauturbos würde der Bau von Sozialwohnungen in den Hintergrund rücken.  © Jan Woitas/dpa

Als wohnungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Leipziger Stadtrat hätte Elisa Gerbsch am liebsten ganz auf den Bauturbo verzichtet.

Ihrer Meinung nach würde die Sonderregel dem Mangel an Sozialwohnungen nicht gerecht werden. Immerhin habe man sich in Leipzigs wohnungspolitischen Konzept ab einer Gesamtgrundfläche von 2000 Quadratmeter auf 50 Prozent sozialen Wohnungsbau geeinigt.

"Für uns ist es deswegen vollkommen unverständlich, warum mit dem Bauturbo jetzt niedrigere Quoten, nämlich 30 Prozent, gelten für sozialen Wohnungsbau und das erst ab einer Bruttogeschossfläche von 5000 Quadratmetern", erklärte sie gegenüber der Umschau.

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Des Weiteren sehe sie in den schnelleren Genehmigungen die Gefahr, dass Spekulationen mit Baugrundstücken vorangetrieben würden.

"Wenn dann dort Wohnungen gebaut werden, laufen die auch Gefahr, sehr teuer zu sein, vielleicht sogar leerzustehen. Was wir in Leipzig brauchen, sind aber vor allem bezahlbare Wohnungen", so Gerbsch.

Damit Mieten sinken, brauche es mehr Angebot als Nachfrage

Zusätzliche Wohnungen durch private Unternehmen könnten die Mieten zum Sinken bringen.  © Jan Woitas/dpa

"Wohnungsbau durch private Unternehmen muss sich rechnen", meint Ingo Seidemann, Vorstand des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen in Mitteldeutschland.

Da dies hinsichtlich gestiegener Kosten ohnehin schon schwierig sei, würden selbst die im Bauturbo enthaltenen Vorschriften zum Thema Sozialwohnungen neue Bauvorhaben zusätzlich erschweren. "Die Folge ist im Zweifel, dass nichts geht. Dann wird nichts gebaut", kritisiert er.

Um Mieten zum Sinken zu bringen, brauche es mehr Angebot an Wohnraum. In der Sonderregelung sehe er dafür zwar einen richtigen Ansatz. Doch damit sich wirklich was tut, brauche es mehr.

"Um Wohnungsbau zu fördern, braucht es dreierlei. Erstens einen Ermöglichungsturbo, das ist der Bauturbo. Zweitens Investitionsanreize durch steuerliche Effekte, ein Abschreibungsturbo, und drittens ein besser ausgestattetes Förderprogramm für sozialen Wohnungsbau, einen Förderturbo", so der Vorstand.

Die komplette Folge MDR-Umschau seht Ihr als Stream in der ARD-Mediathek.

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