Leipzig - In den kommenden Tagen werden sie wieder für Aufmerksamkeit im Leipziger Westen sorgen: Sogenannte Krautschneideboote sind aktuell wieder auf dem Karl-Heine-Kanal unterwegs, um dem Gewässer seinen Sommerschnitt zu verpassen. Das Ziel: Die Eindämmung des verschiedenblättrigen Tausendblatts, einer invasiven Wasserpflanze, die sich im Kanal ausbreitet. 400 Tonnen Biomasse würden inzwischen mit jedem Eingriff aus dem Kanal geholt - Tendenz steigend.
Die Mäharbeiten erfolgen auf einer Länge von viereinhalb Kilometern von der Nonnenbrücke bis zum Ende des Lindenauer Hafens. Etwa zehn Tage benötigen die sechs Mitarbeiter der Abteilung Wasserbau des Eilenburger Geräte- und Pumpenservice, um die Strecke zu meistern. Neben drei Krautschneidebooten setzen sie dabei auf ein weiteres Boot samt Transportfloß sowie einen Kettenbagger samt Laster für den Abtransport der Biomasse.
Bei den Mäharbeiten werden lediglich eine Mittelrinne sowie die Steganlagen entkrautet. "Die Uferbereiche bleiben alle unberührt, weil das Rückzugsgebiete und Fluchtwege für die Tiere sind", erklärt Dr. Helke Gröger-Arndt vom Natura 2000 Network. Sie ist als ökologische Baubegleitung bei dem Projekt dabei.
Das Problem im Karl-Heine-Kanal, sagt Dr. Gröger-Arndt, sei das verschiedenblättrige Tausendblatt. Die Wasserpflanze stammt eigentlich aus Nordamerika und sei erstmals 1942 im Kanal nachgewiesen worden. Seitdem habe sie sich so massiv ausgebreitet, dass die Arbeiter inzwischen ausschließlich die invasive Pflanze aus dem Gewässer holen würden.
Zweimal pro Jahr muss der Kanal inzwischen gemäht werden. Gröger-Arndt zufolge könne das Gewässer sonst "umkippen". Der Kanal würde verschlammen. Es könne zu einem Sauerstoffmangel kommen, Fische und Kleinstlebewesen, die im Karl-Heine-Kanal leben, würden aussterben.
Von E-Scootern bis Waschmaschinen: Was die Arbeiter noch im Kanal finden
"Wir wissen, dass die Maßnahme nicht ideal ist, weil man mit dem Schnitt auch das Wachstum provoziert. Aber es ist extrem wichtig, diese Biomasse zu entziehen für das ökologische Potenzial, was dieser Kanal bietet. Deswegen ist das momentan alternativlos", so Helke Gröger-Arndt.
Die Boote schneiden die Pflanzen in etwa 1,50 Metern Wassertiefe ab, erklärt Silvio Kirsten, Wasserbaumeister des Eilenburger Geräte- und Pumpenservice und Leiter des Projekts am Karl-Heine-Kanal. "Wir müssen die Technologie so wählen, dass wir möglichst wenig Schaden verursachen. Deshalb verbleibt das Material nach dem Schnitt erstmal noch eine kurze Zeit im Wasser und wird dann am Wasserrand abgelegt, damit Kleinstlebewesen noch flüchten können."
Die entnommene Biomasse werde später verkompostiert.
Neben dem Tausendblatt stoßen die Arbeiter beim Mähen immer wieder auf Müll, den sie direkt mit aus dem Kanal fischen. "Einkaufswagen, Fahrräder, E-Scooter, Verkehrsschilder, Waschmaschinen, Sofas - alles, was man so ins Wasser werfen kann", zählt Silvio Kirsten auf.
Pro Jahr würden um die 30 Tonnen Müll aus dem Karl-Heine-Kanal gefischt. Um Hindernisse für die Schifffahrt zu entfernen, führt die Stadt inzwischen alle zwei Wochen eine Beräumung durch. Auch für die Schneideboote könne der Müll zum Problem werden. "Man muss immer aufpassen, dass man sich nicht das Schneidwerk zerbricht", so Silvio Kirsten.
Die Arbeiten sollen etwa bis 26. Juni dauern. Die zweite Mähmaßnahme wird im Herbst durchgeführt.