Leipzig - Im Jahr 2013 trafen sich der Gitarrist und Sänger Ben Hartmann (39) und der Pianist Johannes Aue (36) bei der Aufnahmeprüfung für eine Musikhochschule in Bochum. Aus dem "glücklichen Zufall", wie Aue die Begegnung einmal beschrieb, wurde bald die Band Milliarden. Nun ziehen die Berliner 12 Jahre später einen Schlussstrich und verabschieden sich mit der "Zehn Jahre Kokain und Himbeereis"-Tour von ihren Fans. In Leipzig sorgten sie dabei für einen unvergesslichen Abend im UT Connewitz.
Musikalisch lassen sich Milliarden nur schwerlich in eine Schublade stecken. Irgendwas zwischen Punk, Pop und Indie-Rock sowie eine große Prise Berlin, trifft es vermutlich am besten.
2014 erschien ihre Debüt-EP "Kokain und Himbeereis". Bald darauf traten sie im Fernsehen auf, spielten als Vorgruppe von Ton Steine Scherben und eroberten die großen Festivalbühnen.
Doch dass so ein Leben über 12 Jahre hinaus Kraft kostet, spürte vor allem Ben Hartmann: "Als ich Johannes letztes Jahr im Sommer mit schwerem Herzen gesagt habe: 'Ich kann nicht mehr'. Da hat er nach unten geguckt, ausgeatmet, wieder nach oben geguckt und gesagt: 'Bruder, ist doch kein Problem, machen wir halt was anderes", erzählte der Milliarden-Frontmann zwischen zwei Songs.
"Wir bleiben ja, wir sterben ja noch nicht. Heute sind wir noch am Leben. Mal gucken, was morgen ist", so Hartmann weiter. "Wir sind nicht weg, wir sind nur woanders."
Leipzig textsicher und laut
Für ihren Abschied hatten sich die Berliner jedoch einiges einfallen lassen, um so schnell nicht in Vergessenheit zu geraten.
Neben ihren großen Hits wie "Im Bett verhungern" und "Katy Perry" durfte natürlich auch "Freiheit ist ne Hu**" nicht fehlen.
Nach gut einer Stunde sprangen Hartmann, Aue und ein Teil der Band dann ins Publikum, um auf einer kleinen Bühne mitten in der Menschenmenge weiterzuspielen. Unterstützung erhielten sie dabei lautstark und textsicher vom gesamten Saal.
"Mal gucken, ob ich bereue, was wir hier gerade machen", sagte Sänger Ben Hartmann mit stockender Stimme kurz vor Konzertende.
Damit bleibt die Hoffnung wenigstens ein kleines Stück weit am Leben, dass die letzten Songs von Milliarden womöglich doch noch nicht geschrieben worden sind. Für ein Comeback-Konzert wäre das UT Connewitz dabei jedenfalls ziemlich sicher der richtige Ort.