Zu viele Männer auf Leipzigs Straßen: Diese Frauen sollen das neue Messestadt-Quartier zieren

Leipzig - 1100 neue Wohnungen sollen in den kommenden Jahren auf der Brachfläche hinter dem Bayerischen Bahnhof entstehen. Ein ganz neues Quartier samt Geschäften, Parks und Wohnhäusern will Leipzigs Stadtverwaltung dort errichten. Für die Straßennamen wurde schon mal eine Marschrichtung vorgegeben.

Noch ist nicht viel zu sehen, doch in den kommenden Jahren soll auf der Brachfläche hinter dem Bayerischen Bahnhof ein neues Quartier entstehen.
Noch ist nicht viel zu sehen, doch in den kommenden Jahren soll auf der Brachfläche hinter dem Bayerischen Bahnhof ein neues Quartier entstehen.  © Christian Grube

Geht es nach dem Stadtbezirksbeirat (SBB) Süd, sollen zumindest fünf von ihnen nach Leipziger Frauen benannt werden. Der Grund: Bislang sind diese im Stadtbild unterrepräsentiert.

"Es gibt in der Südvorstadt keine einzige Straße, die nach einer Frau benannt ist. Keine einzige. Doch wenn ich mich in der Südvorstadt so umschaue, dann sehe ich nicht nur Männer da leben", erklärte Leonie Hain vom SBB Süd.

Tatsächlich sollen von den 3361 benannten Straßen in Leipzig gerade einmal 56 nach realen Frauen benannt sein. Dabei leben laut Angaben der Stadtverwaltung mehr Frauen als Männer in der Messestadt. "Frauen wurden über Jahrhunderte im öffentlichen Leben marginalisiert. Bis vor Kurzem gab es ja noch nicht mal eine einzige Ehrenbürgerin der Stadt Leipzig. Und doch gibt es viele Frauen, deren Wirken eine Ehrung verdient."

Teenie-Gang bedroht und bestiehlt Schüler: 15-Jähriger wegen mehrerer Delikte hinter Gittern
Leipzig Politik Teenie-Gang bedroht und bestiehlt Schüler: 15-Jähriger wegen mehrerer Delikte hinter Gittern

Die Stadt verfolge bereits das Ziel, Frauen bei der Benennung von neuen Straßen zu begünstigen. "Sie prägen unser kollektives Gedächtnis nachhaltig. Wenn also überproportional Männer vertreten sind, hat das Auswirkungen auf das Denken der Bürgerinnen."

Diese Frauen sollen im neuen Quartier geehrt werden

Geht es nach dem Stadtbezirksbeirat Süd, sollen zumindest fünf Straßen des neuen Quartiers nach wichtigen Frauen der Leipziger Geschichte benannt werden. Bislang sind diese im Stadtbild deutlich unterrepräsentiert.
Geht es nach dem Stadtbezirksbeirat Süd, sollen zumindest fünf Straßen des neuen Quartiers nach wichtigen Frauen der Leipziger Geschichte benannt werden. Bislang sind diese im Stadtbild deutlich unterrepräsentiert.  © Christian Grube

Zu den Frauen, die nun im neuen Quartier einen Straßennamen erhalten sollen, gehören:

  • Julie Bebel (1843–1910): Durch ihre Ehe mit August Bebel (1840–1913), einem der Begründer der deutschen Sozialdemokratie, wurde aus der Leipziger Arbeiterin Julie Otto eine politisch aktive Frau. Das Preußische Vereinsgesetz untersagte ihr jedoch, politisch aktiv zu werden. Erst 1908 änderte sich dies. Trotz dieser Beschränkungen sei Julie Bebel zu einer wichtigen Figur der Sozialdemokratie geworden, die heute auch als "Das Sekretariat der Sozialdemokratie" bekannt ist. Ihr Mann ist bereits Namensgeber einer bekannten Straße. "Julie Bebel hingegen, welche im Gegensatz zu ihrem Mann Leipzigerin war, bekam keine Straße", so Hain.

  • Dr. Felicia Hart (1903–1976): Vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten war Dr. Felicia Hart die erste und einzige Anwältin jüdischen Glaubens in Leipzig. 1932 erhielt sie ihre Anwaltszulassung und gründete mit einer Freundin eine eigene Kanzlei. Ein Jahr später verlor sie diese jedoch nach der Machtergreifung. Hart floh nach England, setzte sich dort für ihre jüdischen Mitmenschen ein, aber kehrte nie nach Deutschland zurück, "denn ihr älterer Bruder Jakob und ihre Mutter wurden im Konzentrationslager ermordet", sagte Hain.

Ebenfalls bedacht werden sollen Schauspielerin Ingeborg Krabbe (Mitbegründering der Leipziger Pfeffermühle), Pädagogin Käthe Duncker (mit Clara Zetkin Mitinitiatorin des internationalen Frauentags) und Dr. Hildegard Heyne (Leiterin der Graphischen Sammlung im Museum der Bildenden Künste).

Wegen fünf Euro Gebührenerhöhung: AfD-Politiker eskaliert im Stadtrat
Leipzig Politik Wegen fünf Euro Gebührenerhöhung: AfD-Politiker eskaliert im Stadtrat

"Das Leipziger Stadtbild ist ohne diese Schicksale nicht komplett", sagte Hain zum Abschluss ihrer Rede. Der Antrag wurde schließlich mit großer Mehrheit beschlossen.

Titelfoto: Christian Grube

Mehr zum Thema Leipzig Politik: