Sonderausstellung mit Gruselfaktor widmet sich vergangenen Geisterwelten
Von Thomas Schöne
Halle (Saale) - Rätselhafte Zeichen, unbekannte Klänge und mystische Figuren: Schamanen galten in vielen Kulturen als Vermittler zwischen Menschen und Geistern. Sie versetzten sich in Trance, um mit übernatürlichen Kräften in Kontakt zu treten, Krankheiten zu heilen oder Rat zu suchen. Einen umfassenden Einblick in dieses Phänomen bietet die Sonderausstellung "Die Schamanin", die vom 27. März bis 1. November 2026 im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle zu sehen ist.
Die aufwendig inszenierte Schau gilt als bislang umfangreichste Ausstellung zum Schamanismus aus archäologischer Perspektive in Mitteleuropa. Auf rund 900 Quadratmetern werden mehrere hundert Exponate von 39 Leihgebern aus 14 Ländern präsentiert.
Sie verbinden archäologische Funde mit ethnologischen Objekten und geben Einblicke in eine spirituelle Tradition, deren Wurzeln bis in die Vorgeschichte zurückreichen.
Im Atrium des Museums steht eine große Schamanentrommel aus Sibirien aus dem Jahr 1884. Solche Instrumente sind heute selten erhalten. "Schamanentrommeln waren ein persönliches Werkzeug des Schamanen", sagt Kurator Michael Schefzik.
Erst Trommel und rituelles Gewand hätten es ermöglicht, in Trance zu reisen – in die Oberwelt der Geister ebenso wie in die Unterwelt. Die Welt der Menschen galt demnach als Mittelwelt zwischen diesen Sphären. "Mit dem Tod des Schamanen endete auch das Leben der Trommel", erklärt Schefzik. Die Bespannung sei zerschnitten und die Trommel mit ins Grab gelegt worden.
Der "Herr der Trommel"
Die Trommel stammt aus dem Altai-Gebirge. Auffällig ist eine in ihrem Inneren angebrachte Figur namens Äsi. Diese gilt als "Herr der Trommel".
Mit ausgestreckten Armen unterteilt Äsi symbolisch den Kosmos in Ober- und Unterwelt. In der oberen Sphäre ist ein Regenbogen dargestellt, in der unteren sind Zedern abgebildet. Rote Bänder an der Figur sind den Ahnen des Schamanen geweiht.
Gespielt wurden solche Trommeln nicht mit der Hand, sondern mit verzierten Schlägeln.
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Neueste Forschungsergebnisse zur Schamanin von Bad Dürrenberg
Ausgangspunkt der Ausstellung sind die neuesten Forschungen zum Grab der Schamanin von Bad Dürrenberg. Dieses war 1934 zufällig bei Bauarbeiten entdeckt worden und gilt mit einem Alter von rund 9000 Jahren als das älteste sicher nachgewiesene Schamaninnengrab der Welt.
Die etwa 30 bis 35 Jahre alte Frau wurde sitzend bestattet, in ihren Armen lag ein etwa sechs Monate alter Säugling. Ein Kopfschmuck aus Rehgeweih und Tierzähnen weist auf ihre besondere Stellung hin.
Genetische Untersuchungen ergaben, dass das Kind nur sehr entfernt mit der Schamanin verwandt war. Experten vermuten, dass der Säugling möglicherweise zu ihr gebracht wurde, um von ihr behandelt zu werden. "Sie war offenbar eine Heilerin, zu der Menschen aus der Umgebung kamen", sagt Landesarchäologe Harald Meller.
Neben dem Grabfund widmet sich die Ausstellung auch der Mittelsteinzeit – einer Phase tiefgreifender Veränderungen nach dem Ende der Eiszeit. Exponate aus internationalen Sammlungen, unter anderem aus Schweden, Dänemark, Estland, Finnland, England, Serbien, Italien und Spanien, zeichnen ein Bild dieser Epoche, die von neuen Lebensweisen, aber auch von großen Herausforderungen geprägt war.
Titelfoto: Bildmontage/Jennifer Brückner/dpa
