Dölzig - Nach dem Ausbruch eines Tigers in Dölzig bei Leipzig ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Raubkatzen-Dompteurin Carmen Zander (52) wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen. Ihr Helfer (72), der von dem fast 300 Kilogramm schweren Tier angefallen wurde, liegt mit heftigen Biss- und Prankenverletzungen im Krankenhaus. Was aus den verbliebenen acht Tigern wird, ist ungewiss.
Es war ihr Liebling Sandokan, der am Sonntag nach einem Ausbruch nahe einer Gartenanlage von der Polizei erschossen wurde. Auf ihrer Internetseite beschreibt Carmen Zander den Tiger als einen "Angsthasen".
"Wenn er etwas nicht einschätzen kann, und das passiert leider schon bei Kleinigkeiten, ist er schnell überfordert und wird unsicher." Ein Angriff könne daher "schneller und unerwarteter" ausgelöst werden, heißt es in der Charakterisierung weiter.
Was den stattlichen Tiger am Sonntag beim Füttern "überforderte", sodass es zum Angriff auf den Helfer kam, ist weiter unklar. Und nunmehr Gegenstand von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen.
Die entscheidende Frage: Hätte Zander, die bei der Fütterung nicht anwesend war, den Rentner mit dieser Aufgabe betrauen und allein auf der Anlage arbeiten lassen dürfen?
Zander wird schon länger für ihre Haltebedingungen kritisiert
Bis in die Nacht hinein durchsuchten Polizeibeamte nach dem Vorfall auf Beschluss eines Bereitschaftsrichters Zanders Tiger-Domizil. Gegenstand der Ermittlungen seien der konkrete Geschehensablauf, die Rolle des Geschädigten und die Frage, ob gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen wurde, erklärte Staatsanwältin Vanessa Fink auf TAG24-Anfrage.
Das für die Überwachung der Tierhaltung zuständige Landratsamt Nordsachsen wollte sich am Montag angesichts der laufenden Ermittlungen noch nicht zu möglichen Konsequenzen für Zander und ihre acht verbliebenen Tiger äußern.
Da die Dompteurin die Anforderungen für die private Tigerhaltung nicht erfüllt, läuft laut Behörde ein Verwaltungsverfahren, das noch nicht abgeschlossen ist. Man arbeite seit geraumer Zeit daran, die Haltungssituation der Tiger in Dölzig zu verbessern, teilte das Landratsamt auf Anfrage mit.
Die Behörde hatte Zander demnach schon länger aufgefordert, entweder die Innen- und Auslaufflächen zu vergrößern, oder ihren Tierbestand zu verringern.
Unterdessen nahm die Tierrechtsorganisation PETA den tragischen Fall am Montag zum Anlass, eine Verschärfung der Regeln für private Wildtierhaltung zu fordern. Der Tierschutzverein Vier Pfoten bot hingegen Hilfe bei der Vermittlung der Tiger an Auffangstationen für Großkatzen an. Carmen Zander war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.