Müllabfuhr kommt 35 Jahre in Leipziger Straße: Plötzlich ist es zu gefährlich!

Von Anke Brod

Leipzig - Anwohner des Walter-Günther-Wegs/Am Hohen Graben im Leipziger Ortsteil Baalsdorf fühlen sich wie im falschen Film: Wegen schlechter Straßenverhältnisse entleert die Leipziger Stadtreinigung ihre Mülltonnen seit April teils nicht mehr am Haus. Volle Restmülltonnen nun aber bis zu 300 Meter über nasse Schotterwege zu Sammelplätzen ziehen zu müssen, "stinkt" den Betroffenen gewaltig. Sie verfassten eine Petition an den Leipziger Oberbürgermeister.

Diese beiden Männer bringen ihre Tonnen gerade zum offiziellen Sammelplatz auf Höhe der Walter-Günther-Straße 19.
Diese beiden Männer bringen ihre Tonnen gerade zum offiziellen Sammelplatz auf Höhe der Walter-Günther-Straße 19.  © Anke Brod

Vor allem für Ältere oder Gehbehinderte sei die neue Situation ein unzumutbarer Zustand, erfuhr TAG24 beim Besuch in der ruhigen Einfamilienhaussiedlung. "Vor allem daher haben wir Anwohner die Petition gestartet", verkündeten sie.

Erklärtes Ziel ist ein Vor-Ort-Gespräch mit Vertretern der Leipziger Stadtverwaltung zur fachlichen Klärung, um die reguläre Müll- und Abfallentsorgung ab Grundstücksgrenze wieder aufzunehmen. Gegebenenfalls seien die Voraussetzungen dafür zu schaffen, meinen die Unterzeichner.

"Die reguläre Müll- und Abfallentsorgung ab Grundstücksgrenze funktionierte seit circa 35 Jahren ohne Unfälle und anderweitige Störungen", heißt es in der Petition. Auch beim Rückwärtsfahren der Fahrzeuge über die gesamte Straßenlänge habe es einschließlich der Engstelle vor dem Hohen Graben auch beim Wenden keine bekannten Zwischenfälle oder Sachschäden gegeben, so die Erfahrungen.

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Darüber hinaus gebe es an beiden Straßenzügen Brachflächen, auf denen die Müllwagen ohne großen Aufwand wenden könnten, schlugen zwei junge Männer im TAG24-Gespräch vor.

Was werden die unmittelbaren Nachbarn im Sommer zu den Schmeißfliegen sagen?
Was werden die unmittelbaren Nachbarn im Sommer zu den Schmeißfliegen sagen?  © Anke Brod

Mehr Aufwand, weniger Gebühren?

Die Lösung liegt im Grunde vor der Tür: Am Hohen Graben könnte die Müllabfuhr auf dieser Fläche bequem wenden - ganz ohne Rückwärtsgang!
Die Lösung liegt im Grunde vor der Tür: Am Hohen Graben könnte die Müllabfuhr auf dieser Fläche bequem wenden - ganz ohne Rückwärtsgang!  © Anke Brod

Müllentsorgung stellt der Eigenbetrieb Stadtreinigung seinen Kunden als Dienstleistung in Rechnung. Im vorliegenden Fall verlangen die betroffen Hauseigentümer wegen der aktuellen Leistungsminderung nunmehr auch den finanziellen Ausgleich.

Eine jüngst durch die Stadtreinigung beauftragte Gefährdungsanalyse bildet die Grundlage für den geänderten Leerungshabitus in dem Baalsdorfer Wohngebiet. "Eine Überprüfung hat ergeben, dass das Befahren des hinteren Teiles dieser Straße mit unseren Abfallsammelfahrzeugen aus arbeitsschutzrechtlichen und verkehrsgefährdenden Gründen unzulässig ist", sagte Pressesprecherin Susanne Zohl auf TAG24-Anfrage.

Nach Paragraf 2 der gültigen Abfallwirtschafts-Satzung gelte eine Straße als nicht mehr befahrbar, wenn die lichte Durchfahrtsbreite weniger als 3,55 Meter betrage, schilderte sie und ergänzte: "Der unbefestigte, zum Teil schadhafte abschüssige Weg in Richtung 'Am Hohen Graben' ist für das Befahren mit Abfallsammelfahrzeugen nicht geeignet."

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Allerdings, so bedauerten Anlieger gegenüber TAG24, hätten Betroffene von der zuständigen Abfall-Logistik-Leipzig GmbH keine Gefährdungsbeurteilung über Rückwärtsfahrten zu Gesicht bekommen.

Wer haftet bei möglichen Unfällen?

Die Müllwagen dürfen den Walter-Günther-Weg nur bis zur Hausnummer 19 befahren. Das sorgt natürlich für Ärger bei den benachteiligten Anwohnern. (Symbolbild)
Die Müllwagen dürfen den Walter-Günther-Weg nur bis zur Hausnummer 19 befahren. Das sorgt natürlich für Ärger bei den benachteiligten Anwohnern. (Symbolbild)  © Sina Schuldt/dpa

Das betriebsbedingte (Rückwärts-)Fahren der Müllwagen ist jetzt also lediglich noch bis zur Hausnummer 19 im Walter-Günther-Weg erlaubt. Somit müssen Anwohner der Grundstücke 2 bis 18a und am Hohen Graben 7 bis 9 ihren Müll mühsam über Schottersteine zum Walter-Günther-Weg 19 oder der Einmündung zum "Alten Wasserwerk" bugsieren.

Es stelle sich die Frage, wer haftet, wenn trotz festgestellter Gefährdung eingefahren wird und ein Unfall passiert, erklärte Zohl weiter. "Diese Unfälle – leider auch tödlichen Unfälle – sind in Deutschland bereits vorgekommen", sagte sie und betonte: "Gerade, weil wir Unfälle vermeiden wollen, ist dieses stringente Handeln notwendig."

In puncto unbefestigter "Schotterpisten" hatte der zuständige Ortschaftsrat Engelsdorf via Haushaltsantrag im Jahr 2020 erreicht, den Walter-Günther-Weg, Hohen Graben samt der anliegenden Straßen Zum Alten Wasserwerk und Christian-Wille-Weg in das städtische, mittelfristige Investitionsprogramm "Straßen- und Brückenbau 2020 – 2024" einordnen zu lassen.

Eine neuerliche Anfrage von AfD-Stadtrat Marius Beyer (24), ob seitens Verkehrs- und Tiefbauamt (VTA) die Asphaltierung genannter Straßen denkbar wäre, hatte ergeben: Der Ersatz der ungebundenen Oberflächenbefestigung durch eine Asphaltschicht ist nur mit einer "geordneten Entwässerung" möglich. Auch entspreche der "Aufbau des Unterbaus" nicht den Anforderungen. Es brauche umfangreiche planerische Untersuchungen mit guter Entwässerungslösung.

Und die Anwohner müssten sich offenbar mit 90 Prozent an den Erschließungskosten beteiligen.

Meterweit muss auch diese Anwohnerin in der Straße "Am Hohen Graben" ihre Mülltonnen zur Leerung mühselig an die Einmündung "Zum Alten Wasserwerk" und zurück rollen.
Meterweit muss auch diese Anwohnerin in der Straße "Am Hohen Graben" ihre Mülltonnen zur Leerung mühselig an die Einmündung "Zum Alten Wasserwerk" und zurück rollen.  © Anke Brod

Immerhin wollen sich VTA-Vertreter bei der Engelsdorfer Ortschaftsratssitzung am 8. Mai dem schon formulierten Fragenkatalog der Bürger aus dem Baalsdorfer Wohngebiet annehmen.

Titelfoto: Anke Brod

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