Nach nur neun Monaten ist Schluss: "Platzhirsch"-Betreiber muss Insolvenz anmelden
Leipzig - Er hatte noch gehofft, die Kurve zu kriegen, doch am Ende sollte es nicht sein: Nur neun Monate nach Eröffnung hat der Betreiber des "Platzhirsch" am Leipziger Floßplatz Insolvenz angemeldet. Zurückbleiben Hunderttausende Euro Schulden – und die Sorge, dass weitere Gastronomien folgen werden.
Als TAG24 "Platzhirsch"-Chef Oliver Matte in dieser Woche in seinem Laden besucht, läuft bereits der Auszug. "Wir hatten am 28. März unsere letzte Veranstaltung", so der Restaurant-Betreiber.
Die Entscheidung zur Schließung sei nur wenige Tage zuvor gefallen. "Wir haben die Entscheidung am vergangenen Mittwoch getroffen, leider sehr, sehr kurzfristig. Das ist dem geschuldet, dass ich mir noch einmal die Zahlen angeschaut und gesehen hab, es geht immer weiter bergab mit den Umsätzen."
In den Wintermonaten Dezember, Januar und Februar habe das Lokal Gesamteinnahmen von nur 8000 Euro erzielt. "Damit überlebt keine Gastronomie, nicht eine. Wir müssten auf 20.000 Euro im Monat kommen, allein um die Kosten zu decken."
Im März sei es zuletzt wieder etwas besser gelaufen. "Aber nicht so, dass ich es vom Geld her wieder aufholen könnte."
Oliver Matte: "Vermieter ist uns schon entgegengekommen, auch damit haben wir es nicht geschafft"
Der "Platzhirsch" an der Ecke Floßplatz und Riemannstraße feierte am 10. Juni Eröffnung. Der regnerische Sommer machte dem Lokal jedoch bereits in den ersten Monaten zu schaffen. "Wir konnten nur 25 Tage öffnen. Es hat ständig geregnet. Wir haben uns noch drüber lustig gemacht, dabei war das ein ernstes Problem und wir mussten schon Mitarbeiter abbauen", erinnert sich Matte.
Nach einem Hilferuf im November ging die Zahl der Gäste zwar kurzzeitig nach oben, doch der Trend sollte nicht von Dauer sein. "Der Oktober und November waren unsere erfolgreichsten Monate. Aber ab Dezember ging es dann wieder komplett runter, wir wissen nicht warum."
Miete, Strom sowie Kosten für Lebensmittel hätten immer neue Löcher in den Geldbeutel gerissen. Von anfangs acht Mitarbeitenden habe der Restaurant-Betreiber inzwischen nur noch seinen Koch sowie zwei Aushelfende halten können. "Unser Vermieter ist uns schon entgegengekommen und hat die Miete auf die Hälfte reduziert, aber auch damit haben wir es nicht geschafft."
Auch die Senkung der Mehrwertsteuer, auf die Oliver Matte noch im November gehofft hatte, habe nicht geholfen. "Unser Lieferant musste dreimal die Preise erhöhen wegen der Spritpreise. Energie ist teuer, Abfall ist extrem teuer geworden. Die zwölf Prozent waren sofort aufgefressen." Inzwischen habe sich ein Minus von "einer Viertelmillion Euro" angehäuft.
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Wie es weitergeht, wisse Oliver Matte noch nicht. "Momentan habe ich noch keine Pläne, weil mein Kopf noch viel zu sehr hier drin steckt." Grundsätzlich wolle er gern in seine Heimat Stuttgart zurückkehren. "In Leipzig habe ich nicht so richtig den privaten Anschluss gefunden, was wahrscheinlich auch dem Fakt geschuldet ist, dass ich immer hier im Laden bin. Bis dahin wird es wahrscheinlich aber noch dauern."
Gleichzeitig sorgt sich der Restaurant-Betreiber auch um die Zukunft anderer Vertreter seiner Zunft. "Die Kostensituation in Deutschland betrifft jeden Gastronomen. Ich habe mit vielen gesprochen. Viele sprechen von Umsatzrückgängen von 30 bis 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr."
Neben dem "Platzhirsch" hatte zuletzt auch das "Hotel Seeblick" das baldige Aus verkündet. Im Herbst 2025 schlossen der "Prellbock", die "Soupbar Summarum" und das "Genussreich".
Besonders leid tue es Oliver Matte um seine Mitarbeiter. "Ich weiß, wie die Führungsstile in der Gastronomie sind und ich habe immer gesagt, ich möchte anders sein. Ich zahle weit über Mindestlohn. Wir haben alles im Team besprochen. Wir wollten gemeinsam in der Verantwortung stehen. Das tut mir sehr leid, dass ich meinen Mitarbeitern dieses Versprechen nicht erfüllen konnte."
Titelfoto: Montage: Christian Grube + Nico Zeißler

