Endloser Streit um Leipzigs älteste Fassadenbegrünung: Ämter wehren sich gegen harte Kritik
Leipzig - Der Streit rund um Leipzigs älteste Fassadenbegrünung in der Thomasiusstraße 6 geht weiter.
Der meterhohe Efeu war am 28. Januar abgesägt worden, um Instandsetzungsarbeiten an den darunter liegenden Dachanschlüssen und der Giebelwand zu ermöglichen. Diese Entscheidung sei zuvor sorgfältig abgewogen worden und schlussendlich zugunsten des "zu erhaltenden Kulturdenkmals" ausgefallen.
Der Leipziger Umweltbund "Ökolöwe e. V." hatte daraufhin angekündigt, hinsichtlich der in seinen Augen missachteten Baumschutzsatzung Anzeige gegen das Amt für Bauordnung und Denkmalpflege (ABD) zu erstatten.
Auf Nachfrage von TAG24 erklärte die Stadtverwaltung nun aber, dass weder gegen das ABD noch gegen das Amt für Umweltschutz (AfU) eine Fachaufsichtsbeschwerde eingegangen sei.
Auch auf die Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens sei verzichtet worden, nachdem das AfU vor Ort "umfangreiche Ermittlungen" angestellt hatte - es seien "keine nachweisbaren naturschutzrechtlichen Verstöße" festgestellt worden, weder hinsichtlich des Gehölzschnittverbotes noch hinsichtlich der geschützten Fortpflanzungs- oder Ruhestätten.
Die Baumschutzsatzung, auf die sich Ökolöwe berufen hatte, gelte darüber hinaus gar nicht für die Thomasiusstraße 6, da es sich bei dem Gebäude um ein Kulturdenkmal handele, wie TAG24 von Stadt-Sprecher David Quosdorf erfuhr. Der Efeu sei deshalb - trotz der erst nachträglich eingeholten Genehmigung - richtigerweise abgesägt worden, da es "nicht als denkmalkonstitiuerend" zu werten sei.
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Giebelwand soll neu begrünt werden
Aber wie geht es jetzt weiter an der Thomasiusstraße 6?
Quosdorf: "Der Efeu ist gekappt, es wird derzeit davon ausgegangen, dass er wieder ausschlagen wird. (...) Da bei dem ungenehmigten Eingriff ausschließlich oberirdische Pflanzenteile entfernt wurden, besteht grundsätzlich die Möglichkeit einer Regeneration."
Nach der notwendigen Sanierung soll die Giebelwand also durch die noch vorhandenen Efeu-Pflanzen wieder neu begrünt werden, so der Plan. Im Anschluss sollen zusätzliche Nistkästen an der Fassade angebracht werden.
Ökolöwe hat unterdessen eine Unterschriften-Aktion ins Leben gerufen, um Leipzigs Stadtspitze dazu aufzufordern, Bäume, Sträucher, Hecken und Fassadengrün in Zukunft konsequenter zu schützen.
Damit macht der Verein auf die steigenden Fälle der ungenehmigten Eingriffe in Leipzigs Grünanlagen aufmerksam: Laut dem Amt für Stadtgrün und Gewässer wurden 2023 44 Vorgänge, 2024 90 Vorgänge und 2025 sogar 74 Vorgänge gegen geschützte Gehölze registriert.
Titelfoto: Montage Christian Grube

