"Summe nicht nachvollziehbar": Leipzig will Flüchtlingsheim für 15 Millionen Euro kaufen

Leipzig - Für 500.000 Euro verkaufte die Stadt Leipzig 2014 die ehemalige Berufsschule an der Friederikenstraße, um sie in eine Flüchtlingsunterkunft umbauen zu lassen. Nun will die Stadtverwaltung das Objekt zurückkaufen - für rund 15 Millionen Euro. Das Vorhaben sorgte für heftige Diskussionen während der Ratsversammlung.

Die Flüchtlingsunterkunft an der Friederikenstraße in Leipzig soll zurück in den Besitz der Stadt wandern. Nachdem das Objekt jedoch 2014 für 500.000 Euro verkauft wurde, verlangt der Besitzer nun das 30-fache: 15,3 Millionen Euro.
Die Flüchtlingsunterkunft an der Friederikenstraße in Leipzig soll zurück in den Besitz der Stadt wandern. Nachdem das Objekt jedoch 2014 für 500.000 Euro verkauft wurde, verlangt der Besitzer nun das 30-fache: 15,3 Millionen Euro.

"Aus unserer Sicht ist diese Summe nicht nachvollziehbar", erklärte Linken-Stadtrat Volker Külow im Namen seiner Fraktion und bezeichnete das Angebot kurz darauf als "kaltherzige Spekulation bei Ausnutzung einer Notlage".

"Wer will, kann darin pures Kriegsgewinnertum erkennen", so Külow weiter. "Nicht durch die Hintertür, sondern frontal durch ein Wohnheim."

Mit teils heftigen Worten diskutierte die Leipziger Ratsversammlung am Donnerstag den Kauf der Flüchtlingsunterkunft an der Friederikenstraße 37 in Dölitz-Dösen. 2014 hatte die Stadt das Objekt noch für 500.000 Euro verkauft, damals noch als ehemalige Berufsschule. Heute bietet das Gebäude etwa 300 Menschen Platz - und soll nun für rund 15,3 Millionen Euro den Besitzer wechseln.

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Die Stadt hatte zuvor, zu Beginn des Ukraine-Krieges, eine Nutzung der Einrichtung als Mieter verhandelt, dann jedoch das Kaufangebot erhalten.

Zunächst sei dabei sogar von 16,3 Millionen Euro die Rede gewesen. "Uns war klar, dass dieser Kaufpreis noch einmal verhandelt werden soll", sagte Leipzigs Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU). "Jetzt haben wir ein Angebot vorliegen von 15,3 Millionen."

Erste Ideen für die Zeit nach der Unterkunft

Das Vorhaben stieß im Stadtrat auf heftige Kritik. Dennoch stimmten alle für den Kauf, um Platz für Geflüchtete zu schaffen.
Das Vorhaben stieß im Stadtrat auf heftige Kritik. Dennoch stimmten alle für den Kauf, um Platz für Geflüchtete zu schaffen.

"Manchmal muten Sie uns ganz schön was zu", kritisierte Andreas Geisler von der SPD. Er erklärte jedoch auch, dass seine Fraktion dem Vorhaben "zähneknirschend zustimmen" werde.

Auch Dr. Külow versicherte, der Kauf werde "trotz der geschilderten Vorbehalte nicht an der Links-Fraktion scheitern". Die Linken forderten jedoch, statt der gebotenen 15,3 Millionen Euro einen Kaufpreis von 14,8 Millionen Euro zu nennen und diesen entsprechend noch einmal zu verhandeln.

Auch CDU und Freibeuter schlossen sich dem Vorhaben an. Letztere forderten jedoch, dass die Belegung der Einrichtung innerhalb von fünf Jahren auf maximal 60 Personen reduziert werden soll. Gleichzeitig soll die Stadt weitere, dezentrale Unterbringungsmöglichkeiten aufbauen.

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Die Stadt hatte zuvor versichert, das Objekt könne auch in Zukunft genutzt werden, sobald es nicht mehr als Unterkunft benötigt wird. Unter anderem von einem Internat und einem Wissenschaftscampus soll dabei die Rede gewesen sein. Statt jedoch zu warten, was in fünf Jahren passiert, wollten die Freibeuter lieber aktiv in die Planung gehen.

Auch die Christdemokraten schlugen eine Prüfung vor, was nach dem Ende der Unterkunft aus dem Objekt werden könne. Ein erstes Konzept soll bereits bis zum zweiten Quartal 2023 vorgelegt werden.

Die Vorlage zum Kauf der Unterkunft sowie die Änderungsanträge von Linken, CDU und Freibeutern wurden schließlich beschlossen. Die AfD hatte sich bereits im Vorfeld gegen das Vorhaben ausgesprochen und schließlich auch geschlossen dagegen gestimmt.

Titelfoto: privat

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