Von André Jahnke
Leipzig - Das ehemalige NS-Zwangsarbeiterlager "Mangold" in Leipzig ist das Ziel zeitgeschichtlicher archäologischer Ausgrabungen. Im Vorfeld einer geplanten Bebauung werde das 9000 Quadratmeter große Areal untersucht, wie das Landesamt für Archäologie mitteilte. Bislang konnten etwa 600 Befunde erfasst werden.
Den Angaben zufolge zählen dazu vor allem Fundamente, Pfosten und Holzböden der Baracken, Wege, Gruben, ein Heizraum und die Splitterschutzgräben.
Zudem wurden Objekte aus dem täglichen Leben der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wie Lederschuhe, Teller, Tassen, Löffel und Glasflaschen gesichert.
"Mit der Ausgrabung der im Boden verbliebenen Reste des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers 'Mangold' bietet sich letztmalig die Chance, Einblicke in Struktur und Geschichte des Lagers zu erhalten und dies für die Nachwelt zu dokumentieren", sagte Landesarchäologin Regina Smolnik.
Es sollen auch Erkenntnisse zu der Versorgung und zu den Lebensumständen der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gesammelt werden.
Bis zum Kriegsende gab es 3000 Zwangsarbeiter
Das Zwangsarbeiterlager war 1942 in Betrieb genommen worden. Gearbeitet wurde vor allem für ein Unternehmen, welches kriegsrelevante Produkte wie Gespanne, Maschinengewehr-Wagen, Hülsen für Bomben und Granaten sowie Grabenpflüge herstellte. Bis zum Kriegsende erhöhte sich die Zahl der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter auf 3000.
Nach Kriegsende brachte man in dem ehemaligen Zwangslager Menschen unter, die sich durch die Kriegsereignisse außerhalb ihrer Heimat aufhielten. Im Frühjahr 1945 lebten in den Baracken zeitweise fast 1300 Menschen.
Nach deren Rückführung richtete die sowjetische Militärregierung ein Quarantänelager für deutsche Flüchtlinge aus dem Osten ein, das bis 1950 in Betrieb war.
Danach riss man die Baracken ab, ein Gebäude blieb weiterhin in Benutzung und wurde erst 1996 abgerissen.