Sachse 16 Jahre ohne Strom: "Im Winter war es dunkel, im Sommer konnte man keine Lebensmittel lagern"

Leipzig - Nach Hause kommen, Licht anschalten, Handy laden, Essen kochen und nebenbei die Waschmaschine schleudern hören: Was wohl für die meisten nach normalem Alltag klingt, war für Tom* über mehr als 15 Jahre wegen Stromschulden ein fehlendes Luxusgut. Jetzt hat sich der Leipziger Hilfe gesucht und spricht über die schwere Zeit.

*Name geändert

Ein Leipziger lebte 16 Jahre fast durchgehend ohne Strom. (Symbolbild)
Ein Leipziger lebte 16 Jahre fast durchgehend ohne Strom. (Symbolbild)  © 123rf/chingyunsong

"Irgendwann hatte ich kein Geld gehabt, dann wurde mir der Strom abgeschaltet und die Kosten waren zu hoch", erzählt der 45-Jährige dem MDR. Er habe "15, 16 Jahre keinen Strom" gehabt.

"Im Sommer war es extrem, man konnte keine Lebensmittel lagern und im Winter war es dunkel. Irgendwann verzweifelt man", gibt der Leipziger zu, der auch mit Depressionen zu kämpfen hat. Einige Freunde wenden sich wegen der Schulden von ihm ab, die auf mehr als 20.000 Euro angewachsen sind.

Um sich nicht im Dunkeln duschen oder Zähne putzen zu müssen, schaltet der 45-Jährige sein Handylicht an. Bei Familie und Freunden lädt er sein Smartphone auf, lässt seine Wäsche waschen.

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Weil er immer wieder in die Arbeitslosigkeit rutscht, kann er seine bereits angefallenen Rückstände nicht schmälern, baut sie sogar noch weiter auf. In seinem Fall kann nur ein Insolvenzverfahren helfen.

Toms* Fall ist ein extrem seltener, weiß Cornelia Hansel, Schuldnerberaterin bei der Verbraucherzentrale Sachsen (VZS). Und rät: "Wer eine Abmahnung von seinem Energieversorger bekommt, sollte das als absolutes Achtungszeichen nehmen und anfangen zu recherchieren, zu schauen und zu klären, was denn hier passiert ist."

Leipziger lebt knapp 16 Jahre ohne Strom: "Das ist peinlich für jemanden, der Schulden hat"

In Leipzig sind besonderes viele Menschen von Stromsperren betroffen.
In Leipzig sind besonderes viele Menschen von Stromsperren betroffen.  © Jennifer Brückner/dpa

Man sollte auf den Stromanbieter zugehen und versuchen, eine Regelung zu finden. "Normalerweise ist es möglich, sich einvernehmlich mit dem Energielieferanten zu einigen und die Probleme aus der Welt zu bekommen", so Hansel. Zu einer Stromsperre komme es eigentlich nur, wenn sich der Betroffene nicht melde und auch keine Hilfe in Anspruch nimmt.

Eine Möglichkeit: Das Sozialamt übernimmt die angefallenen Stromschulden zunächst, der Betroffene stottert den Betrag dann in Raten ab.

Irgendwann nimmt Tom* die Hilfe an, lässt sich von der VZS beraten. "Die haben mich von Anfang an aufgebaut, erst mal die Termine wahrzunehmen. Das ist peinlich für jemanden, der Schulden hat und das auch erst mal zu begreifen, dass man das hat", sagt er in dem MDR-Interview.

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In Sachsen besonders von Stromsperren betroffen ist Leipzig. 2025 waren es 3600 und damit etwa 2400 mehr als 2024, meldet das Wirtschaftsministerium. Dresden lag bei 2100, Chemnitz bei 1800.

Titelfoto: Bildmontage: Jennifer Brückner/dpa ; 123RF/chingyunsong

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