Vom Schandfleck zum Hingucker: So laufen die Bauarbeiten im alten Leipziger DDR-Bowlingtreff
Leipzig - Seit gut anderthalb Jahren wird der ehemalige Bowlingtreff am Wilhelm-Leuschner-Platz saniert. Von außen sieht man davon noch wenig. Das Gebäude wurde jahrzehntelang vernachlässigt und verkam. Aber innen tut sich einiges und am Donnerstag wurde ein weiterer wichtiger Schritt erreicht.
Sören Trillenberg (48), Staatssekretär des Sächsischen Staatsministeriums für Infrastruktur und Landesentwicklung, brachte einen Fördermittelbescheid in Höhe von 59,5 Millionen Euro mit nach Leipzig.
In Zeiten von knappen Haushaltskassen ist das keine Selbstverständlichkeit und die Pläne wurden von Teilen der Stadt stark kritisiert, aber man glaubt an das, was man in der Messestadt vorhat.
Das Leipziger Naturkundemuseum zieht in das Gebäude. Knapp 100 Millionen Euro sind dafür nötig, wovon der Freistaat somit einen großen Anteil übernimmt. Der Fördermittelbescheid war nur eine Ergänzung zum ersten aus dem November 2024.
Seit Baubeginn vor rund anderthalb Jahren wurde das Gebäude vor allem entkernt. In einer Etage befand sich laut dem Museumsdirektor Prof. Dr. Ronny Maik Leder alte Technik, bestehend unter anderem aus Motoren und Klimageräten.
Die Geräte aus dem unterirdischen Geschoss zu bekommen, war ein Kraftakt. Einige von ihnen hat das Technikmuseum in Markkleeberg übernommen.
Museumsdach soll schräg aus dem Platz ragen
Noch immer sind einige der alten Bowlingbahnen zu sehen. Sie kommen bis zum Sommer weg, dann geht die Sanierung in eine neue Phase. Einige Elemente, wie eine alte Bar, bleiben aber erhalten.
Unter anderem soll ein Teil der Decke angehoben werden, sodass sie Richtung Propsteikirche schräg aus dem Wilhelm-Leuschner-Platz herausragt und das Innere des Museums einsehbar ist.
Alle vier Etagen werden vollständig genutzt und zukünftig die Dauerausstellung sowie Sonderausstellungen zeigen. Der Fokus liegt auf regionaler Naturgeschichte, Objekten und Exponaten. Der Museumsdirektor versprach aber, dass das nicht bedeutet, das man auf beliebte Objekte wie beispielsweise Saurier verzichten müsse.
Einige Elemente sollen über mehrere Etagen spannen, wie zum Beispiel der "Tour de ter Meer". Geplant ist ein meterhoher Turm, der Tierpräparate von Herman Heinrich ter Meer zeigt, der mehrere Jahre in Leipzig forschte.
Geschichte des Gebäudes soll thematisiert werden
Prof. Dr. Ronny Maik Leder ist davon überzeugt, dass das neue Museum ein Vorreiter für die Wissenschaft und Forschung sein wird. Dabei wird die Geschichte des Gebäudes ein wichtiger Teil bleiben und immer wieder aufgegriffen.
In den 1920er Jahren wurde der denkmalgeschützte Gebäudekomplex aus Umspannwerk bzw. Akkumulatorenhalle genutzt, ab den 1980er Jahren entstand dort ein beliebter Bowlingtreff. Seit der Wende steht das Gebäude mehr oder weniger leer.
Auf einen Eröffnungstermin wollte sich am Donnerstag niemand so ganz festlegen. Denkbar ist, dass Umbau und Umzug 2029 oder 2030 abgeschlossen sind.
Titelfoto: Bildmontage: privat

