Nach Tigerbaby-Tötungen im Leipziger Zoo: Staatsanwaltschaft sieht keine Fehler
Leipzig - Im August 2025 sorgte der Leipziger Zoo deutschlandweit für Schlagzeilen. Nur wenige Tage nach der Geburt von drei Tigerbabys mussten die Tiere eingeschläfert werden, weil die Mutter sich von ihnen abgewandt hatte. Die Tierschutzorganisation "PETA" erstattete Anzeige gegen den Zoodirektor Jörg Junhold (62) und mittlerweile pensionierten Tierarzt Andreas Bernhard (64).
Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat wegen des Verdachts der Tiertötung ohne vernünftigen Grund ermittelt und das Verfahren Anfang dieser Woche eingestellt, weil es keinen hinreichenden Tatverdacht gegen die Verantwortlichen gab.
Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, gab es zu dem Zeitpunkt, als die Tiere aus der Wurfkiste herausgenommen und tierärztlich untersucht wurden, aus medizinischer Sicht keine Alternative.
Ihr Zustand war demnach so schlecht, dass sie innerhalb weniger Stunden sowieso gestorben wären. "Eine Alternative für eine leidens- und schmerzfreie Erhaltung des Lebens der Tiere bestand nicht", heißt es in der Einstellungsverfügung.
Die Jungtiere hatten eine stark verringerte Körpertemperatur. Zwei von ihnen waren so dehydriert, dass man ihnen kein Blut mehr abnehmen konnte, und bei zwei Tieren war der Schluckreflex schon nicht mehr vorhanden.
Die Anwälte kamen zu dem Entschluss, dass, selbst wenn die Verantwortlichen im Zoo sich, obwohl sie es ablehnten, für den Versuch einer Handaufzucht entschieden hätten, es nur zu zusätzlichem Tierleid geführt hätte.
Hätte man die Tiere schon vorher retten können?
Aber hätte man die Tiere nicht eher aus der Kiste nehmen und per Hand aufziehen können? Auch dieser Frage ist die Justiz nachgegangen und hat verschiedene Punkte beleuchtet.
Experten und Wissenschaftler sind sich einig, dass eine natürliche Aufzucht, also die bei der Mutter, die artgerechteste Variante für die Jungtiere ist. Wissenschaftlich kann nicht belegt werden, dass eine Handaufzucht physisch und psychisch gesunde Tiere hervorbringt. Erfahrungen zeigen eher, dass viele der Tiere dann Probleme in der Kommunikation und Interaktion mit Artgenossen haben.
Wie Kameraaufnahmen aus der Wurfkiste belegen, hat die Amurtigerin Yushka ihre Babys am Anfang noch geputzt und gesäugt. Nachdem sie die Box verlassen hatte, hatten die Pfleger sie sogar wieder darin eingesperrt. Ihr Verhalten soll auch da noch entspannt gewesen sein und es bestand zu Recht Hoffnung darauf, dass sie sich wieder um die Tiere kümmern würde.
Die Staatsanwaltschaft sagt deswegen, dass es die natürliche Aufzucht behindert hätte, wenn man die Jungtiere eher aus der Box geholt hätte. Gleichzeitig stellte die Justiz fest, dass die Thematik der Handaufzucht von Wildtieren in Zoos auch in der Wissenschaft kontrovers diskutiert wird. Eine klare Einordnung in richtig oder falsch sei daher nicht möglich.
Wie Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz auf TAG24-Anfrage erklärte, gibt es bisher "keine Beschwerden der Anzeigeerstatter gegen die Einstellung des Verfahrens".
Titelfoto: Zoo Leipzig

