Leipzig - Ein Jahr nach seiner vorfristigen Entlassung ist der Leipziger Stückelmörder Benjamin H. überraschend in die Stadt des Verbrechens zurückgekehrt. In Leipzig schult der heute 37-Jährige, der im Dezember 2012 wegen Mordes zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt wurde, die Haftzeit jedoch in der geschlossenen Psychiatrie verbüßte, zu einem Büro-Job um.
Er hatte sich den Mord zu seinem 23. Geburtstag "geschenkt": Am 12. Oktober 2011 lockte Benjamin H. seinen Bekannten Jonathan (23) in seine Wohnung in Leipzig-Lindenau zu einer vermeintlichen Geburtstagsfeier. Dort erstach er den arglosen Mann, schnitt dem Sterbenden Penis und Hoden ab und zerteilte die Leiche dann in der Badewanne. Die meisten Leichenteile wurden später in der Elster gefunden.
Im Prozess offenbarten sich wilde Tötungsphantasien, die Benjamin H. auch auf einer Festplatte und einem Diktiergerät festgehalten hatte.
Demnach plante der Mann mit dem markanten Sprachfehler noch weitere Morde, wollte gar die Identität eines der Opfer annehmen. Er sah nach gerichtlicher Feststellung im Töten für sich eine Art Metarmophose - weg vom stotternden "Loser" hin zu einem "Macher", der die Herrschaft über Leben und Tod hatte.
Der Gerichtspsychiater bescheinigte H. eine schizoide Persönlichkeitsstörung, weshalb der Stückelmörder statt ins Gefängnis in die Psychiatrie gesteckt wurde.
Mitschüler haben Angst vor dem freigelassenen Killer
Völlig ungewöhnlich: Obwohl ihm die Behörden nach seiner Entlassung einen Neustart mit neuem Nachnamen und Anonymität ermöglichten, wählte der Thüringer für sein neues Leben ausgerechnet die Stadt aus, in der er sein abscheuliches Verbrechen beging. Und wurde prompt von Teilnehmern einer Umschulungsmaßnahme erkannt, bei der sich Benjamin H. für einen Büro-Job ausbilden lässt.
Gegenüber dem Lokalsender "Radio Leipzig" berichteten Mitschüler jetzt öffentlich von ihren Ängsten im Umgang mit dem verurteilten Mörder, der demnach ständig Leute anstarre und "manchmal wirres Zeug" stottern würde. Angeblich will einer der Mitschüler deswegen seine Umschulung abbrechen.
Die Richter des Leipziger Landgerichts und des Oberlandesgerichts Dresden, die trotz Intervention der Staatsanwaltschaft Benjamin H. 2025 wieder auf freien Fuß ließen, sehen den Mann heute nicht mehr als Gefahr.
Ein Sachverständigengutachten habe bescheinigt, dass er seine schizoide Persönlichkeitsstörung dank erfolgreicher Verhaltenstherapie im Griff habe, heißt es in der Begründung der vorzeitigen Freilassung. Der auf Bewährung Entlassene steht für fünf Jahre unter Führungsaufsicht, hat einen Bewährungshelfer und muss sich einmal monatlich mit seinem Therapeuten zum Einzelgespräch treffen.
Aktuell lebt Benjamin H. in einem sozialtherapeutischen Wohnprojekt, kann dies aber jederzeit verlassen. Er könne sich frei bewegen und auch am sozialen und kulturellen Leben teilnehmen, teilte eine Gerichtssprecherin mit.
"Das Bundesverfassungsgericht erkennt einen Anspruch auf Resozialisierung als Grundrecht an. Die Betroffenen sollen befähigt werden, ein künftig straffreies und verantwortungsbewusstes Leben zu führen", hieß es auf Anfrage von TAG24.