Leipzig - Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (52, SPD) will 2027 in Leipzig in den Oberbürgermeistersessel. TAG24 hat den Politiker in seiner Wahlheimat getroffen und nachgefragt, wie es zu dieser Entscheidung kam.
TAG24: Vom Minister zum Oberbürgermeister - haben Sie sich das gut überlegt?
Dirk Panter: Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht. Ich habe gerade ein Amt inne, das ich sehr gerne bekleide. Und dann hinterlässt Burkhard Jung ja auch sehr große Fußstapfen.
Da sollte man nicht einfach so hineinstolpern. Gleichzeitig habe ich auch nicht lange überlegen müssen. Ich bin seit 31 Jahren Leipziger - und zwar mit Leib und Seele. Immer wenn ich hierher zurückkomme, bin ich zu Hause. Ich übernehme gern Verantwortung und deshalb war die Entscheidung klar.
TAG24: Dennoch halten nicht wenige diesen Schritt eher für einen Abstieg als für einen Karrieresprung ...
Panter: Ich bin wirklich gerne Minister. Das ist ein tolles, ein hohes Amt. Trotzdem wäre es etwas ganz Besonderes für mich, in einer Stadt wie Leipzig Oberbürgermeister sein zu dürfen.
TAG24: Die Aussicht, in der nächsten Legislatur unter Umständen kein Ministeramt mehr zu bekleiden, hat dabei keine Rolle gespielt?
Panter: Wir sind eine Minderheitsregierung. Deshalb kann das jeden Tag passieren. Es kann aber auch noch Jahre dauern. Ich lebe nicht in diesen Eventualitäten. Die Gelegenheit, mich als Oberbürgermeister in Leipzig zur Wahl zu stellen, kommt nur alle sieben Jahre. Und das ist jetzt. Ganz einfach.
Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter: "Finanznot ist groß"
TAG24: Leipzig bietet viel Identifikationspotenzial - die Musik, die Kunst, die lange Messetradition ... Was macht Leipzig für Sie besonders?
Panter: In Leipzig gibt es eine ganz lebendige Stadtgesellschaft, die sehr breit aufgestellt ist und zusammenhält, wenn es darauf ankommt. Das sehe ich in anderen Städten eher weniger. Das macht Leipzig zum Beispiel besonders.
Der Sport, die Vereine, die wirtschaftliche Stärke, der soziale Aufschwung, die Kultur. Das gilt es jetzt gemeinsam zusammenzuhalten - trotz knapper Kassen.
TAG24: Welchen Plan haben Sie für Leipzig?
Panter: Machen wir uns nichts vor: Die Herausforderungen sind vielfältig, und die Finanznot ist groß. Deshalb sind zwei Dinge meiner Meinung nach wichtig: Wirtschaft und Soziales. Eine Stadt braucht Gewerbesteuereinnahmen. Wir müssen Zukunftstechnologien nach Leipzig holen, dürfen aber die ganz klassischen Wirtschaftsbereiche nicht vernachlässigen.
Wir brauchen neue Arbeitsplätze und müssen um den Erhalt der vorhandenen kämpfen. Und wenn Menschen in Arbeit kommen, benötigen sie keine Transferleistungen mehr. Das wiederum entlastet den städtischen Haushalt. Wenn wir es dann noch schaffen, bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen, haben wir schon einiges im Griff.
TAG24: Sie würden nicht antreten, wenn Sie sich keine Chancen ausrechnen würden. Schaffen Sie es gleich im ersten Wahlgang am 21. Februar?
Panter: Ob ich es schaffe, das entscheide nicht ich. Das entscheiden die Wählerinnen und Wähler. Ich kann nur ein Angebot machen, und das werde ich mit aller Kraft tun. Und gleichzeitig bin ich mit der nötigen Gelassenheit unterwegs, um das zu akzeptieren, was auch immer kommt.