Verfallen, verlassen, verloren: Das Problem verwahrloster Häuser verschärft sich

Leipzig/ Hainichen - Am gestrigen Dienstag berichtete die MDR-Sendung "Umschau" von den etlichen heruntergekommenen Immobilien in Mitteldeutschland. Für zahlreiche Kommunen werden diese zum Problem.

Am gestrigen Dienstag berichtete die MDR-Umschau von dem Problem leer stehender Häuser.
Am gestrigen Dienstag berichtete die MDR-Umschau von dem Problem leer stehender Häuser.  © © MDR/Axel Berger

Nasse Wände, modrige Zimmer und reichlich Lärm aus dem Nachbarhaus: So beschreibt Helga Flade aus Hainichen ihre aktuelle Wohnsituation.

Grund dafür ist das verwahrloste Nachbarhaus nebenan, das allmählich zerfällt. Mehrfach habe sie sich nun schon beim zuständigen Landratsamt in Mittelsachsen beschwert, jedoch immer ohne Erfolg.

"Mein Haus ist klitschnass. Das säuft ab. Wer bezahlt mir den Schaden?", fragt sie Oberbürgermeister Dieter Greysinger (58, SPD).

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Doch auch er ist ratlos. Allein in Hainichen sind derzeit um die 20 Häuser am Verrotten.

In den meisten Fällen sind die Eigentümer abgetaucht, sodass sich nun die Stadt um die Sicherung oder den Abriss der Gebäude kümmern kann.

Im Osten verschärft sich das Problem

Besonders im Osten spitzt sich das Problem immer mehr zu. Allein in Leipzig stehen laut MDR rund 300 Gebäude leer. (Symbolbild)
Besonders im Osten spitzt sich das Problem immer mehr zu. Allein in Leipzig stehen laut MDR rund 300 Gebäude leer. (Symbolbild)  © 123RF/lariba

Besonders im Osten spitze sich das Problem solcher Immobilien immer mehr zu. So habe eine Stichprobe in den zehn größten Städten Mitteldeutschlands ergeben, dass Tausende Häuser betroffen sind.

Den Grund dafür kennt Sanierungsexperte Gernot Lindemann:

"Das Problem besteht darin, dass die Gebäude, die jetzt noch leer stehen, in der Regel auch schon seit der Wende leer stehen", erklärte er der "Umschau".

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Deswegen sei deren Zustand oft noch schlechter. Hinzu käme, dass die betroffenen Gebäude häufig in Nähe des Marktplatzes einer Mittelstadt stehen.

Um diese abzureißen und neu zu bauen, bedürfe es eines mobilen Markts, den es in kleineren Städten einfach nicht gebe.

Auch das Modell "Wächterhäuser" konnte die Lage nicht retten

Das Konzept der "Wächterhäuser" sah vor, dass sich die Bewohner um die Sanierung des Gebäudes kümmerten und dafür keine Miete zahlten. (Archivbild)
Das Konzept der "Wächterhäuser" sah vor, dass sich die Bewohner um die Sanierung des Gebäudes kümmerten und dafür keine Miete zahlten. (Archivbild)  © Jan Woitas/dpa

Um den hohen Leerstand unsanierter Häuser zu verringern, kam man in Leipzig vor 20 Jahren auf eine originelle Idee.

Bei dem Konzept der sogenannten "Wächterhäuser" sanierten die Bewohner selbst das Gebäude und zahlten dafür keine Miete.

Aber auch um dieses Projekt sei es seither still geworden, obwohl hier noch rund 300 Häuser leer stehen. Die einstigen Wächterhäuser seien verlassen und der zuständige Verein habe sich aufgelöst.

"Die Eigentümer von Häusern wissen inzwischen, wie sie ihre Immobilien vermarkten", erklärt Stadtplaner Klaus Schotte. "Da ist das Wächterhaus-Modell einfach nicht mehr das, was jetzt gebraucht wird."

Doch in den kleinen Städten wie Hainichen, deren Wohnungsmarkt nicht gerade boomt, seien die Häuser oftmals zu baufällig, um noch mal bewohnbar gemacht zu werden.

Im Falle von Helga Flade kommt hinzu, dass der Eigentümer ihres Nachbarhauses nicht erreichbar ist. Und selbst wenn die Eigentümer auffindbar sind, bleiben die Kosten für Kauf und Abriss, im Wert von mehreren Hunderttausend Euro, meist an der Stadt hängen.

Die komplette Folge "Umschau" steht in der ARD-Mediathek als Stream zur Verfügung.

Titelfoto: Jan Woitas/dpa

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