Harte Vorwürfe an sächsischer Schule: Meldete eine Schulleiterin politisch aktive Schüler?

Leipzig - Die Situation an einem Gymnasium in Sachsen kocht seit einigen Tagen hoch. In einem mittlerweile gelöschten, aber stark geklickten Video auf Instagram berichteten Schüler von Repressionen und erhoben schwere Vorwürfe gegen ihre Schulleiterin. Sie soll Listen mit politisch aktiven Schülern geführt haben und an die Polizei gegeben haben.

Die Schule ist Kompetenzzentrum für Begabungs- und Begabtenförderung und legt unter anderem einen besonderen Fokus auf deutsch-französische Bildung.
Die Schule ist Kompetenzzentrum für Begabungs- und Begabtenförderung und legt unter anderem einen besonderen Fokus auf deutsch-französische Bildung.  © Christian Grube

Dass der Polizei solch eine Liste vorliegt, dementierte Sprecher Olaf Hoppe auf TAG24-Anfrage.

Er bestätigte aber, dass ein Zwölfjähriger vorgeladen und in Begleitung eines Elternteils am 12. März polizeilich vernommen wurde. Es wird wegen Sachbeschädigung an der Schule in Form von Graffiti ermittelt.

"Die Graffitis richteten sich inhaltlich überwiegend gegen die Schulleiterin", so Hoppe weiter.

Leipzig: Angriff auf Grünen-Parteibüro: Täter hinterlassen Sprühfarbe und eingeschlagene Scheiben
Leipzig Lokal Angriff auf Grünen-Parteibüro: Täter hinterlassen Sprühfarbe und eingeschlagene Scheiben

Doch was war überhaupt passiert, dass es so weit gekommen ist?

Die Schülerinnen und Schüler des Anton-Philipp-Reclam-Gymnasiums in Leipzig werfen ihrer Schulleiterin Rassismus vor, weil sie unter anderem das Programm "Deutsch als Zweitsprache" eingekürzt haben soll. In weiteren Vorwürfen behaupteten die Schüler, dass eine Liste mit politisch aktiven Jugendlichen geführt wurde. Die Existenz dieser Liste konnte bisher nicht zweifelsfrei überprüft werden.

Eine Anfrage von TAG24 dazu ließ die Schulleiterin unbeantwortet. Gegenüber der Leipziger Volkszeitung soll sie diese Vorwürfe aber dementiert haben.

Alles mündete in einem viralen Video, das millionenfach aufgerufen wurde und schnell prominente Unterstützer sammelte wie beispielsweise Aktivistin Luisa Neubauer (29) und Satiriker Sebastian "El Hotzo" Hotz (30).

Die Schülerinnen und Schüler berichten von Druck

Im Schuljahr 2024/2025 sollen rund 1000 Schülerinnen und Schüler die Einrichtung besucht haben.
Im Schuljahr 2024/2025 sollen rund 1000 Schülerinnen und Schüler die Einrichtung besucht haben.  © Christian Grube

Neben den prominenten Unterstützern gibt es auch eine Petition, die Klarheit und ein Ende der Repressionen fordert.

TAG24 hat versucht, Kontakt zu den betroffenen Schülern aufzunehmen. Sie wollten sich allerdings noch nicht äußern, da der Druck auf sie momentan sehr hoch sei.

Am Sonntag planen mehrere linke Jugendgruppen einen Infoabend, um die Unterstützung aufrechtzuerhalten. "Wir wollen ernst genommen werden, deshalb haben wir auch den Weg in die Öffentlichkeit gewählt", heißt es darin.

Leipzig: Mehr als zwei Jahre nach Schließung: Gleich zwei Hotels kehren in Leipzigs Innenstadt zurück
Leipzig Lokal Mehr als zwei Jahre nach Schließung: Gleich zwei Hotels kehren in Leipzigs Innenstadt zurück

Außerdem wird ein Stopp der Willkür, Einschüchterung und politischer Verfolgungslisten sowie eine Entschuldigung der Schulleiterin an den Zwölfjährigen, der von der Polizei vernommen wurde, gefordert.

Titelfoto: Christian Grube

Mehr zum Thema Leipzig Lokal: