Ist Leipzig notfallmedizinisch gut aufgestellt? Chefarzt nennt die Fakten

Leipzig - Wie gut ist Leipzig bei medizinischen Notfällen aufgestellt? Unter anderem darum ging es in der neuen Folge des Podcasts "Leipzig und Leute" von und mit Oberbürgermeister Burkhard Jung (68, SPD). Sein Gesprächspartner ist dieses Mal Dr. Robert Stöhr, Notarzt und Leiter der Zentralen Notaufnahme am Städtischen Klinikum St. Georg.

Dr. Robert Stöhr (l.) ist seit 2025 Chefarzt der Notaufnahme am St. Georg. In der neuen Podcastfolge spricht er mit dem Oberbürgermeister Burkhard Jung (68, SPD, r.)  © Stadt Leipzig

Dr. Stöhr ist seit 2014 ausschließlich in der Notfallmedizin tätig und hat dabei schon vieles erlebt, aber manche Einsätze seien auch für den erfahrenen Arzt schwierig. "Das, was uns allen am nächsten geht, sind Kindernotfälle", sagt er.

"Ich stelle mir das manchmal physisch belastend vor. Wie geht man damit um?", fragt der Oberbürgermeister.

"Man hat natürlich eine gewisse berufliche Distanz, und meine Meinung ist, dass man die Kliniktür schließen und es nicht mit nach Hause nehmen sollte", erklärt der Mediziner. Am Ende des Tages gehöre das auch zu seinem Beruf.

Leipzig Lokal Ampeln an wichtiger Leipziger Kreuzung außer Betrieb

Doch wie gut ist die notfallmedizinische Versorgung in Leipzig? Der Experte ist zufrieden. "Leipzig selbst ist exzellent aufgestellt. Es hat den großen Vorteil, sehr kompakt zu sein. Wir haben kurze Wege."

Wer in welches Krankenhaus kommt, hänge laut Stöhr oft von der örtlichen Lage ab. Patienten, die im Norden den Rettungsdienst rufen, würden beispielsweise oft ins St. Georg kommen.

Anzeige

Wird der Notruf oft missbraucht?

Das Klinikum St. Georg befindet sich im Norden von Leipzig.  © Ralf Seegers

Immer wieder hört man davon, dass viele Menschen den Notruf missbrauchen oder die Notaufnahmen unnötig verstopfen würden. Auch Bestrafungen werden immer wieder gefordert. Dr. Stöhr teilt diese Ansichten nicht.

"Missbrauch zu bestrafen ist schwierig, weil der normale Mensch kann das ja nicht einschätzen", sagt er. "Aber wir erleben das auch nicht so. Die meisten Leute, die die 112 anrufen, die rufen nicht zum Spaß an."

Nicht alle Leute, die in die Notaufnahme kommen würden, sind wirklich Notfälle, stellte der Arzt klar. Es sei aber schon immer so gewesen, dass dort nicht nur lebensbedrohliche Unfälle behandelt werden.

Leipzig Lokal Endloser Streit um Leipzigs älteste Fassadenbegrünung: Ämter wehren sich gegen harte Kritik

Trotzdem würde man diese Menschen behandeln, aber es ist oft mit Wartezeit verbunden, denn Leute, die kränker sind, werden priorisiert. Die meisten Patienten in den Notaufnahmen benötigen laut der Erfahrung des Mediziners eine unfallchirurgische Behandlung und werden nicht stationär aufgenommen.

Ein großes Problem benannte Dr. Stöhr dann aber doch: "Wir sind das niedrigschwelligste Angebot und haben immer offene Türen. Die Frage ist nur: Bekommen wir auch das Geld und sind wir gut finanziert? Sind wir im Allgemeinen nicht."

Mehr zum Thema Leipzig Lokal: