Leipziger bauen mit Glasboden, Lehm und Stroh: Dieses Haus ist eine Revolution

Leipzig - Als ein Leipziger Häuslebauer ein neues Heim für seine Familie konzipierte, kamen nur nachhaltige und ressourcenschonende Baustoffe infrage. Für die meisten Komponenten fand er schnell entsprechende Alternativen. Nur an der Bodenplatte aus klimaschädlichem Stahlbeton schien lange kein Weg vorbei. Doch dann wurde Krystian Manthey (33) im Internet fündig. Inzwischen lebt die Familie im ersten Eigenheim Deutschlands mit einem Fundament aus Schaumglas und könnte ein Trendsetter werden.

Bauen mit Stroh erlebt derzeit eine Renaissance - etwa 1000 Häuser gibt es in Deutschland inzwischen.
Bauen mit Stroh erlebt derzeit eine Renaissance - etwa 1000 Häuser gibt es in Deutschland inzwischen.  © imago images/Joerg Boethling

Neben der Umweltschonung spielte bei der Hausplanung auch die Lebensqualität eine Rolle. Bereits mit 14 Jahren begannen für Krystian Manthey gesundheitliche Probleme und schickten ihn auf einen Ärztemarathon: "Ein oder zwei Allergien habe ich vielleicht auch vergangenen Wohnsituationen zu verdanken."

Während seines erfolgreich beendeten Leidensweges beschäftigte sich der Digitalexperte und Buchautor intensiv mit den Ursachen von Zivilisationskrankheiten - unter anderem mit Wohnraumgesundheit.

So war von Anfang an klar, dass für das neue Zuhause wo immer möglich auf Kunststoffe verzichtet wird.

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Die Abwägung von Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Wohngesundheit ergab eine klare Materialwahl: Lehm, Holz und gepresstes Stroh. Letzteres erlebt derzeit eine Renaissance, etwa 1000 Strohballenhäuser stehen inzwischen in Deutschland.

Manthey: "Kein Dämmstoff ist so günstig und nachhaltig wie Stroh und schafft dank Feuchtigkeitsregulierung durch den Lehmputz ein gesundes Raumklima."

Die hervorragenden Dämmeigenschaften sparen nicht nur Heiz- und Kühlkosten, sondern ermöglichen bei fachgerechter Ausführung einen überraschend guten Brandschutz.

Es ist regional verfügbar und hat CO2 gebunden, ganz anders als der Klimakiller Beton.

Erstes Haus mit Schaumglas als Grundplatte

Krystian Manthey hat selbst mit Hand angelegt, um für sein Haus die Bodenplatte zu legen.
Krystian Manthey hat selbst mit Hand angelegt, um für sein Haus die Bodenplatte zu legen.  © Montage: privat

Doch auf eine Grundplatte aus Stahlbeton schien man bisher nicht verzichten zu können. Nachhaltigkeits-Freak Manthey wollte sich damit nicht abfinden, bis er im Internet einen Bericht fand.

Dort ging es um ein geplantes Pilotprojekt zu einem innovativen Pavillon, welcher komplett aus wiederverwendbaren Materialien und Komponenten besteht und nach einer Ausstellung andernorts erneut aufgebaut werden soll.

Das Fundament: Schaumglas.

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Der angehende Häuslebauer fand den Hersteller Glapor in der Oberpfalz. Er ist der einzige in Deutschland, der neuerdings Schaumglasplatten für Fundamente aus 100 Prozent Recycling-Glas anbietet.

Manthey erfuhr, dass in Europa einige private und öffentliche Bauten geplant sind. Auch ein Einfamilienhaus wäre kein Problem.

Nicht ganz so einfach war es hingegen, für solch eine Revolution die entsprechenden Partner zu finden.

Manthey: "Dabei gab es mit den Behörden eher weniger Probleme. Denen genügt ein Stempel vom Statiker. Letzteren muss man aber mit einem Architekten und den Bauausführenden unter einen Hut bringen, um gemeinsam neue Wege zu beschreiten."

Noch vor dem ersten Spatenstich erhielt die Idee zu dem bahnbrechenden Haus den "eku-Zukunftspreis" vom Sächsischen Umweltministerium.

Handwerk, das Zeit und Ressourcen spart

Krystian (33) und Leonore Manthey (31) sind mit Sohn Joras (2) erst vor wenigen Wochen eingezogen. In diesen kalten Tagen merken sie die guten Dämmeigenschaften von Stroh.
Krystian (33) und Leonore Manthey (31) sind mit Sohn Joras (2) erst vor wenigen Wochen eingezogen. In diesen kalten Tagen merken sie die guten Dämmeigenschaften von Stroh.  © privat

Gemeinsam mit einem Fachmann von Glapor verlegte er im November 2024 die Schaumglasplatten auf einem Splitt-Planum.

Manthey: "Für die knapp 400 Platten in zwei Schichten benötigten wir gerade mal einen Tag. Danach konnte es sofort weitergehen."

Ein Fundament aus Stahlbeton hätte erst austrocknen müssen, was mitunter vier Wochen dauern kann.

Auch beim Aufbau mit Holz, Stroh und Lehm legte Manthey aus Kostengründen gemeinsam mit Handwerkern selbst mit Hand an: "Ökologische Baustoffe wie Lehm verzeihen sehr viel. Ist etwas nicht gelungen, rührt man ihn wieder mit Wasser an und probiert es erneut - das geht mit Gips oder Zement nicht."

Und wer auf zertifizierte Strohballen verzichten kann, erhält dieselbe Qualität erheblich preiswerter bei einigen Bauern der Region.

Ein Jahr später, nachdem die mit Luft-Luft-Wärmepumpe betriebene Split-Klimaanlage und die Solarpaneele auf dem Dach installiert waren, konnte die junge Familie einziehen.

Krystian Manthey: "Und falls unser Sohn in ferner Zukunft beschließt, an einem anderen Ort zu wohnen, kann er das Haus Stück für Stück auseinanderpuzzeln und zum großen Teil wiederverwenden. Das Schaumglasfundament sogar zu hundert Prozent."

Titelfoto: Montage: privat

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