Leipzigs neuer Service-Bus: Ein rollendes Hindernis für Menschen mit Behinderung?

Leipzig - Verwaltung auf Rädern - aber nicht für alle? Ein neuer Bürgerservice-Bus rollt seit Donnerstag durch Leipzig. Hier sollen Anliegen schnell und ohne vorherige Terminvereinbarung geklärt werden. Doch was als moderner Service gedacht ist, sorgt nun für politische Debatten. Die Linke kritisiert fehlende Barrierefreiheit und spricht von einem "Ausschlussinstrument".

Seit dem 22. Januar ist er im Einsatz und steht schon in der Kritik: Leipzigs neuer Bürgerservice-Bus.  © Stadt Leipzig

"Der neue Bürgerservice-Bus der Stadt Leipzig ist leider kein Ruhmesblatt", schreibt Linke-Fraktionschef Sören Pellmann (48) in einem Instagram-Beitrag.

Die Idee war es, Verwaltungsdienste deutlich zu vereinfachen. Menschen sollen ohne Termin, ortsnah und flexibel nahezu das gleiche Angebot wie in einem stationären Bürgerbüro bekommen.

Das Problem: Man kommt lediglich über eine ausfahrbare Treppe in das Innere. Generell ist der Platz so begrenzt, dass kein Rollstuhl hineinpasst. Ein Dorn im Auge der Linken, denn damit habe man die Barrierefreiheit "völlig außer Acht gelassen", so Pellmann weiter.

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Doch was sagt die Stadt zu den Vorwürfen, man würde besonders Rollstuhlfahrer von dem Angebot ausschließen?

"Eine komplette Barrierefreiheit hätte entweder den Bus total verbreitert oder einen Arbeitsplatz gekostet", stellt das Dezernat Allgemeine Verwaltung, Amt Bürgerservice auf Anfrage klar.

Weiter heißt es: "Wir haben uns für den Arbeitsplatz und für die Bedienung am Fahrzeug entschieden." Wie genau diese aussehen soll, darauf geht das Dezernat nicht weiter ein.

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Stadtrat mischt sich in Diskussion ein: "Einfach nur maulen"

Im Inneren des Busses ist Platz für zwei Sachbearbeiter. Ein Rollstuhl passt nicht hinein.  © Stadt Leipzig

Der Beitrag hat eine rege Diskussion verursacht, die zum Teil in den Kommentaren ausgefochten wird.

Unter anderem Stadtrat Frank Franke (SPD) meldet sich zu Wort.

Während die Kritik viel Zuspruch bekommt, vertritt Franke eine andere Meinung. "Das Bürgermobil ist eine Ergänzung, wie es der Bücherbus auch ist", schreibt er und schiebt die Verantwortung zurück auf die Partei.

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"Die Linksfraktion Leipzig wird sicherlich Haushaltsanträge stellen, damit zukünftig noch barriereärmere Fahrzeuge beschafft werden können, statt hier einfach nur zu maulen."

Sören Pellmann hat auf diesen Beitrag zwar nicht geantwortet, wird das Thema jedoch in der nächsten Ratsversammlung am Mittwoch (28. Januar) für eine erneute Debatte auf den Tisch bringen.

Der Bürgerservice-Bus wird an zwei festen Tagen die Woche in Böhlitz-Ehrenberg und Großzschocher unterwegs sein, zusätzlich fährt er einmal alle zwei Monate nach Lindenthal. Genauere Infos findet Ihr auf der Seite der Stadt Leipzig.

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