Pflanzungen in luftiger Höhe: Hier schweben Bäume per Kran ein!

Von Anke Brod

Leipzig - Nanu, hängt hier ein Baum am Seil? Kein Aprilscherz war am heutigen Mittwoch das imposante Schauspiel am alten Sellerhäuser Viadukt im Leipziger Osten: Dort schwebten zur Bepflanzung des denkmalgeschützten Ingenieurbauwerks für das Projekt "Parkbogen Ost" mehrere Bäume ein.

Die Bäume wurden mit einem Kran in Position gebracht.  © Anke Brod

Auf dem Viadukt erwächst gerade ein gänzlich neuer, urbaner Raum. Die Arbeiten auf dem 250 Meter langen Herzstück des "Parkbogen Ost"  gehen voraussichtlich noch bis Herbst. Gearbeitet wird hoch oben nach Vorgaben des Landschaftsarchitekturbüros Sinai.

Bis Mitte April sollen auf dem Betongrund des in der Substanz bereits sanierten Viadukts insgesamt 50 Bäume in speziellen Trögen mit wasserspeicherndem Substrat stehen, die meisten sind schon da. Gut 6500 Stauden und Gräser, darunter 90 Sträucher, ergänzen das Grün später.

Wegen enormer Windlasten in dieser Höhe werden die schon relativ großen Bäume mit Haken und Gewichten massiv in ihren Kästen verankert.

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"Jeder neue Baum, jedes neue Stück Natur zählt – auch an außergewöhnlichen Standorten", betonte Leipzigs Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (51, Linke) vor Ort. Die Anpassung an den Klimawandel und der damit einhergehende Artenrückgang erfordere innovative, widerstandsfähige und nachhaltige Lösungen. Demnach waren Bäume auf dem Viadukt eigentlich nicht vorgesehen. Man werde sehen, wie sich das Experiment entwickle, ergänzte Rosenthal daher.

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Die Bäume stehen, der Anfang ist also gemacht.  © Anke Brod

Parkbogen Ost: Pfiffige Bürger als treibende Kraft

Heiko Rosenthal (51, Linke, l.) und Thomas Dienberg (64, Grüne, M.) begleiteten den Prozess am Mittwoch.  © Anke Brod

Sitzbereiche für Begegnung, Bewegung und Erholung hoch oben kommen bald hinzu. Beleuchtung, Treppenanlagen und Rampen als Zugänge sind indes schon in der Mache, wie etwa die Aufgänge von der Eisenbahnstraße und der Wurzner Straße.

Die Baukosten für die Maßnahmen allein am Viadukt belaufen sich auf 8,1 Millionen Euro. Davon muss die Stadt durch Bundesfördermittel lediglich zwei Millionen Euro selber berappen. 

"Aus einer Idee aus der Bürgerschaft wurde ein Plan auf Papier, und aus Konzepten wächst nun buchstäblich neues Grün", freute sich auch Baubürgermeister Thomas Dienberg (64, Grüne). "Den Leipziger Osten mit dem Rad zu umrunden und alten Gleisanlagen eine neue Funktion zu geben, nimmt Schritt für Schritt Gestalt an." 

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Der "Parkbogen Ost" ist ein städtisches Entwicklungsprojekt mit bundesweiter Vorreiterrolle. Auf einer 2013 stillgelegten Bahntrasse entsteht im Osten der Messestadt ein Aktivband aus Grün- und Bewegungsflächen. Das Ende ist irgendwann am Leipziger Hauptbahnhof vorgesehen.

Der Sellerhäuser Bogen steht bei alledem zentral: Fernab vom Autoverkehr verknüpft er später fußläufig Stadtteile wie Volkmarsdorf, Sellerhausen oder Anger-Crottendorf miteinander.

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