"Anzeige ist raus!" Leipzigs älteste Fassadenbegrünung meterhoch zerstört

Leipzig - Am vergangenen Mittwoch wurde die Fassadenbegrünung in der Thomasiusstraße 6 zerstört. Das Vergehen erntete nicht nur beim Leipziger Umweltbund "Ökolöwe e.V." Gegenwind.

Am vergangenen Mittwoch hatte man Leipzigs älteste Fassadenbegrünung zerstört.
Am vergangenen Mittwoch hatte man Leipzigs älteste Fassadenbegrünung zerstört.  © Christian Grube

"Anzeige ist raus", verkündete der Leipziger Umweltbund "Ökolöwe" am vergangenen Wochenende auf Instagram. In ihrem Post machten sie auf die illegale Zerstörung der meterhohen Kletterpflanze an der Thomasiusstraße 6 aufmerksam. Demnach handele es sich dabei um die älteste Fassadenbegrünung der Stadt.

"Kletterpflanzen dieser Höhe fallen unter den Schutz der Baumschutzsatzung der Stadt Leipzig", hieß es weiter. Doch soll es Angaben des Vereins zufolge bei den zuständigen Ämtern keine derartige Genehmigung gegeben haben.

Auf Anfrage von TAG24 bestätigten dies auch die Ämter für Denkmalschutz, Umweltschutz und Stadtgrün: "Der Efeu wurde am Mittwoch, dem 28. Januar, abgesägt beziehungsweise zerstört. Dafür wurde bei der Stadt Leipzig keine entsprechende Genehmigung beantragt."

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Erst tags darauf habe man einen Antrag auf "Zustimmung zu einer dringenden Maßnahme – teilweiser Rückschnitt am Giebel des Einzeldenkmals" erhalten.

Nach umfangreicher Zerstörung: Verantwortlichen droht Anzeige

Die Verantwortlichen schnitten einen großen Teil des Blattwerks ab.
Die Verantwortlichen schnitten einen großen Teil des Blattwerks ab.  © Christian Grube

Das Blattwerk sei zerstört, die Stämme zertrennt und somit jahrzehntelanges Wachstum in wenigen Stunden vernichtet, beschrieb "Ökolöwe" die Situation.

"Diese jahrzehntelange Begrünung bot aufgrund ihres Alters und Umfangs wichtigen Lebensraum für Vögel und Insekten, kühlte das Gebäude und trug maßgeblich zur Klimaanpassung bei. Genau das, was wir in Zeiten der Klimakrise dringend brauchen", erklärte man weiter.

Aus diesem Grund habe sich der Verein entschieden, wegen eines Verstoßes Anzeige zu erstatten.

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Damit ist der Umweltbund nicht allein. Auch die Stadt werde ein entsprechendes Ordnungswidrigkeitsverfahren mit Bußgeldtatbestand einleiten.

Wird die Pflanze sterben?

Bis die grüne Wand wieder zum Verweilen einlädt, werde es wohl einige Jahre dauern.
Bis die grüne Wand wieder zum Verweilen einlädt, werde es wohl einige Jahre dauern.  © Bildmontage: Christian Grube

Schließlich bleibt jedoch die Frage, ob die Pflanze den fatalen Eingriff überleben wird. "Ökolöwe" sieht dafür zumindest noch Hoffnung: "Die abgeschnittenen Wurzelbereiche und Stümpfe weisen noch Potenzial für die Regeneration auf."

Laut der Stadt würde das "Wiedererlangen einer gewissen ökologischen Funktion" jedoch circa zehn bis 15 Jahre dauern.

Der Umweltbund fordert daher ein sofortiges Pflegemoratorium sowie wöchentliches Gießen und eine "fachgerechte Nachbehandlung" der Neuauswurzelungen.

Zudem wünsche man sich von der Stadt, "den Schutz bestehender Grünstrukturen künftig konsequenter durchzusetzen und präventive Kontrolle zu verstärken".

Titelfoto: Bildmontage: Christian Grube

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